Konami hat sein Aufwärmprogramm hinter sich gebracht und will mit Pro Evolution Soccer 2010 wieder an alte Zeiten anknüpfen. Doch die ehemals führende Fußballmacht schien in den letzten Jahren immer mehr an Boden zu verlieren. FIFA 10 (»Testbericht) nutze die Gunst der Stunde und zeigte eindrucksvoll wie gute Fußballspiele aussehen müssen. Nun will man aber weg aus der Abstiegszone und wieder ganz oben um die Spitzenplätze mitspielen. Doch dafür muss man sich in Sachen Spielspaß und Lizenzen verbessern, ansonsten droht demnächst ein Trainerwechsel. Wir haben uns Pro Evolution Soccer 2010 genauer angesehen und uns die virtuellen Fußballschuhe angezogen.Parallel dazu bieten wir euch auch ein kommentiertes Testvideo zu PES 2010 als »Stream und »HD-Download an.
Spieler nahe an der Realität
Besonders optisch will
PES 2010 diesmal überzeugen und zeigt schon in den ersten Intro-Szenen, dass es die Macher durchaus ernst meinen. Die einzelnen Spieler sind detailliert animiert worden und sehen unglaublich realistisch aus. Einen Michael Ballack oder Lukas Podolski fast in „echt“ zu spielen, ist schon etwas Besonderes. Doch was nützt die beste Grafik, wenn der Spielspaß nicht vorhanden ist. Nachdem wir uns spontan für ein schnelles Spiel entschieden haben, fallen leider sofort die fehlenden Lizenzen auf. Auch diesmal müsst ihr wieder auf die Bundesliga verzichten. Immerhin ist die deutsche Nationalmannschaft aber mit komplett lizenziertem Kader vertreten. Da wir ja gerade im echten Leben die Russen mit 1:0 besiegen konnten, probieren wir das Ganze doch auch mal vor dem Monitor aus.
Die kurzen Ladezeiten von
Pro Evolution Soccer 2010 bringen uns nach wenigen Sekunden bereits in die Katakomben. Dort können es die Spieler kaum erwarten auf dem Platz zu kommen. Nachdem die Nationalhymnen wie immer kurz angespielt werden, kann es auch schon losgehen und der Ball darf rollen. Auf dem satten Grün rollt die Kugel perfekt über den Platz und schon nach wenigen Sekunden hat man die Russen im Griff. Die erste Chance vertändelt Miro Klose noch kläglich, doch Lukas Podolski im Nachschuss erzielt schon nach 3 Minuten die 1:0 Führung für unsere Nationalelf. Der russische Torwart hat alles andere als reagiert und steht wie festgenagelt auf der Linie. Hier sollten Profis schnell die Spielstärke ändern. Professional sollte es schon mindestens sein, ansonsten gewinnt ihr hier jedes Spiel ohne wirkliche Gegenwehr. Für Anfänger sicherlich gut geeignet, aber ein bisschen Realismus sollte schon dabei sein. Wer ganz gut drauf ist, probiert es natürlich in der höchsten Stufe. Die Russen kommen nun zurück ins Spiel und probieren es mit Weitschüssen, damit hat unser guter Torhüter Robert Enke aber keine Probleme. Nach einem weiten Abwurf auf Bastian Schweinsteiger rollt schon der nächste Angriff auf das russische Tor zu. Doch leider war der Pass zu ungenau und die russische Abwehr hat aufgepasst.
Die Steuerung hat sich gegenüber den letzten Jahren nicht großartig verändert und geht leicht von der Hand. Schnelle Pässe oder Weitschüsse hat man schnell im Blut. Im Spiel selber wurden viele neue Animationen eingebaut, so erscheint auch der Schiedsrichter konsequenter und sorgt mit strenger Hand für Ruhe auf dem Platz. Die Sofort-Wiederholungen dürft ihr euch in verschiedenen Kamerapositionen zu Gemüte führen und bei Bedarf auch wieder auf eure Festplatte speichern. Im Vergleich zur
FIFA 10 in der PC Version kann
Pro Evolution Soccer 2010 hier ordentlich punkten. Ob es bei den Konsolen-Versionen ähnliche Unterschiede geben wird, bleibt abzuwarten. Doch auch bei Konami scheint dieses Jahr nicht nur die Sonne – die Zuschauer sind erneut alles andere als gut animiert worden und erinnern auch bei den Gesängen eher an einen Kirchenchor. In unserem Test hat es sich in einem Spiel so eintönig angehört, dass wir lieber den Ton ausgemacht haben. In unserer englischen Testversion fehlten natürlich auch die deutschen Kommentatoren. Das ist aber nicht weiter schlimm, da die englischen Vertreter ihre Sache außerordentlich gut machen und durchaus beim Spiel mitfiebern.
Kommen wir nun zurück zu unserem Match, immer noch steht es 1:0 für Deutschland und wir stehen kurz vor der Halbzeit. Die Russen versuchen vergeblich, über die Mittellinie zu kommen und probieren es immer wieder mit langen Flanken. Dann endlich pfeift der Schiri zur Halbzeit. Dort dürft ihr euch dann auch noch mal die Highlights anschauen, wenn es denn welche gegeben hat. Nachdem wir zweimal gewechselt haben, geht es schnurstracks in Halbzeit zwei. Und schon nach wenigen Minuten freuen wir uns diebisch über das 2:0 von Mario Gomez, der perfekt animiert seine Freude über den Treffer heraus lässt. Auch wenn die Russen noch per Abstauber zum 2:1 kommen, gewinnen wir unser erstes
PES 2010 Spiel und sind zufrieden.
