Mit Midnight Mysteries bekommt das Genre der so genannten Wimmelbild-Abenteuer einen neuen Ableger. Entwickler mumbo jumbo und Publisher rondomedia versuchen mit einer Story um den berühmten Autor Edgar Allan Poe Gänsehautfeeling zu erzeugen. Ob Midnight Mysteries wirklich so fesselnd ist oder ob es die prophezeiten Schauer nur im negativen Sinne über euren Rücken jagt, erfahrt ihr in unserem Review.
Eine tote Berühmtheit
Es ist wohl die Bürde einer jeden Berühmtheit, auch nach dem Tod nicht in Ruhe gelassen zu werden. So geschieht es auch Edgar Allan Poe, 160 Jahre nach seinem Tod. In
Midnight Mysteries erscheint euch der Geist des Autors und bittet euch, seine Todesursache zu lüften. Historisch ist die Todesursache von Poe nicht belegbar, doch viele Indizien weisen darauf hin, dass Poe an Alkohol und Drogen gestorben ist. Im Spiel verfolgt ihr allerdings eine andere Theorie: Poe wurde ermordet. Und ihr sollt diesen Mord nun aufklären und nach Indizien suchen, was 160 Jahren nach einer Tat alles andere als leicht ist.
Nach einem sehr knappen Vorspann und einer kurzen Einleitung in das Spiel, steht ihr auch schon vor eurem ersten Bild, in dem ihr verschiedene Gegenstände finden müsst. Das erscheint anfangs sehr simpel und ist leicht zu bewältigen, allerdings nimmt die Schwierigkeit der Bilder konstant zu. Falls ihr mal nicht weiterkommt, könnt ihr euch entweder den Umriss des gesuchten Gegenstandes zeigen lassen, was euch auf die richtige Fährte bringt, oder den gesuchten Gegenstand direkt und stilecht von einem Raben zeigen lassen. Die Anzahl der Raben ist allerdings begrenzt, und ihr müsste sie erst in den verschiedenen Bildern finden, bevor ihr sie einsetzen könnt.
Wenn ihr alle Gegenstände gefunden habt, die auf eurer Liste stehen, könnt ihr zum nächsten Bild gehen. Auf diese Weise setzt sich das gesamte Spiel fort. Kleinere, wirklich sehr kurz gehaltene Zwischensequenzen, oder auch nur Textfenster, treiben dabei die Story voran, welche allerdings schnell nebensächlich wird, da der Schwerpunkt klar auf die Suchbilder - oder wie man sie auch nennt: Wimmelbilder - gelegt wird.
Hilfe bei der Suche
Wie das Spielprinzip im Allgemeinen in
Midnight Mysteries aufgebaut ist, dürfte wohl den meisten klar sein. Auf dem Bildschirm erscheint ein Bild, mehr oder weniger übersichtlich, in dem etliche Gegenstände eingebaut und versteckt sind. Ihr habt für jedes Bild eine Liste mit Gegenständen, die ihr entdecken müsst. Wenn ihr das gesuchte Objekt gefunden habt, klickt ihr es einfach an, und es wird von eurer To-Search-Liste gestrichen. Welche Gegenstände gesucht werden, ist unterschiedlich. Ihr sucht sowohl nach Schmuckstücken, als auch nach Knochen, ganzen Statuen, Handtüchern, Schwämmen, Werkzeug, Fußabdrücken, Flaschen, Dosen etc. Die Liste ist zwar nicht unendlich, aber dennoch sehr umfangreich. Obwohl noch viel mehr Gegenstände auf den Bildern dargestellt werden, ist es enttäuschend, dass schon in den ersten Bildern einige Gegenstände wiederholt auf den Listen erscheinen. Dies beeinflusst zwar nicht den Suchprozess oder verändert das Spiel, doch ein klein wenig Abwechslung geht dabei verloren.
Wie schon erwähnt, zeigen euch Raben, die ihr in den Bildern ebenfalls finden könnt, den Standort von Gegenständen, die ihr selbst nicht finden könnt. Durch kurzes Klicken auf den Raben und den Gegenstand, den ihr gezeigt bekommen möchtet, setzt sich der Rabe in Bewegung und fliegt zum gesuchten Gegenstand. Dieser leuchtet anschließend blau auf, damit ihr ihn auch sicher finden könnt.
