Ob Auto, Zug, Schiff, Bagger, Traktor oder eben Bus – alle haben eines gemeinsam: Man kann sie auf dem PC fahren und auf diese Weise der falschen Berufswahl im Nachinein gekonnt ein Schnippchen schlagen. Die Gelegenheit dazu gibt uns auch Publisher astragon mit seiner sich ausweitenden Simulator-Palette. Bei uns im Test: Der neue Bus-Simulator 2009, der ab sofort seinen ziemlich erfolgreich verkauften Vorgänger vom letzten Jahr ablöst. Am Steuer von einem der insgesamt zwölf originalgetreuen Busse leisten wir unsere Schichten in der fiktiven Großstadt Rheinburg und befördern Fahrgäste von A über B nach C. Lest in unserem Artikel, warum ihr nicht nur der Umwelt zuliebe auf die Bahn umsteigen solltet.
Den Fahrplan wahren oder in Freiheit fahren
Habt ihr auch diesen Simulationstrieb in euch, der einen immer wieder anspornt, entsprechender Software (naiverweise) erwartungsvolle Vorschusslorbeeren zu geben? Ich muss zugeben, mich hat dieser Titel gereizt, und es bestand Hoffnung auf Triebbefriedigung - trotz so manch grässlicher Simulatorsoftware, die bereits erschienen ist. Im
Bus-Simulator 2009 managen wir ein Busunternehmen, setzen uns aber vor allem selbst ans Steuer. Nachdem ein Bus (Linien-, Reise- oder Shuttlebus) erstanden ist, müssen wir die Strecke auswählen, auf der wir uns betätigen wollen. Wir können zwischen Linien- und Auftragsfahrten wählen, d.h. zwischen ÖPNV und gemütlichen Rentnerausflügen. Nach einer Ladezeit, die uns mit ihrer Länge einen Vorgeschmack auf das einschläfernde Gameplay gibt, das uns kurz bevorsteht, sitzen wir in unserem Bus und lassen die Fahrgäste zusteigen. Im Freispielmodus, in dem wir Großstadt und Umland frei befahren können, müssen wir selbst erst noch auf dem Fahrersitz Platz nehmen – wenn wir wollen. Theoretisch könnten wir auch zu Fuß die Gegend erkunden und vor ein paar Autos rennen, was weder uns noch die Fahrer über ein Hupen hinaus kratzt. Die eigentliche Busschicht läuft dann wie folgt ab: Man fährt von einer Haltestelle zur nächsten, versucht pünktlich zu sein und dabei nicht zu viele Fußgänger vor die Windschutzscheibe zu kleben. Ab und zu beachtet man mal eine rote Ampel, verkauft den Fahrgästen Tickets und lässt die nächste Haltestelle ansagen. Am Ende gibt es eine knappe Zusammenfassung über die Leistung und Auskunft darüber, ob wir den Test bestanden haben oder nicht. Danach können wir die gleiche Linie in entgegengesetzter Richtung fahren, in den Freispielmodus wechseln oder mit einem anderen Bus und einer anderen Route neu anfangen. So viel zum Spielprinzip von
Bus-Simulator 2009.
Purzelbäume und andere Missgeschicke
Mit einem spielinternen Editor legen wir eigene Routen und Buslinien fest, erstellen Fahrpläne und geben Straßen unsere Lieblingsnamen. Das funktioniert ganz gut und ist nicht zu kompliziert, doch decken die mitgelieferten Linien und Auftragsfahrten bereits große Teile der Stadt ab. Apropos Stadt, die trägt im
Bus-Simulator 2009 den fiktiven Namen Rheinburg und erinnert entfernt an Köln. Recht groß ist sie auch und hat einen Hafen, Autobahn, Industriegebiet und in der Provinz auch nette Sehenswürdigkeiten zu bieten. Die verwendete Grafikenginge stellt die Stadt im Großen und Ganzen auch ganz passabel dar, es gibt sogar ein paar schöne Ecken. Doch zwischendurch tauchen immer wieder hässliche Texturfragmente an Häusern und Fahrzeugen auf. Der KI-Verkehr besteht aus kantigen Bauklötzen, die mit niedrigaufgelösten Ganzkörper-Texturen überzogen sind – von genauerer Modellierung keine Spur. Das hat mich übrigens sehr an
Autobahn Raser von Davilex erinnert (an den ersten Teil von 1998 wohlgemerkt). Dieses Spiel bot übrigens auch eine ähnliche Soundqualität wie der
Bus-Simulator 2009. Für Zusammenstöße im Verkehrsgeschehen gibt es drei bis vier zufällig aktivierte Standardsounds, von denen sich einer billiger anhört als der andere.
