Shooter trifft auf Rollenspiel. Was kommt dabei heraus: Genau! Borderlands. Entwickler Gearbox kombiniert die beiden Genres geschickt miteinander und versucht so ein neues zu definieren. Zusätzlich soll das bisher größte Waffenarsenal aller Zeiten die Sammelleidenschaft der Spieler wecken. Doch ob das ausreicht, um langfristig zu motivieren und ob der Mix aus Shooter und Rollenspiel gelungen ist, könnt ihr in unserer Review lesen.
Auf Schatzsuche
Pandora ist ein unwirtlicher und gefährlicher Ort. Dornensträucher, Kakteen und Sand so weit das Auge reicht. Ein mittelgroßer, seltsam anmutender Hund streunt umher und passiert eine alte, stark ramponierte Straße. Genau in diesem Moment rast ein schwer gepanzerter Bus in hoher Geschwindigkeit heran. Ein kurzer Stoss und das Gefährt schmückt eine neue, etwas bizarre Kühlerfigur. Aber nicht nur für Tiere, sondern auch für die dortigen Bewohner sind es gefährliche Zeiten. Dennoch zieht es immer wieder neue Menschen in diese trostlose Einöde. Der Grund dafür ist eine Legende: Innovative Alientechnologie, Macht, Reichtümer, Wissen; all das wartet in der sagenumwobenen Kammer. Wenn das kein Anreiz ist, sich in die Gefahr zu stürzen…Das denken sich auch die vier Söldner, die in jenem schwer gepanzertem Bus in Richtung Firestone unterwegs sind. Der gut gelaunte und stets zu derben Späßen aufgelegte Fahrer mustert die Neuankömmlinge aufmerksam: Ein großgewachsener hagerer Mann mit langem Messer in der Hand und einem Präzisionsgewehr auf dem Rücken sitzt in der ersten Reihe. Er wird als
Mordencai vorgestellt, seines Zeichens Jäger. Dies ist die erste der vier Klassen, die euch in
Borderlands zur Verfügung stehen. Neben ihm sitzt eine gut aussehende junge Dame, die Sirene
Lilith. Einige Meter hinter ihr kauert sich Roland in den Sitz. Der in der Öffentlichkeit etwas schüchterne Soldat, stürzt sich mit Feuereifer in jede Schlacht. Ganz hinten im Bus sitzt
Brick, ein grobschlächtiger und muskelbepackter Hüne mit einem fiesen Grinsen auf dem Gesicht. Bereits nach kurzer Fahrt müsst ihr euch für eine dieser Personen entscheiden, denn nur einer darf in dem kleinen Städchen Firestone aus dem Bus aussteigen; das Abenteuer beginnt…
Von Schutzengeln und quasselnden Robotern
Doch bevor ihr den staubigen Sand der Pandora Wüste betretet, erscheint ein blau leuchtender Schutzengel. Die legendäre Kammer in
Borderlands scheint alles andere als ein Märchen zu sein. Sie existiert wirklich und der Engel selbst bietet seine Hilfe an: „Du hast keinen Grund mir zu vertrauen, doch du musst mir glauben“. Nun, einer blonden Schönheit kann man keine Bitte abschlagen. Und so folgen wir ihren Anweisungen und treffen direkt nach unserer Ankunft auf den Roboter Claptrap. Der ständig quasselnde Blecheimer begrüßt uns überschwinglich und überreicht uns ein Geschenk; ein Interface. Fortan werden Lebensbalken, Munition und Kompass das Entdeckerleben erleichtern. Das macht sich schon kurz darauf bezahlt, denn bevor wir auch nur das erste der vielen Sicherheitstore, die Firestone vor Banditen schützen sollen, passieren, brausen mehrere Dutzend zwielichtiger Gesellen auf Fahrzeugen heran. Claptrap verkriecht sich im Eiltempo unter die nächstbeste Wellblechhütte. Er sei nicht für Zielübungen seitens der Banditen programmiert. Nun gut, bleibt mehr für uns. Bereits nach einigen Minuten sind die Feinde besiegt und ein erleichterter Roboter öffnet die letzten Sicherheitstore zur Stadt. Dort angekommen werden wir freundlich vom hiesigen Arzt begrüßt. Er bedankt sich für die Hilfe und hat direkt den ersten Auftrag für uns in Petto: Ein Banditenlager in der Nähe muss ausgeräuchtert werden.
Sammeln und Jagen
So stimmig kann der Einstieg in ein Spiel sein. Leider erwartet euch nicht sehr viel mehr im weiteren Verlauf von
Borderlands. Die anfangs noch spannende Hauptstory wird lediglich in kurzen Gesprächen mit dem sporadisch auftauchenden Engel vorangetrieben. Actiongeladene Zwischensequenzen oder ähnliches sucht ihr vergebens. Zumindest liefern Tonaufnahmen, die ihr auf der Suche nach der Kammer finden könnt, wissenswerte Informationen zum Hintergrund der Geschichte. Teilweise ist dieses Hintergrundwissen nötig, um den roten Faden der Hauptstory nicht zu verlieren. Die Nebenquests, die ihr von den verschiedenen Protagnonisten bekommt, ähneln sich mitunter sehr stark: Töte 1zehn Kreaturen von der Sorte, sammleacht von der oder schalte einen Banditen aus, der die Gegend terrorisiert. Das Ganze erinnert stark an aktuelle Online-Rollenspiele. Anfangs macht das noch einen Heidenspass, ermüdet nach einigen erfolgreichen Aufgaben aber mehr und mehr. Die Dialoge, wenn man sie denn so nennen darf, werden mit Hilfe von Textfenstern abgefeiert. Ein kurzer Aufgabentext, ein Klick auf die Enter-Taste und der Auftrag ist angenommen. Diese Leier wiederholt sich nun immer wieder. Warum der Entwickler darauf verzichtet hat, die Missionen halbwegs motivierend zu präsentieren, oder zumindest zu vertonen, bleibt ein Rätsel.
