Dank Shadowgrounds bereits im Kreis der kleineren und unscheinbareren Spiele auf dem PC be- und anerkannt, verlassen die Finnen von Frozenbyte die von aggressiven Aliens bevölkerte Zukunft, um sich am heroischen Fantasy-Titel Trine zu versuchen. Darin steuern wir drei unterschiedliche Figuren (Magier, Diebin, Ritter) und schlagen uns durch eine mystische, poetisch anmutende Welt, um ein altes magisches Artefakt aufzuspüren. Mit einer physikbasierten Genremischung aus Adventure, Action und Jump'n'Run scheint mit Trine ein spannendes Abenteuer auf den Spieler zu warten. Lohnt es sich wirklich, sich diesem zu stellen?
Storytelling
Die Geschichte von
Trine wird märchentypisch mit "Es war einmal..." eingeführt. Ihr werdet bereits in den ersten Sekunden mit wunderschönen Bildern und durch eine warme, beruhigende Stimme empfangen - und verzaubert. Nur einige Augenblicke später wisst ihr, dass ihr gerade die Füße in eine von Geheimnissen strotzende und in einem schrecklichen Fluch verfangene, eigentümliche Welt gesteckt habt. In der Rolle des Zauberers Amadeus, der Diebin Zoya und des Ritters Pontius begebt ihr euch auf die Suche nach zwei noch verschollenen Artefakten, um das magische antike Relikt namens Trine (Dreifaches) zusammenzusetzen. Nur so kann das Königreich gerettet werden, das seit dem Tod des Monarchen von Untoten überrannt wird. Trotz Horden von Skeletten zieht ihr also mit den drei Helden los, um 15 mit Fallen und Monstern vollgestopfte Levels zu meistern, indem ihr die Fähigkeiten der Charaktere ausnutzt.
Der eleganten Erzählung gelingt es mühelos, uns mitten in ein phantastisches Märchen einzutauchen zu lassen. Man darf zwar mit keinen großen inszenatorischen Wendungen innerhalb der Handlung rechnen, doch die Atmosphäre von
Trine ist so gelungen, dass man sich schließlich auf das Abenteuer mit Leib und Seele einlassen möchte. Umso bedauernswerter ist, dass das Spiel leider nicht sehr lang ausfällt und bereits nach einigen Stunden vorbei ist. Um länger von
Trine zu profitieren, werdet ihr euch dazu aufmachen müssen, alle Erfahrungstränke und die versteckten Schätze zu finden – am besten vom ersten Anlauf an. Denn dazu müsst ihr teilweise echt knobeln.
Gameplay und Figuren
Mit den drei verschiedenen Figuren und ihren individuellen Fähigkeiten erlaubt
Trine zahlreiche Perspektiven auf das Spielgeschehen. Man neigt vielleicht dazu, die Diebin, die oft wie Tarzan durch die Levels schwingen kann und meistens schlicht die unkomplizierteste Spielfigur darstellt, Ritter und besonders Zauberer vorzuziehen. Doch um die Charaktere in ihren Fähigkeiten weiterzuentwickeln und das Spielpotenzial voll auszuschöpfen, muss mit jedem gespielt und gekämpft werden. Auf diese Weise sammelt ihr Erfahrungspunkte, mit denen ihr eure Helden beispielsweise mit durchschlagskräftigeren Waffen und neuen Zaubern austatten könnt.
Die eventuell nicht ganz ausgewogene Verteilung des Figureneinsatzes ist jedoch kein echter Schaden, denn davon abgesehen gibt
Trine quasi Unterricht in vorbildlichem Leveldesign. Hier wird auf Millimeterebene operiert und Talent und Einfallsreichtum der Entwickler treten eindrucksvoll zutage. Dank rafiniertem Einsatz der Physikengine findet man sich wieder auf rotierenden und verschwindenen Plattformen, schwingt, balanciert oder baut sich Rampen, um eine höhere Ebene zu erklimmen. Und trotz Rückwendung zu zahlreichen Plattitüden des klassischen Jump'n'Run-Genres sieht man sich fast nie zweimal mit demselben Problem konfrontiert. Die Levels werden merklich schwerer im Spielverlauf, aber die Checkpointverteilung ist fair und Frust kommt fast nie auf.
Die maue Gegnervielfalt dagegen ist ein klarer Mangel des Spiels. Neben Skeletten, Fledermäusen und Spinnen gibt es nur noch wenige größere Monster, die als eine Art Zwischenboss auftreten. Ansonsten seht ihr euch - insbesondere im fortgeschrittenen Spielstadium - mit zahlreichen Fallgruben, Feuerbällen, Pendelklingen und dergleichen konfrontiert, um euch das (Über-)Leben schwer zu machen. Das ist uns wohl vertraut und nicht besonders originell.
Grafik & Sound
Vom visuellen Standpunkt her ist
Trine dagegen wieder vollends überzeugend. Frozenbyte hat in Bezug auf die Präsentation einer traditionellen und gleichzeitig zauberhaften Spielwelt ein echtes Glanzstück produziert - optische Abwechslung wird großgeschrieben! Die Umgebungen sind wunderschön und erinnern an die zahlreichen Illustrationen, die man in typischen Märchensammlungen für Kinder finden kann. Lebhafte Farben und prächtige Lichteffekte fügen sich perfekt ineinander und formen ein bezauberndes Gesamtbild.
Die deutsche altväterliche Erzählstimme ist vollkommen passend und es gelingt ihr, uns prompt in eine märchenhafte Stimmung zu versetzen. Die mittelalterlich und ansatzweise mystisch klingende Musikuntermalung trägt sehr zu der einnehmenden Gesamtstimmung von
Trine bei. Die musikalischen Themen wirken treffend für die verschiedenen Umgebungen. Sicher, sensiblere Ohren werden monieren können, dass sich die Stücke häufig ähneln, aber in ihrer Gesamtheit erweist sich die Musik als äußerst wohlklingend - mindestens für Jump'n'Runs ist das nicht gang und gäbe.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
