Adventure-Urväter dürften unter dem Namen Guybrush Threepwood so einige Erinnerungen abrufen können, läutete Lucas Arts doch mit der Monkey Island-Reihe und dem Möchtegern-Pirat das Zeitalter der Point-and-Click-Adventure ein. Wer dem legendären The Secret of Monkey Island von 1990 bislang noch keine Aufmerksamkeit schenkte, sollte spätestens bei der frisch veröffentlichten Special Edition zugreifen. Diese führt zusätzlich zum neuen Spielinterface auch frische Hintergründe sowie eine komplette Vertonung ein. Ob das im selben Atemzuge ein verbessertes Spielerlebnis bedeutet, erfahrt ihr im nachfolgenden Testbericht.
Nostalgie pur
Pixelige Grafik, umständliches Interface, Dudel-Musik und nicht zuletzt eine tolle Sprachausgabe, versprühen noch heute den charmanten Retro-Flair des Piraten-Abenteuers
The Secret of Monkey Island. Fast zwei Dekaden später wirkt das in die Jahre gekommene Adventure in vielen Bereichen komplett überholt, in Sachen Dialoge und Rätselstruktur kommen aber nur sehr wenige aktuelle Genre-Konkurrenten an das Meisterwerk aus den 90er Jahren heran. Moderne Spielernaturen zeigen sich heute allerdings aufgrund der veralteten Optik des Klassikers abgeneigt und widmen sich lieber anderen Titeln. Doch mit der Neuauflage des Serienerstlings, der
Special Edition von
The Secret of Monkey Island, locken von grundauf verbesserte Hintergründe, eine durchgängige Sprachausgabe sowie ein unkompliziertes Interface selbst neue Zocker-Generationen zurück auf Monkey Island.
Zeitreise in neuer Aufmachung
Für diejenigen, die mit der Geschichte rund um
Monkey Island nicht vertraut sind, ein kurzer Abriss der Story: Guybrush Threepwood, der junge Protagonist des Spiels, möchte Pirat werden und sucht auf der namensgebenden "Affen-Insel" nach mehr oder weniger gestandenen Seeräubern, die ihm dazu verhelfen könnten. In der örtlichen Spielunke trifft der sympathische, aber trottelige Blonde auf drei Freibeuter, welche ihm drei Aufgaben nennen, nach dessen Bestehen er sich offiziell als Pirat titulieren darf. Dennoch beschränkt sich die Handlung nicht nur auf die Lösung der drei Aufgaben (welche das sind, verraten wir an dieser Stelle nicht), dazu gesellt sich auch die Entführung der Gouverneurin Elaine Marley. Um jene Dame zu befreien, in die sich Guybrush sogleich verguckt, muss Gegenspieler und Geisterpirat LeChuck aus dem Rennen geworfen werden, der für das Verschwinden verantwortlich ist.
Aus alt mach neu
Gleichbleibend genial sind die skurrilen Charaktere, auf die Guybrush im Laufe des Abenteuers trifft. Die drei arbeitslosen Piraten, die Voodoo-Meisterin, die zwei ängstligen Zirkus-Brüder oder die herrlich überdreht dargestellten Piraten in der Kneipe amüsieren nach wie vor auf ganzer Linie und stellen nur einen kleinen Auszug dar. Dank unterschiedlicher Antwortmöglichkeiten (höflich, bestimmt, ironisch oder gar frech) kommen irrwitzige Dialoge zustande, die mit einer teilweise erweiterten englischen Sprachausgabe aufwarten. Die deutsche Übersetzung ist dabei gut gelungen, und dass lediglich Englisch gesprochen wird, mag ob der famosen Vertonung nicht weiter ins Gewicht fallen. Soweit, so bekannt. Neu hingegen ist das komplett ausgetauschte Interface: Vorbei mit den Zeiten, in denen erst auf Befehle, dann auf die interaktiven Hot Spots geklickt werden musste. Wie derzeit Gang und Gebe bei allen modernen Point-and-Click-Adventures, verändert sich der Mauszeiger beim Herüberfahren auf ein bestimmtes Objekt und listet am unteren Bildschirmrand auf einen Blick die mögliche Aktion. Mittels Links- oder Rechtsklick wird diese dann ganz unkompliziert ausgeführt.
Eine zeitgemäße Anpassung bekam auch die Optik spendiert: Mit schicken Effekten sowie handgezeichneten Hintergründen sieht die
Special Edition von
Monkey Island ungleich besser aus als das Original. Staksige Animationen und zeitweise eigenartige Proportionen gehen allerdings mit der an sich verbesserten Optik gleichermaßen einher. Dafür wechseln Enthusiasten mit einem Klick zur alten, aber charmanten Pixelgrafik. Unvergessen ist auch der Soundtrack, der für die Special Edition nochmals frisch eingespielt wurde, ohne nicht weniger herausragend zu sein wie der einstige O.S.T.. Die Rätsel sind an sich gleich geblieben, hinzu gekommen ist jedoch eine Rätselhilfe, die euch, wenn nötig unter die Arme greift und hilfreiche Tipps liefert. Die sind aber meist nicht nötig, da die Kopfnüsse nicht allzu schwer ausfallen. Den altbekannten Spielfluss führt also auch das Remake fort.
Ein Klassiker bleibt sich treu
Was sich Adventurefans allerdings klar machen sollten: im Vergleich zu aktuellen Adventure-Titeln wie
»Ceville oder
»The Book of Unwritten Tales, schlägt
The Secret of Monkey Island einen anderen Weg ein und bleibt sich ferner, frei nach den damaligen Verhältnissen, treu. So stehen die Rätsel bei weitem weniger im Vordergrund als bei den oben genannten Titeln, auch die Interaktionsmöglichkeiten fallen mit Abstand nicht so zahlreich aus. Weitaus größeren Wert legt(e) LucasArts auf eine spannende Geschichte, viel Atmosphäre, unverwechselbare Charakteren sowie regelmäßige Slapstick-Einlagen.
Tipp: Die Entwickler der Sam & Max-Episoden, Telltale Games, haben mit
Tales of Monkey Island eine neue Episodenreihe zur
Monkey Island-Franchise an den Start gebracht, die in Bezug auf die Rätsel ein Stück näher an heutige Maßstäbe rückt.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