Eigentlich dürfte man wohl, wenn sich ein Produkt Simulator nennt, von einer halbwegs anständigen Physik-Engine ausgehen. Aber auch hier Fehlanzeige: Ein Schadensmodell oder zumindest Schadensauswirkungen aufs Fahrverhalten sind im
Bus-Simulator 2009 nicht vorhanden, Fahrzeuge überschlagen sich und fahren danach weiter als sei das ein alltägliches Vorkommnis im Stadtverkehr. Einen Fußgänger mit 70 Sachen "anzufahren", wird mit einem "Unverschämtheit!" quittiert. Die Busse fahren auf jedem Untergrund gleichschnell (selbst
auf Wasser!) und ein kleines Autobahnschild weist einen 12-Tonnen-Bus problemlos und abrupt in die Schranken. Es ist kaum zu glauben, dass man im Jahr 2009 so etwas noch vorgesetzt bekommt.
Was man dem "Simulator" schließlich doch zugute halten muss, sind die schön ausgearbeiteten zwölf Busmodelle und ihre Funktionen: ansehnliche und vorbildgerechte Innenräume, sich einzeln öffnende und schließende Türen, Ticketverkauf, Tempomat, Echtzeit-Anzeigen im Cockpit, Innen- und verschiedene Außenlichter – das ist alles eine feine Sache. Auch die schlecht, aber immerhin animierten Passanten und Passagiere, die wirklich ein- und aussteigen und sich ihren Platz im Bus suchen, sind erwähnenswerte Details und sorgen wenigstens für ein bisschen Realismus. Die Bedienung mit Tatstatur ist sehr komplex und braucht Gewöhnungszeit bei der Fülle an belegten Tasten. Als gute Lösung für Fahren, Lenken und Umschauen hat sich für mich das Gamepad erwiesen. Meinem Empfinden nach gelingt die genaue Steuerung des Busses auf diese Weise besser, wobei ein zweiter Analogstick nützlicherweise der Variierung der frei schwenkbaren Kamera dient.
Eine einseitige "Simulation"
Selbst wenn man hier von einer Casual-Simulation spricht, wiegen die Schwächen eines
Bus-Simulator 2009 schwer. Eigentlich kann man aufgrund der erwähnten Probleme selbst Simulationsfreunden, zu denen ich mich auch zähle, diesen Titel nicht ans Herz legen. Denn wo ist die Simulation? Nur auf einer Seite: Es gibt realistisch aussehende und wirklich exitierende Busse, die vorbildgetreue Funktionen haben und mit denen man nach Fahrplan fahren kann. So weit, so gut. Was man nur anscheinend vergessen hat, ist, dass dieser Bus in einer Welt fährt, und die gehorcht im Programm vollkommenen konträren Gesetzen und ist eben nicht mehr realistisch. Es besteht ein weiter Graben zwischen optisch und funktionell realistischem Bus und der Spielwelt, die die guten Ansätze durch ihre lieblose Integration zum größten Teil wieder zunichte macht.
Dennoch kann man den Titel Gelegenheitsspielern nicht vollends madig reden. Man kann Bustouren machen, es gibt eine große Stadt, die stellenweise optisch durchaus wohlgefällig ist, und der Editor lädt darüberhinaus zum Experimentieren und Individualisieren des Gameplays ein. Das sind Punkte, die ich dem
Bus-Simulator 2009 gern anerkennen will. Für eine kurze Schicht zwischendurch darf er ruhig mal herhalten. Aber von einer anfänglichen Blendung gestiftet durch die Hoffnung, eine realitätsgetreue Bus-Simulation vor sich zu haben, wird man scheller befreit als dieses Spiel Ladezeit beansprucht - und das kann man abschließend positiv sehen, wenn man will.