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THE VOID
 Test von Thorsten Taplik (13.06.2009) Artikel-Feed (RSS) abonnieren
Genre:Action-Adventure Publisher:Atari
Termin:28. Mai 2009 Entwickler:Ice-Pick Lodge

The Void ist mehr als ein Computerspiel, es ist Kunst. Das sieht zumindest das Moskauer Museum of Modern Arts so, denn dort wird das ungewöhnliche Action-Adventure des russischen Entwicklers Ice-Pick Lodge ausgestellt. Ob The Void nicht nur künstlerisch wertvoll ist, sondern auch Spaß macht, beantworten wir in unserem Review.


Poetisch, aber wenig informativ

Die Originalversion von The Void führt euch mit einem der wohl längsten Intros der Spielegeschichte ein. In über 45 Minuten werdet ihr auf die befremdliche, trostlose Welt von The Void eingestimmt. Unzumutbar für den Endkunden dachte sich Publisher Atari – wohl nicht ganz zu Unrecht – und beschnitt das poetische Eingangsvideo in der Verkaufsversion auf eine Standardlänge von knapp einer Minute. So oder so entlässt euch das Spiel mit Fragen über Fragen in das interaktive Geschehen. Informationen gibt es nur häppchenweise von den in der Spielwelt verstreut lebenden Fürstinnen. Von den leicht bekleideten Damen erfahrt ihr, dass ihr gestorben seid und eure Seele vor dem endgültigen Tod nur bewahren könnt, indem ihr die spärlich gesäte Farbe in der trostlosen, toten Welt von The Void sammelt. Das Farbesammeln wird euch durch drei Arten von Gegnern erschwert: den Predatoren, den Wächtern und der Zeit.


Farbe bedeutet Leben

Die Predatoren sind „Kleinvieh“ wie Riesenwespen, die euch Farbe aus dem Körper saugen. Die Wächter hingegen haben Endgegner-Charakter und lassen sich nicht durch ein paar Farbtupfer, die ihr mit der linken Maustaste in der Spielwelt platziert, ausschalten. Euer größter Gegner ist allerdings die Zeit. Bewegt ihr euch zwischen den Levels, den sogenannten Kammern, tickt unerbittlich der Countdown, den ihr erst im späteren Spielverlauf durch den Einsatz von Glyphen manipulieren könnt. Ist die Zeit abgelaufen, beginnt The Void von vorne. Außerdem solltet ihr euren Farbvorrat im Auge behalten. Die Leere, wie die Übersichtskarte beziehungsweise die Spielwelt von The Void genannt wird, entzieht euch fortwährend die bunte „Lebensenergie“. Gerade in den ersten Spielstunden wird einem dieser Farbverbrauch schnell zum Verhängnis. Auf dem Weg von einer Kammer zur nächsten winkte uns mehrmals das Intro entgegen, weil wir unseren Farbvorrat zu üppig einschätzten.


Ein Genuss für Aug' und Ohr

Glücklicherweise beschränkt sich das Interface-Manko auf die Übersichtskarte. Ansonsten erfüllt das unauffällige GUI seinen Dienst. In technischer Hinsicht gibt es an The Void ohnehin kaum etwas auszusetzen. Die Grafik ist – wie man es von einem Kunst-Projekt fast schon erwarten kann – eigenständig und doch stimmig. Die düsteren, tristen Level werden durch sparsam eingesetzte Farbeffekte nuanciert. Das optische Highlight des Spiels ist allerdings das Leveldesign. Schmale Wege ranken sich in die Höhe und verschlingen sich zu einem bedrohlich wirkenden Korpus. Auf einer kargen kleinen Insel, die von einem Meer aus Teer umgeben scheint, zieht ein gold schimmernder Baum unsere Aufmerksamkeit auf sich. Auch der Sound passt: Die Hintergrundmusik unterstreicht die melancholische Grundstimmung. Die Sprecher leisten hervorragende Arbeit. So klagen uns beispielsweise die Fürstinnen in einem latent weinerlichen Ton von ihrem trostlosen Schicksal.


Viel Kunst, wenig Spiel

Bewertet man die Spielmechanik von The Void nach den üblichen Kriterien tun sich erhebliche Kritikpunkte auf. Das Gameplay ist nicht wirklich abwechslungsreich: Ihr erkundet die Kammern nach Farbquellen und schaltet etwaige Widersacher aus. Überdies sind die Kämpfe wenig fordernd. Allein das sehr gemächliche Spieltempo, das sich nicht nur in der furchtbar langsamen Gehgeschwindigkeit des Protagonisten niederschlägt, verwehrt dem Spiel den Einzug in die Mainstream-Riege und somit wohl auch den kommerziellen Erfolg. The Void überzeugt kaum als Spiel, sondern fordert euch zu einer audiovisuellen Erkundungstour durch eine skurrile Halbwelt auf. In puncto Wiederspielwert wird The Void allerdings nichts vorgemacht: Spielwütige erwarten bis zu dreizehn Spielenden.

Abschließend noch ein Hinweis an die Vista-Nutzer unter euch: Installiert vor Spielbeginn das aktuelle DirectX 9-Paket, ansonsten verweigert das Spiel den Start.

Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:






Wie soll ich ein Spiel bewerten, das vielmehr ein begehbares Kunstwerk ist? Den gewöhnlichen Bewertungskriterien nach fällt das Urteil ernüchternd aus: The Void ist in spielerischer Hinsicht trotz der innovativen Farbkomponente fernab des Guten. Dies ist allerdings kein Grund das Ausnahmeprodukt in die Versenkung zu verwünschen, denn Eines macht es ganz hervorragend: Es erzeugt eine einzigartige Atmosphäre. Den Bärenanteil daran trägt das Leveldesign, das in jedem Abschnitt mit entrückter Schönheit zu faszinieren weiß. The Void ist daher weniger etwas für den typischen Spieler, sondern eher für Kunstbegeisterte mit einem Faible für interaktive Medien.
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Pro:
atemberaubendes Leveldesign
kompetente Synchronsprecher
innovatives Farbkonzept

Contra:
erklärungsbedürfdiges Gameplay
sehr langsames Spieltempo


Offizielle Website:
 The Void

Weitere Links:
 Trailer
 Fürstinnen



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