Electronic Arts verwickelt euch zum zweiten Mal in die kriminellen Machenschaften der Corleone-Familie aus dem berühmtesten Mafia-Epos der Filmgeschichte. In „Der Pate 2“ regiert ihr als Don Dominic über euer eigenes Territorium und geht ohne Skrupel gegen die feindlichen Familien vor. Lest im Review, wie uns das Leben als Mafiaboss gefallen hat.
Missglückter Jahresauftakt
„Der Pate 2“ folgt seiner cineastischen Vorlage im Gegensatz zum Vorgänger nur grob: Die Silvesterparty der Corleone-Familie auf Kuba wird durch die Machtübernahme der Rebellen um Fidel Castro abrupt beendet. Nach der Flucht, die als Tutorial dient, befördert euch Michael Corleone zum Don. Fortan kontrolliert ihr die Geschicke des Mafia-Clans in New York. Im späteren Spielverlauf verwaltet ihr zudem die Mafia-Imperien in Florida und Kuba. Diese Aufgabe erledigt ihr über die neue Don-Ansicht, einer frei drehbaren 3D-Karte mit unnötig verschachtelten Menüs. Dort sind sowohl die eigenen als auch feindlichen Betriebe eingezeichnet. Letztere müsst ihr alle einnehmen, um die Villa des gegnerischen Dons stürmen zu können. Am Ende des Gefechts habt ihr im Idealfall das verfeindete Familienoberhaupt ausgeschaltet und somit die vollständige Kontrolle über die Stadt erlangt, was das oberste Spielziel in „Der Pate 2“ darstellt.
Blutiges Familiengeschäft
Natürlich könnt ihr den Feldzug nicht als Ein-Mann-Armee durchziehen. Daher baut ihr eine Familie auf, die bis zu sieben Mitglieder aufnehmen kann. Eure Mitstreiter, die ihr in der Nähe der eroberten Betriebe rekrutiert, verfügen über jeweils eine Spezialfähigkeit. Sanitäter beleben niedergeschossene Mitstreiter, Safeknacker gewähren euch Zugang zu geheimen Dokumenten sowie zusätzlichen Geldmitteln und so weiter. Ihr müsst also bei der Zusammenstellung eures Teams auf eine ausgewogene Mischung achten. Die Soldaten folgen euch auf Schritt und Tritt, können aber auch für Sonderaufträge abgestellt werden, beispielsweise die Verteidigung eines Betriebes oder die Sprengung eines Gebäudes. Feindliche Einrichtungen übernehmt ihr nach Schema F: Zuerst schaltet ihr alle Wachen mit Waffengewalt aus. Danach knöpft ihr euch den Besitzer vor und überzeugt diesen von der Notwendigkeit eures Schutzes. Entdeckt ihr während der ruppig geführten Diskussion die Schwachstelle des Gegenübers, verdient ihr einen Schutzgeldbonus. Während der eine empfindlich auf die Zerstörung seiner Ladeneinrichtung reagiert, sind andere wiederum gegen Schüsse ins Knie allergisch.
Mord nach Maß
Befinden sich alle Betriebe eines Typs in eurem Besitz, erhaltet ihr spielerische Extras wie kugelsichere Westen. Dieses Kartellsystem könnt ihr für taktische Winkelzüge nutzen. Um den Gegner beispielsweise seiner Brandmunition zu berauben, befehligt ihr in der Don-Ansicht einen Brandanschlag auf ein Kasino der feindlichen Familie. Wurde dieser Auftrag erfolgreich ausgeführt, schießen eure Widersacher wieder mit gewöhnlicher Munition. Diese Zusammenhänge sind zwar alles andere als logisch, aber Logik ist ohnehin keine Stärke von „Der Pate 2“. So kann es auch mal vorkommen, dass ihr den Auftrag erhaltet, einen eurer eigenen Läden auseinander zu nehmen. Neben den Pflichtaufträgen könnt ihr Nebenmissionen angehen, durch die ihr an zusätzliches Geld oder besser noch an die Kill-Bedingung für einen feindlichen Capo kommt. Ebenso wie eure Familie besteht die des Gegners aus mehreren Mitgliedern. Um die großen Fische endgültig aus dem Geschäft zu ziehen und den konkurrierenden Clan nachhaltig zu schwächen, müsst ihr sie auf bestimmte Weise um die Ecke bringen. Tut ihr das nicht, erholen sich die gegnerischen Capos selbst nach einem Sturz von einem Hochhaus durch einem kurzen Krankenhausaufenthalt wieder.
Als Don hat man es leicht
Das große Problem von „Der Pate 2“ ist das Fehlen jeglicher Aha-Effekte. Die Story plätschert vor sich hin, auf den Straßen herrscht gähnende Langeweile, die Sprengung eines Gebäudes resultiert in einer brennenden Gasleitung. Obendrauf kommt eine hoffnungslos veraltete Technik. Ihr schießt euch durch detailarme, grob texturierte Fabrikanlagen und eiert mit schwammig steuerbaren Autos durch Straßen ohne Wiedererkennungswert. Eine gute Figur macht „Der Pate 2“ jedoch im Soundbereich: Stimmungsvolle 50er-Jahre-Musik schallt aus dem Autoradio und auch die Gespräche sind vorbildlich vertont. Vor allem die lockeren Sprüche eurer Begleiter tragen viel zur ansonsten verbesserungswürdigen Gangster-Atmosphäre bei. Aufgrund des einzigen, sehr leichten Schwierigkeitsgrades richtet sich „Der Pate 2“ nur an Nachwuchsganoven. Die stärkeren Schießprügel, die ihr nur in Multiplayer-Gefechten freischalten könnt, machen die ohnehin schon anspruchslosen Schießereien noch einfacher.