Champions und Euro League, aber fehlende Lizenzen
Die
UEFA Champions League sowie die neue
UEFA Euro League sind exklusiv im Spiel dabei. Mit der typischen Hymne wird man direkt auf das Geschehen eingestimmt und man fühlt sich ein wenig wie in einer TV-Übertragung. Doch was bringt das alles, wenn die meisten Mannschaften den Weg ins Spiel gar nicht gefunden haben? Deutsche Vereine wie Bayern München, Werder Bremen oder den Hamburger SV sucht man hier vergeblich. Um es kurz zu sagen: Deutsche Vereine gibt es überhaupt nicht in
PES 2010. Und auch die
Champions League bringt nicht alle Original-Teams der Saison 09/10 mit. Da brüstet man sich mit dem offiziellen Modus, auch wenn er gar nicht original gespielt werden kann. Wenigstens der Name stimmt. Und wer Lust hat, darf sich mit dem mitgelieferten Editor ja auch wieder Stunden vor dem PC setzen und alles auf dem aktuellen Stand bringen. Wie in jedem Jahr müsst ihr euch auch bei
PES 2010 wegen fehlender Lizenzen ärgern. Da wird
FIFA in den nächsten Jahren wahrscheinlich immer die Nase vorn haben.
Neben den gelben und roten Karten vom Schiedsrichter gibt es bei
PES 2010 nun noch ein anderes Kartensystem. Diese bestehen aus Angriffslevel, Spielstil und Fähigkeiten-Karten - damit dürfen spezielle Aktionen beim Spieler eingestellt werden. Bei den Spielmodis thront die
UEFA Champions League an erster Stelle, schließlich gibt es diesen Modus exklusiv nur in diesem Spiel. Wer Lust auf einen schnellen Kick hat, wählt das Freundschaftsspiel aus, dabei könnt ihr euch mit dem Zuschauermodus auch zwei computergesteuerte Teams ansehen, aber wirklich spannend ist das natürlich nicht. In der Meister-Liga dürft ihr euren Lieblingsclub (wenn er denn dabei ist) ganz nach oben führen und mit einer guten Platzierung direkt in die Champions League oder Euro League bringen. Der Modus "Werde zur Legende" ist vergleichbar mit dem "Be a Pro Modus" aus der
FIFA-Reihe, nur dass die Konkurrenten von EA Sports ihn deutlich besser hinbekommen haben. Im Liga- und Pokal-Modus dürft ihr euch an eine ganze Saison oder einem Turnier versuchen. Der Online-Modus ist im Spiel natürlich auch enthalten, leider war bei unserer Testversion noch kein Server online, so dass wir ihn leider nicht ausführlich ausprobieren konnten.
Anfänger sollten sich vielleicht auch erstmal beim Training verausgaben, hier könnt ihr euch auch ein wenig mit der Steuerung vertraut machen. Wir wollen aber nochmals auf den Editor-Modus zurückkommen. Seid ihr im Besitz einer USB Kamera, dürft ihr euch Bilder für Logos, Embleme oder Spielergesichter in das Spiel einbauen. Laut Benutzerhandbuch dürfen Daten für bis zu 400 Gesichter, 200 Trikotlogos und 40 Embleme auf der Festplatte gespeichert werden, das ist ja schon mal eine ganze Menge.
Gebolzt wird bei jedem Wetter
Die Animationen der Spieler in
Pro Evolution Soccer 2010 sind ebenfalls gut geworden und können sich sehen lassen. So bewegt sich ein Per Mertesacker genauso hüftsteif wie im richtigen Leben. Auch bei den Konami Kickern gibt es ab und an mal schlechtes Wetter und so darf auch im strömenden Regen oder bei Schneefall kräftig gebolzt werden. Da sind die Platzverhältnisse natürlich alles andere als perfekt und ihr habt Mühe den Ball vernünftig durch die Reihen zu spielen. Problematisch an
PES 2010 ist das sture Verhalten der Spieler in manchen Situationen, so verharren manche Kicker beim Eckball einfach auf ihrer Position und bewegen sich keinen Meter mehr. Warum sie das tun bleibt unbeantwortet? Das gleiche passiert bei Freistößen: Für wenige Sekunden scheinen einige in eine Schockstarre zu geraten. Vielleicht kann das ja noch durch einen späteren Patch korrigiert werden.
Unsere Testkonfigurationen:
Prozessor: Athlon 64 @ 2,8 GHz
Grafikkarte: Gforce GT 120M Cuda 1 GB
RAM: 4 Gigabyte
Gamepad: Xbox 360-Controller
Ergebnis:
Pro Evolution Soccer 2010 lief ohne Probleme flüssig und stürzte auch nicht ab. Auch im Spiel alles ohne Ruckler und Probleme. Der verwendete Xbox 360-Controller wurde sofort erkannt und funktionierte ebenfalls einwandfrei.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
