Nach dem eher durchwachsenen ersten Teil, erscheint mit Armed Assault 2 nun der der Nachfolger zum Operation Flashpoint-Konkurrenten. Ein erster Beta-Patch, dicht gefolgt vom finalen Patch 1.01 ließ im Vorfeld nichts Gutes erahnen. Zumindest sollten die noch vorhandenen Bugs der Militär-Simulation damit zum Verkaufsstart so minimal wie möglich ausfallen, wie einige dachten. Allerdings sieht der aktuelle Zustand von Armed Assault 2 selbst mit Patch 1.01 nicht gerade rosig aus. Mehr in unserem Feldbericht.
Auf zum zweiten Einsatz
Armed Assault 2 schickt euch als Mitglied der US-Spezialeinheit "Razor" in die fiktive Republik Chernarus im Süden Russlands, wo ein erbitterter Bürgerkrieg rund um das 225 Quadratkilometer große Areal ausgebrochen ist. Inmitten von weitläufigen kargen Grünflächen, Berglandschaften und kleineren bis mittelgroßen Dörfern und Städten haben sich Terroristenverbände niedergelassen und üben Druck auf die Bevölkerung und das anrückende Militär aus. Das Spiel macht es uns nun in unterschiedlichsten Missionen zur Aufgabe, dem unterdrückten Staat wieder die Freiheit zu schenken. Doch bevor ihr als Mitglied der Razor-Einsatztruppe zur Tat schreitet, solltet ihr in jedem Falle das umfassende Tutorial als Vorbereitung auf den echten Einsatz nutzen. Denn
Armed Assault 2 ist und bleibt wie sein Vorgänger eine knallharte Militär-Simulation nach den Gesetzen der Realität. Soll heißen: die Kamera bewegt sich bei jedem Schritt hin und her, ihr müsst sehr präzise über Kimme und Korn, meist auf Weite Distanz zielen und treffen können und - am wichtigsten - eine Taktik an den Tag legen, mit der ihr nicht gleich ins offene Messer lauft. Selbst im einfachsten Schwierigkeitsgrad kann selbst ein einziger Treffer den virtuellen Tod bedeuten. Neben dem Schießen erlernt ihr im ausführlichen Tutorial zudem noch das Navigieren der eigenen Teamkameraden sowie der unterschiedlichen Vehikel und Fluggeräte. Darunter befinden sich Panzer, Transporter oder sogar ein Senkrechtstarter mit deutlich anspruchsvollerem Handling. Die etlichen Fahr- und Flugzeuge dürft ihr zu großen Teilen im Laufe der relativ nüchtern erzählten Kampagne allesamt selbst steuern. Die Geschichte beginnt mit einem unspektakulären Briefing auf einem US-Kriegsschiff. Bereits dort gut zu erkennen: die mitunter extrem authentisch und knackscharf wirkende Grafik,
»Crysis lässt grüßen. Leider fällt das Niveau später stark ab. Zusätzlich zur echten Kampagne "Red Harvest" warten sieben kleinere, ziemlich lahme Einzelmissionen auf euch, in denen ihr zur Abwechslung auch mal in die Rolle der Russen schlüpfen dürft.
(Nicht) allein auf weiter Flur
Wie auch schon im ersten Teil, wartet der Aufenthalt in der immens großen, sowjetischen Umgebung durchaus mit viel Handlungsspielraum auf. Dank der offenen Spielwelt lassen sich wie gewohnt eigene Taktiken verfolgen, um die Aufgaben-Ziele zu erreichen. Diese umfassen Geiselbefreiungen, Zerstörung bestimmter Gebäude oder Feind-Fahrzeuge, Einnahme von Gebieten sowie optional lösbare Quests wie "Finde Beweise zum in der Nähe befindlichen, versteckten Massengrab". Solche Nebenmissionen erhaltet ihr teilweise von Zivilisten im Krisengebiet. Nicht nur bei Zivilisten, sondern auch bei allen anderen NPCs möglich: die Dialogführung. Neuerdings wird selbige über das Interaktionsmenü ausgeführt. Damit könnt ihr mit jedem Charakter im Spielverlauf eine Unterhaltung führen, um so neue Informationen einzufahren. Im Verlauf der seichten aber ab und zu mit spannenden Inszenierungen aufgepeppten Handlung sowie stimmig präsentierten Dialogen (auf Englisch mit deutschen Untertiteln) seid ihr mal des Nachts, mal tagsüber unterwegs. Im Schutz der Dunkelheit lassen sich dabei mit Hilfe des Nachtsichtgeräts andere Vorgehensweisen in die Tat umsetzen, als tagsüber, wenn das Sichtfeld nicht mehr eingeschränkt ist. Aufgrund der Weitläufigkeit, müsst ihr stets mit Vorsicht vorgehen. Denn auch über große Distanz treffen die KI-Kontrahenten äußerst zielgenau und kippen euch bereits mit ein paar Schüssen aus den Latschen - gleiches gilt auch für die Teamkameraden. Nervenaufreibend: stirbt ein Mitglied des Razor-Teams gilt die Mission umgehend als gescheitert. Glücklicherweise erlaubt
Armed Assault 2 das freie Speichern, wenn auch nur auf einem Slot.
Theorie & Umsetzung
Soweit so schön, fassen wir einmal zusammen: offene Spielwelt mit 225 Quadratkilometern, viele Möglichkeiten, eine Mission anzugehen, optionale Aufträge, ein neuartiges Dialogsystem, allerlei Waffen und Vehikel sowie Realismus wohin das Auge reicht. Dennoch plagen den zweiten Teil eine Vielzahl an Bugs, welche trotz Patch 1.01 noch Bestand haben. Auf der Packungsrückseite von
Armed Assault 2 steht beispielsweise geschrieben, die KI verfolge keine vordefinierten Pfade und unterliege keinen Scripts. Hört sich in der Theorie schön an, man vermutet vielleicht sogar eine äußerst dynamische und individuelle KI-Routine. Doch in der Praxis versagt dieses KI-System auf ganzer Linie. Oftmals laufen die KI-gesteuerten Feinde im Kreis, postieren sich an irrsinnigen Positionen oder fahren Panzer an den nächstbesten Pfeiler. Somit geben die KI-Gegner leichte Ziele ab, wenngleich sie sehr treffsicher auftreten und zahlenmäßig überlegen sind. Ähnlich dämlich verhalten sich die eigenen Mitstreiter. Ihnen scheint keine Kugel zu viel zu sein, also stürzen sie sich gerne mal in den Kugelhagel und ziehen nach kurzer Zeit den Kürzeren. Verwundete Begleiter dürft ihr noch wegschleppen und verarzten, meist sterben die Razor-Kameraden jedoch und die Mission ist beendet. Nervig! Genauso wie die zahlreichen Grafikfehler (fehlende oder verschwommene Texturen) oder Soundaussetzer (Verzögerung der Soundeffekte oder Dialoge).
Durch die wahre Bugflut vermiest
Armed Assault 2 selbst spannende Missionen, die sich durchweg sehr echt anfühlen und nicht mit Realismus und Authenzität geizen.
ArmA 2 schreit gerade zu nach einem neuen Patch. Bei den vielen Fehlern sollte dieser nicht allzu lange auf sich warten lassen.