Die Adventures von Jakub Dvorsky sind anders. In melancholisch gezeichneten Fantasiewelten reichen sich Tragik und Komik die Hand. Das Abenteuer des Roboters Josef in Machinarium bildet da keine Ausnahme. Amanita Design bleiben bei ihrem ersten großen Spielprojekt ihren Prinzipien treu. Und das ist gut so.
Immer größer
Im Jahre 2003 machte der tschechische Spielemacher Jakub Dvorsky erstmals auf sich aufmerksam. Sein 30-Minuten-Adventure
Samarost begeisterte aufgrund des ungewöhnlichen Grafikstils und Gameplays die Internetgemeinde. 2005 erschien der Nachfolger
Samarost 2, der mehrere Stunden Spielspaß bot, mit 5 Dollar allerdings einen kleinen Obolus einforderte. Mit
Machinarium gehen Amanita Design einen Schritt weiter. Das Flash-Adventure ist das erste Vollpreisspiel der Independent Entwickler. Mit Daedalic haben die Tschechen in Deutschland einen großen Verbündeten gefunden. Der auf Adventures spezialisierte Publisher hat bereits mit
»Edna bricht aus bewiesen, dass auch ungewöhnliche Spiele das Zeug zum Kassenschlager haben. Doch was ist überhaupt so besonders an
Machinarium?
Ohne Worte
Der augenscheinliche Unterschied zu handelsüblichen Adventures ist der konsequente Einsatz handgezeichneter Grafiken wie wir ihn zuletzt in
»The Whispered World gesehen haben. Der visuelle Stil von
Machinarium zeichnet sich durch eine melancholische Grundstimmung aus. Zudem wirkt Dvorskys Maschinenwelt einerseits befremdlich, andererseits vertraut. Eine großartige Leistung, die dem Kunststatus durchaus gerecht wird. Die Soundkulisse ist minimalistisch gehalten. Effekte werden nur sehr spärlich eingesetzt, die Musik bleibt unauffällig im Hintergrund. Diesen Minimalismus treibt der Entwickler bei den Sprachsamples auf die Spitze, denn es gibt keine. Ihr werdet nicht mal eine Textzeile zu Gesicht bekommen.
Machinarium erzählt seine Geschichte ausschließlich über Bilder. Dieser Vorsatz bringt besonders originell geführte Gespräche hervor. In Sprechblasen laufen kleine Filmchen ab, die keiner Worte bedürfen.
Für Entdecker
Die Interaktionsmöglichkeiten mit der Spielwelt sind für ein aktuelles Adventure limitiert. Im Wesentlichen könnt ihr in
Machinarium lediglich Hotspots anklicken. So gilt es in jeder Szene zunächst einmal die interaktiven Elemente ausfindig zu machen und deren Sinn zu verstehen. Diese Spielmechanik kennen wir aus der
Goblins-Reihe. Und so appelliert auch
Machinarium an eure Experimentierfreudigkeit. Mitunter ist die Hotspot-Suche zwar etwas mühsam, dennoch ist Josefs Abenteuer niemals frustrierend schwer. Im Gegenteil: Das Adventure ist selbst für Neulinge problemlos zu meistern. Solltet ihr an einer Stelle mal nicht weiterkommen, hilft euch die integrierte Lösungshilfe auf die Sprünge.
Machinarium beschränkt sich allerdings nicht nur auf die
Goblins-Mechanik. Hin und wieder müssen Gegenstände im Inventar kombiniert oder kleine eingebettete Rätsel gelöst werden.
Tolle Extras
Da
Machinarium auf Flash basiert, genügen selbst leistungsschwache Rechner für einen Ausflug in die skurrile Roboterwelt. Mit einem 1,6 GHz Prozessor und 1 Gigabyte RAM seid ihr schon dabei. Es werden sogar Macs unterstützt. Auf unserem Testrechner wurden wir leider durch regelmäßige Abstürze geplagt. Abhilfe schaffte weder der aktuelle Patch noch die Aktualisierung des Flash-Players. Im Fenstermodus läuft
Machinarium hingegen stabil. Erzwungene Neustarts hin oder her – das neuste Dvorsky-Machwerk ist ein kurzer Spaß. Nach knapp 5 Stunden dürftet ihr das Spiel gemeistert haben. Einen Wiederspielwert hat es adventuretypisch nicht. Immerhin könnt ihr euch nach dem Abspann
Samarost 2 zuwenden, das als Vollversion
Machinarium beiliegt. Oder ihr lauscht dem stimmungsvollem Soundtrack, der ebenfalls in der Spielepackung enthalten ist.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

