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THE WHISPERED WORLD
 Test von Yan Dreyer (07.09.2009) Artikel-Feed (RSS) abonnieren
Genre:Adventure Publisher:Deep Silver
Termin:28. August 2009 Entwickler:Daedalic

Daedalic Entertainment zeichneten bereits für den Überraschungshit »Edna bricht aus verantwortlich und verbreiten nun mit der geflüsterten Welt erneut eine ganz besondere Stimmung. Gebeutelt von zahlreichen Pleiten in der Wirtschaft und Politik dürfte die melancholische Welt von The Whispered World in gewisser Art und Weise zu unserem Land passen. Denn auch der kleine Held Sadwick ist im Begriff, andauernd etwas schlecht zu reden - wenn da mal nicht auf unsere klischeebehaftete Mentalität abgezielt wird. Womöglich ist es aber bloß ein Zufall, dass das Adventure ausgerechnet von deutschen Machern stammt. Von der anderen Seite betrachtet, kommt es jedoch auch unserem Ruf, gute Adventure zu Entwickeln, zu Gute, weil eine Tatsache lässt sich nicht leugnen: dass mit The Whispered World ein wiederum tolles Abenteuer kreieiert wurde.


Einsamer Held

Sadwick ist allein wegen seines bezeichnenden Namens und seiner Berufung als glückloser Clown eines Wanderzikus nicht zu beneiden, doch ihn plagen ganz andere Dinge, die ihn diese Nebensächlichkeiten vergessen lassen. Der Tollpatsch sehnt sich nach großen Abenteuern, fernab des tristen Zirkus-Alltags, den wenig aufbauenden Kommentaren seines Bruders oder seinem durchgeknallten Opa, der jeden Satz zu verdrehen weiß. Eines Nachts träumt Sadwick von der bevorstehenden Apokalypse, welche die (noch) beschauliche Welt heim zu suchen droht. Am nächsten Tag trifft Sadwick auf einen ängstlichen Abgesandten des Königs aus dem Königreich Corona und versucht diesem seine Hilfe bei einem gefährlichen Auftrag anzubieten. Dankbar nimmt der seine Unterstützung an, verschwindet allerdings ein paar Stunden darauf, nachdem er Sadwick den ach so wichtigen Flüsterstein übergeben hat, der offenbar dazu fähig ist, die zerrütette Welt wieder zusammenzufügen und das Böse abzuwenden. Doch dafür muss der Stein erstmal ins Königreich Corona gebracht werden. Mit diesem Auftrag verabschiedet sich Sadwick ohne große Schwierigkeiten von seinem kleinen Bekanntenkreis und macht sich auf, endlich Großes zu vollbringen - denkt er zumindest. Der eingangs erwähnte Alptraum gab nämlich einen entscheidenden Punkt vor: Sadwick wird die Welt nicht etwa retten, sondern sie eigenhändig zu Fall bringen.


Einsame Welt

Wie man schon ahnen kann, vermag der nicht nur leicht depressive Clown ohne eure Hilfe keine allzu großen Taten zu bewerkstelligen. Fast schon wirkt es so, als wenn alles, mit dem er in Berührung kommt, dem Untergang geweiht wäre. Und genauso verläuft das Spiel auch, ohne dabei Missmut auf den Spieler zu übertragen. Aufgrund der Tatsache, dass man Sadwick scheinbar selber in sein trübes Schicksal leitet beziehungsweise klickt, keimt schnell eine emotionale Verbindung zum ungewöhnlichen Helden auf. Die mal pessimistischen, mal mutlosen Reden von Sadwick tauchen die bildschöne, handgezeichnete 2D-Welt in ein so pathetisch melancholisches Gesamtbild, das so schnell nicht mehr los lässt. Es sind in erster Linie die famosen Dialoge mit den anderen kauzigen und zugleich unverwechselbaren Charakteren (der gefühllose Inselbesitzer Ruben, der verdrossene Arbeiter Banjo im Ruhestand oder der obligatorische Bösewicht und dessen Diener, scheinbar angelehnt an Wurmschwanz aus Harry Potter) in den eindrucksvollen Umgebungen sowie die Kommentare Sadwicks, welche den Spielspaß immer weiter schüren. Jede kleinste Aktion wird stets von einem mürrischen Satz des Protagonisten begleitet, wodurch Stimmung aufgebaut wird.


Rätselhaft

The Whispered World versucht euch von Beginn an in die Geschichte eintauchen zu lassen und verzichtet daher auf ein Tutorial oder etwaige Rätselhilfen. Anfänglich vermisst man diese Zusätze nicht, da man auch so gut in das Spiel hineinkommt. Dabei geht die Steuerung simpel von der Hand, ist aber nicht speziell auf die beiden Maustasten zugeschnitten. Wie bei» A Vampyre Story öffnet ihr mit gehaltener linker Maustaste auf einem Objekt ein kleines Ringmenü, woraus ihr zwischen "Ansehen", "Benutzen/Einstecken" und "Ansprechen" (sofern möglich) wählen könnt. Toll gelöst: Fast bei jedem Gegenstand hält Sadwick eine Aktion beziehungsweise einen netten Kommentar zu allen drei Auswahl-Möglichkeiten parat. So lohnt sich selbst wildes Herumprobieren, da ihr jederzeit mit einer charakteristischen Aussage belohnt werdet.

