Die Grafik ist absolut fotorealistisch. Die Hintergrundmusik so dermaßen vielschichtig, dass sie von Klassik über Hip Hop bis hin zu Volksmusik reicht. Und das Gameplay ist zwar gelegentlich unausgewogen, zieht mich aber so sehr in den Bann, dass ich 24 Stunden, 7 Tage die Woche damit spielen muss. Die Rede ist vom Erfolgssimulator und Hit-Game „Mein Leben“, das ich seit meiner Geburt spiele. Aktuell habe ich eine neue Quest angenommen. Ich bin seit längerem Redakteur bei meiner Gilde Gameradio.de und habe den Auftrag, Erfahrungspunkte durch das Testen von „John Deere: Landmaschinen Simulator“ zu sammeln. Verrückt, ein Simulator in einem Simulator. Da kann man mal sehen wie komplex mein Leben geworden ist. Nicht zuletzt, weil ich so viele Addons installiert habe, wie etwa „Mein Leben – Open for Business“ oder „Mein Leben – Haustiere“. Wie es sich so anfühlt, virtuell die Gummistiefel anzuziehen und mit Traktor und Mähdrescher über das Feld zu pflügen, will ich euch aber jetzt einfach nicht mehr vorenthalten.
Frust Simulator
So langsam frage ich mich wirklich, welcher Simulator nicht auf den Markt geworfen wird. Jedenfalls hatte ich es bislang für nahezu unmöglich gehalten, dass so ein Machwerk wie „John Deere: Landmaschinen Simulator“ überhaupt konzeptionell ersonnen wird. Aber frei nach dem Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt ist die Wirklichkeit doch die beste Satire. Meine letzte Hoffnung knüpfe ich also an den „Kindergarten Simulator“, den „Wartezimmer Simulator“ und den „Abwasser Simulator“, die bitte niemals erscheinen sollen. Nicht, dass ich etwas gegen innovative Spielkonzepte habe, ganz im Gegenteil, ich warte heute noch auf die Fortsetzung von "Shenmue". Nein, was mich eher bedrückt, ist die minderwertige Qualität der Produkte. Es gibt auch Glanzlichter wie den „Flight Simulator“, aber wegen des bevorstehenden Tests siedle ich meine Erwartungshaltung lieber ganz prophylaktisch niedriger an.
Positive Überraschungen
Und zu was führt eine niedrige Erwartungshaltung? Genau, man kann nur positiv überrascht werden. Und genau das macht der „Landmaschinen Simulator“, dem ich nach wie vor seine Daseinsberechtigung abspreche. Denn die Grafik ist durchaus in Ordnung. Die Modelle sind nämlich dank des Lizenzgebers John Deere realitätsgetreu und detailliert ausgefallen. Aber auch bei der Umgebung hat man die durchschnittliche Qualität erhalten. So sehen einzelne Bäume tatsächlich nach kleinen Waldgebieten aus und der Bauernhof wirkt nicht wie eine plumpe Polygon-Ansammlung. Zugegeben, mit dem normalen Maßstab gemessen, verdient er sich das Prädikat „lieblos“, aber hier setzen wir ja die gnädige Simulator-Sichtweise an. Mit der Zeit nervt es aber doch, dass der Mähdrescher die Maiskolben nicht in sich aufnimmt, sondern diese einfach weg“ploppen“. Dafür werden wir mit ganz ordentlichen Animationen entschädigt z.B. wenn wir unsere mobile Besprühungsanlage ausfahren, um das Feld zu bestellen.
Grand Theft Mähdrescher
Der Erfolg der Open-World-Games hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Jedenfalls fühle ich mich wie in einer abgespeckten Form von "GTA San Andreas". So bestelle ich das Feld nahezu in Echtzeit und brauche dazu auch mal locker eine halbe Stunde. Anstatt dann das nächste Fahrzeug zu kapern, indem ich den Bauer von seinem Traktor ziehe, kaufe ich mir mit meinem mühsam verdienten Geld noch mehr John Deere Maschinen. Damit stellt sich mir dann im Grunde genommen der gleiche Spielverlauf dar: Arbeiten bis der Balken voll ist und neue Gerätschaften kaufen. Zumindest kommt etwas Abwechslung auf, da ich mal mit dem Traktor, Rasenmäher und auch Mähdrescher unterwegs sind.