Eine Sportart, bei der sich alles um den Sieg dreht und der Athlet dabei getrost sterben kann, wenn er das nur möglichst effektiv für die mediale Inszenierung macht, hatte bereits der Klassiker Rollerball von 1975 zum Thema. Auch in Arnold Schwarzeneggers Running Man oder anderen Videospiel-Titeln wird das Thema gerne aufgegriffen. Eines ganz ähnlichen Szenarios bedient sich dabei auch Slapshot für den PC, das auf den Cover einen maskierten Hockey-Spieler mit einer Schläger-Mixtur von Spielgerät und Kettensäge zeigt.
Böser Bube für kleine Jungs
Klar über das Ziel hinausgeschossen, kann ich dazu nur sagen. Denn wäre ich als Spielejournalist nicht hinreichend kompetent, um erkennen zu können, dass man so kompromisslose Hockey-Action einem pubertierenden Zielpublikum suggerieren will, könnte ich den Artikel passend zu der miserabel recherchierten „Killerspiel“-Debatte fortsetzen und ein Verbot für alles außer Solitär einfordern. Allerdings dieses Kartenspiel muss erlaubt bleiben, weil dass die hochbezahlten graumelierten Politiker während zahlreicher Bundestagssitzungen selbst nutzen, um ihr Geld zu „verdienen“. Bevor ich jetzt tendenziöse Magazine wie u.a. „Hart aber fair“ vollends mit ihren eigenen Methoden an den Pranger stelle, begeben wir uns lieber auf die Suche nach der eingangs erwähnten Hockey-Action. Schließlich darf man nicht ignorieren, dass ein großer grüner USK-Sticker den Genuss des Spiels auch Zwölfjährigen möglich macht.
Browser-Spiele auf dem Vormarsch
Was verbirgt sich denn hinter der Hockey-Maske? Etwa ein Beat’em Up, wo man sich durch Gegnerhorden mit viel rotem Lebenssaft schnetzeln muss? Nein, der eigentliche Inhalt präsentiert sich wesentlich zahmer. Im Grunde genommen handelt es sich um ein Browser-Spiel, welches man für 20 € über die Ladentheke ziehen kann oder es sich einfach im Internet laden kann. Allerdings geht einem so der Bonus-Content abhanden. Hierbei handelt es sich um die altbekannten Goodies, welches bereits die Käufer der
WoW Collectors Edition finanziell über den Rest der Spielgemeinde erheben sollten. So verfügt ihr über das exklusive Kleidungsset „Hockey“, was genauso spektakulär aussieht wie die "kreative" Namensfindung. Unausgewogen präsentieren sich hingegen die zusätzlichen Extras wie der stärkere Schläger, Rollschuhe oder auch Items, die automatisch auch mehr Siege im virtuellen Leben bedeuten sollen. Um hier aber irgendwie doch Gerechtigkeit herrschen zu lassen, hat man die Nutzung auf 30 Tage oder 10 Einsätze limitiert. Vergleichbar ist das so als wenn man bei Super Mario den Unverwundbarkeits-Stern jeweils für 2 Euro dazu erwerben kann. Spielerisch nicht unbedingt wertvoll, aber für den Publisher durchaus eine weitere Geldquelle. Und schließlich wurde auch das viel zitierte
Counterstrike kostenpflichtig aufgelegt und hat einiges an Finanzen eingespielt, obwohl der kostenlose Download parallel dazu im Netz zu finden ist. Ob das aber sinnvoll ist, sei dahingestellt.
Zahle 20 Euro und nutze Item B zehnmal
Genauso simpel wie die rund 20 Euro teure Verpackung, die nur zeitlich limitierte Goodies bietet, ist auch der Spielablauf des Hauptspiels. Drisch den Puck auf alle Arten und Wege in das gegnerische Tor, auch wenn du deinem Gegenspieler dabei eine handfeste Abreibung verpassen musst. Einen Schiedsrichter gibt es zwar, aber dieser hat soviel Angst um seine eigene Haut, dass er sich auf das Notwendigste beschränkt – nämlich dem Spiel einen offiziellen Rahmen zu geben. Entscheidungen wie Abseits usw. werdet ihr jedenfalls keine finden. Die ganze Präsentation ist dabei so simpel, dass die Texturen der verschiedenen Charaktere und Arenen dermaßen alles zu einem Brei werden lassen. Das Charakter-Design an sich wirkt zwar ganz in Ordnung, fügt sich aber auch komplett in diese ach so harte Hockey-Welt mit Freigabe von 12 Jahren ein, dass man nur den üblichen Anime-Japano-Misch-Masch erwarten kann. Die eingestreuten Keilereien in dem üblichen hektischen Gezappel könnt ihr mittels Button-Smashing für euch entscheiden. Nein, da ist eine Runde Air Hockey in der Realität für 20 € wesentlich unterhaltsamer.
Retro falsch verstanden
Vom Gamplay her kann man nur eine aufgepeppte Version des NES-Klassikers
Eishockey erwarten, die gelegentlich Casual Gamer fordern wird. Allen anderen kommt der Ablauf viel zu geradlinig vor und auch den angesprochenen Team-Moves, die man gemeinsam mit anderen Spielern für den Langzeitspielspaß auf den Bildschirm zaubern soll, bringen nichts. Denn ich überzeuge meine Freunde lieber zu einer Runde
PES 2009, wo jeder auch einen Spieler übernehmen kann und nicht nur die Spielmechanik, sondern auch die Präsentation stimmt. Wie geht doch gar nicht? Schon mal daran gedacht, dass man zu zweit oder mehreren in der gleichen Mannschaft gegen den Computer antreten kann? Weitere Aspekte wie die ausbaufähigen Charaktere bei
Slapshot mit steigerbaren Fähigkeiten interessieren kaum, denn zusammen mit der Sound-Untermalung befindet sich das gesamte Spiel im unteren Drittel. Für die schnelle Runde im leistungsschwachen Büro-Rechner während der Mittagspause ist es okay und spaßig, aber um sich damit längerfristig auseinander zu setzen wirkt das Ganze viel zu halbstark. Und hierbei spreche ich von der Download-Version aus dem Netz. Zwanzig Euro vom Käufer für eine handvoll Items zu nehmen, nenne ich jedenfalls ein starkes Stück.