Weites Land
Wüsten sehen doch überall gleich aus. Viel Sand und bestenfalls ein paar halbvertrocknete Bäume. Denkste! Die Wüstenwelt von
Borderlands ist lebendig und brandgefährlich. Herumstreunende hundähnliche Kreaturen könnten hinter jeder Spalte im Fels auf der Lauer liegen. Banditen treiben in großen Gangs ihr Unwesen und in der Luft kreisen aggressive, zu beängstigender Größe mutierte Vögel. Die verfallenen Straßen werden vereinzelt von simplen Wellblechhütten und mannshohen Kakteen gesäumt. Straßenschilder weisen freundlich auf „Trouble“ hin. Einige Meter weiter deutet ein bestimmtes „Piss off“ darauf hin, dass Besucher unerwünscht sind. Selbst Das Eingangsschild von Firestone lässt erahnen, dass schwere Zeiten angebrochen sind. Die Bevölkerungszahl wurde mehrfach durchgestrichen und nach unten korrigiert. Getrocknete Blutflecken auf den Straßen zeugen von gewalttätigen Auseinandersetzungen und auch die Werbeplakate lassen erahnen, dass Krieg herrscht. Vollmundig werden dort die – zu damaliger Zeit - neusten Waffensysteme angepriesen. Ein ähnliches Bild zeigt das Schwarze Brett von Firestone: Unzählige Personen haben dort das zweifelhafte Glück per Kopfgeld gesucht zu werden. Die Anzahl der Kopfgeldgesuche wird nur noch von der Masse an Vermisstenanzeigen überboten.
So stimmig die Welt von
Borderlands anfangs auch rüber kommen mag, bereits nach wenigen Stunden werdet ihr bemerken, dass es nicht mehr viel Neues zu entdecken gibt. Alle Gebäude, Schilder und Kreaturen wiederholen sich laufend. Nur gegen Ende des Spiels kommt etwas Abwechslung in die Flora und Fauna.
Zum Helden geboren
Die vier Klassen in
Borderlands unterscheiden sich zu Beginn kaum voneinander. Selbst Sirene Lilith und Nahkämpfer Brick spielen sich fast gleich. Einzig die Sonderfertigkeiten, die ihr ab Stufe 5 freischalten könnt, bringen etwas Abwechslung. So verwandelt sich Brick durch den Einsatz seines Talents in eine unaufhaltsame Kampfmaschine, während der Jäger Mordencai einen Falken in die Schlacht ruft. Soldat Roland bedient sich eines Geschützturmes, der nebenbei sogar die Lebenspunkte von verletzten Verbündeten in der Nähe auffrischen kann. Lilith ist eine Meisterin der Tarnung. Sie kann sich mitten im Kampf unsichtbar machen und dann aus dem Hinterhalt zuschlagen.
Waffenvielfalt
Borderland brüstet sich damit, die größte, jemals programmierte Waffenauswahl zu haben. Pistolen, Maschinengewehre, Schrotflinten, Präzisionsgewehre, Maschinenpistolen, Raketenwerfer, Granaten…. Alles was das Söldnerherz begehrt könnt ihr auf Pandora finden. Jede Waffenart unterscheidet sich deutlich von der anderen. Schrotflinten beispielsweise richten nur auf kurzer Distanz wirklich viel Schaden an, während Präzisionsgewehre auf mittlerer und hoher Entfernung gefährlich sind. Ihre lange Nachladezeit und das kleine Magazin sind die größten Schwächen des Gewehrs. Maschinenpistolen hingegen sind auf kurzer und mittlerer Distanz effektiv. Dank ihres großen Magazins und der hohen Feuerrate sind sie ideal, um größere Feindesansammlungen zu bekämpfen. Solltet ihr es aber einmal mit größeren Kalibern zu tun bekommen, ist der Raketenwerfer eine sehr gute Wahl. Dieser richtet nicht nur immensen Schaden an, sondern wirft in einem Zuge auch alle nahestehenden Gegner um.
Zusätzlich zu Magazingröße, Schadenswirkung und Feuerrate können Waffen verschiedene, sogenannte elementare Fähigkeiten besitzen. Diese erhöhen in erster Linie den angerichteten Schaden. Je nach Elementarart, wird bei einem Treffer ein Effekt ausgelöst. Feuerelementarwaffen setzen euer Ziel für gewisse Zeit in Brand. Nach und nach verliert ein entzündetes Opfer Lebensenergie. Blitzwaffen hingegen zerstören feindliche Schilde besonders effektiv. Waffen mit Explosiveffekt richten Schaden an allen Feinden im gewissen Umkreis an. Die Qualität einer Waffe wird durch die Vielzahl der Eigenschaften bestimmt. Um einen besseren Überblick zu gewährleisten, hat sich Gearbox an einem Farbsystem â la
World of Warcraft bedient. Weiße unterlegte Waffen sind also auch in
Borderlands qualitativ minderwertige Ware, während lila leuchtende zwar extrem selten, dafür aber sehr hochwertige Pusten sind. Letztere haben in der Regel eine enorme Durchschlagskraft und sind entsprechend begehrt. Bei Händlern sind sie gegen ein kleines Vermögen von Zeit zu Zeit käuflich. Von Bossgegnern könnt ihr mit etwas Glück ebenfalls eine solche Waffe erbeuten.