Apropos Herumprobieren: Manche Rätsel im Spielverlauf meistert ihr selten mit Hin- und Her-Kombinieren, denn mit logischem Denken. Oder wusstet ihr, dass eine Maus eher ein mit bloßen Händen unerreichbares Objekt einholen kann als ein langer Stiel? Oder, dass man mit Besteck eine Fliege einfangen kann? Zum Glück stellen solche Passagen neben den mitunter nervigen Schiebepuzzles mehr oder weniger die Ausnahme dar. Auf der anderen Seite verzeichnet The Whispered World nämlich klug erstellte Rätselketten, die den gewohnten Point and Click-Knobeleien anderer Genre-Konkurrenten eher entsprechen und ebenso nieveauvoll, wenn nicht nieveauvoller sind. Etwa lenken wir einen Dorfbewohner ab, um seinen Schlüssel zu klauen, basteln eine Kanone, stellen einen Wachhund ruhig oder überlisten lichtscheue Kreaturen, damit sie eine bis dato unbekannte Person mittels Gesang aufwecken. Das Sammeln von vorgegebenen Zutaten für ein Gericht steht in The Whispered World ebenfalls auf dem Tagesprogramm.

An bestimmten Stellen kommen wir hingegen nur mit Hilfe der Raupe Spot weiter - dem einzigen richtigen Freund von Sadwick. Glücklicherweise erlernt diese im weiteren Verlauf zwar nicht das Sprechen, dafür aber, ihre Form zu verändern, sodass sie in gewissen Situationen Sadwick äußerst hilfreich unter die Arme greifen kann. Als lebendige Fackel beispielsweise nützt uns Spot bei Gelegenheit als Amateur-Schweißer. Außerdem beherrscht es Spot, sich fett zu machen, sich zu fünfteilen oder aber sich in schmale Objekte zu verwandeln. Aufgrund dieses Aspektes bleibt es nicht nur bei konventionellen Objekt-Kombinationen, sondern auch Spot bei einigen Stellen zwingend einzusetzen. Dennoch wünscht man sich hier und da ein wenig mehr Unterstützung durch das Programm. Obgleich die bereisbaren Schauplätze meist übersichtlich bleiben, weiß man nicht zu jeder Zeit, was als nächstes zu tun ist. Das ist gepaart mit dem steigenden Anspruch von The Whispered World teilweise mühselig. Immerhin gibt uns ein Druck auf die Leertaste alle verfügbaren Hotspots einer Umgebung vor. Das ist Gold wert, weil viele Objekte nicht auf den ersten Blick zu sehen sind.


Märchenhaft

Nicht nur die detaillierten sowie handgezeichneten 2D-Hintergründe tragen zur eindrucksvollen Atmosphäre bei, auch die Dialoge und der stimmungsvolle Soundtrack gliedern sich mehr als treffend ins großartige Gesamtbild ein. Für fast jeden Hintergrund spendiert die Musikuntermalung ein neues, passendes Stück, die Nebengeräusche werten die statischen Kulisse lebendig auf und die perfekte Sprecherbesetzung erledigt ihren Rest.

Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:






Oftmals erinnert The Whispered World an das grandiose The Book of Unwritten Tales, viele Passagen scheinen sogar sehr ähnlich zu sein. Dennoch wartet die geflüsterte Welt mit einer ganz anderen Stimmung auf, als das 3D-Adventure von King Art. Ich zumindest fühlte mich Sadwick sofort verbunden und begleitete ihn sehr gerne durch sein schicksalhaftes Abenteuer. Steuerung, Rätsel, Dialoge, Charaktere und nicht zuletzt die Grafik gehen mehr als in Ordnung und zeugen von toller Arbeit der Entwickler. Die kleinen Fehler mag man dabei verziehen.
85%
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Pro:
schöne handgezeichnete Hintergründe
unkonventioneller, auf seine Art sympathischer Held
tolle Synchronisation
eindrucksvoller Soundtrack
Begleiter Spot erweitert Knobeleien

Contra:
wenig Rätselhilfen
stellenweise nervige Schiebepuzzles
mit der Zeit störender Kopierschutz (Würfelrätsel zu Spielbeginn mit den mitgelieferten Runenwürfeln)


Offizielle Website:
 Whispered-World.com

Weitere Links:
 Patch 1.01 (behebt Rätselbug aus Kapitel 4)
 Trailer stellt einige Rätsel vor
 Komplettlösung



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