Da die Anzahl an Raben allerdings begrenzt ist, gibt es in
Midnight Mysteries noch eine andere Hilfestellung für unauffindbare Gegenstände. Wenn ihr einen Gegenstand auf eurer Liste anklickt, erscheint in einem gelben Kasten rechts unten im Bildschirm der Umriss des Gegenstandes. Mehr oder weniger ein Schatten, den der Gegenstand werfen würde. Diese Funktion ist vor allem deshalb nützlich, weil manche Gegenstände erstens nicht klar beschrieben werden, andrerseits die eigene Vorstellung teilweise sehr stark von der Vorstellung der Entwickler sehr stark abweicht. So kann es zum Beispiel passieren, dass ihr Ewigkeiten nach einem Gegenstand Ausschau haltet, und ihn beim besten Willen nicht finden könnt. Betrachtet ihr dann den Schatten des Gegenstandes mit Hilfe der genannten Funktion, fällt euch das Brett vor dem Kopf ab und ihr werdet euch sagen: „Ach, DAS meinten die…“ Bei vielen Dingen gibt es kein allgemein gültiges Bild, welches beim Hören oder Lesen des Begriffes erscheint. Um Missverständnisse und viel Ärger zu verhindern, ist diese Funktion sehr nützlich.
Poe langweilig???
Natürlich bietet diese Art von Spiel nicht allzu viel Abwechslung - das muss jedem bewusst sein. Aber dennoch wurde das ein oder andere Element eingebaut, um das ewige Suchen etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Beispielsweise gilt es, bestimmte Dinge zu finden, die nicht sofort sichtbar sind oder auch gar nicht transportiert werden können. Hier möchte ich zum Beispiel Gravierungen im Stein nennen, die ihr erst finden, anschließend ein Blatt Papier darüber legen und letztendlich mit einem Kohlestift abpausen müsst. Das meiste davon erledigt das Spiel natürlich von selbst, doch es unterbricht die ewigen Sucheinlagen für kurze Zeit und bringt etwas mehr Dynamik ins Spiel. Hilfsmittel wie Papier und Stift müsst ihr natürlich erst finden.
Eine andere Art von Abwechslung bietet
Midnight Mysteries in Form von kleineren Rätseln, die gelöst werden müssen. So zum Beispiel die Anwendung von verschiedenen Gegenständen in der richtigen Reihenfolge, um Tore oder Geheimgänge und verstecke zu öffnen. Oder aber ihr müsst gewisse Reihenfolgen bei Bodenfließen oder Bildern beachten, um ein Geheimnis zu lüften. Das reine Suchen, Finden, Weitersuchen wird dadurch etwas aufgelockert.
Das Gesamtwerk
Das Spielprinzip von
Midnight Mysteries dürfte jetzt auch denjenigen von euch bekannt sein, die noch nie etwas von „Wimmelbildern“ oder ähnlichem gehört haben. Doch wie sieht die optische und akkustische Umsetzung des Ganzen aus? Musikalisch wird durch instrumentale Untermalung das Ambiente und die Stimmung von typischen Poe-Romanen aufgegriffen: düster und geheimnisvoll. Größtenteils würde ich die Musik als Friedhofsmusik bezeichnen, was allerdings für das Spiel selbst angebracht ist. Auch die Raben oder gefundene Gegenstände geben bestimmte Sounds von sich. Allerdings gibt es so gut wie keine Stimmen, die das Spiel begleiten. Die meisten Informationen erhält man über Text, welcher zugegebenermaßen sehr knapp, aber dafür aussagekräftig gehalten wurde. Dadurch wirkt dies nicht nervig oder störend.
Grafisch ist
Midnight Mysteries natürlich kein Meilenstein, doch das wird von einem Spiel dieses Genres auch nicht erwartet. Die unterschiedlichen Schauplätze sind sehr stimmungsvoll und werden von der musikalischen Begleitung perfekt untermalt. Die Standbilder, in denen man Gegenstände zu finden hat, sind mit Sinn fürs Detail erstellt worden. Zwar stimmen teilweise Perspektiven und Größenverhältnisse von zu findenden Gegenständen im Gesamtbild nicht, dies ändert allerdings nichts an der grundsätzlichen Ästhetik des Bildes. Kürzere Animationen, wie zum Beispiel das Erscheinen des Geistes von Edgar Allan Poe, dem Fliegen der Raben, dem Öffnen von Türen oder das Aufnehmen von Gegenständen fügen sich flüssig in den Spielablauf ein. Durch die vielen Standbilder ergibt sich natürlich noch ein weiterer Vorteil: Es gibt kaum Ladezeiten, weder beim Start des Spiels noch beim Wechsel der Schauplätze. Ein flüssiges Suchen und Finden ist also in einer schönen Gruselatmosphäre möglich.