Monolith möchte uns mit „F.E.A.R. 2“ erneut das Fürchten lehren. Nebenher soll Licht in die finstere Vergangenheit von Alma geworfen werden, die im Horrortitel Jagd auf euch macht und nicht davor zurückschreckt, ihre übernatürlichen Fähigkeiten einzusetzen: Schockmomente und Splattereffekte begleiten euch durch das Spiel. Reichen diese nur für eine leichte Gänsehaut oder besteht Herzinfarktgefahr?
Nahtloser Übergang
„F.E.A.R. 2“ setzt kurz vor den Ereignissen des Vorgängers an. In der Rolle von Sergeant Becket, Mitglied einer Spezialeinheit, werdet ihr zum Armacham-Firmengebäude beordert, um die Präsidentin des Forschungsunternehmens, Genevieve Aristide, zu evakuieren. Söldnertruppen trachten der gesamten Belegschaft nach dem Leben und möchten den Komplex dem Erdboden gleichmachen. Grund für die Eskalation ist ein Experiment der Armacham Technology Corporation, das völlig aus dem Ruder gelaufen ist: Im Mittelpunkt steht das übersinnlich begabte "Testobjekt" Alma, die alles andere als eine glückliche Kindheit hinter sich hat. Bereits im künstlichen Koma hat die Dame für mächtig Stunk gesorgt und telepathisch steuerbare Klonkrieger auf ihre Peiniger gehetzt. Nachdem sie als Reueakt des hauptverantwortlichen Wissenschaftlers befreit wurde, drehte Alma richtig auf. Oder besser gesagt, sie dreht auf, denn als ihr euch auf die Suche nach der Genevieve Aristide begebt, befindet sich das Schreckgespenst bereits auf freiem Fuß.
Fast alles beim Alten
„Project Origin“ arbeitet mit den gleichen Stilmitteln wie
»F.E.A.R.: Spannende Shootouts wechseln sich mit nervenaufreibenden Gruselpassagen ab. Während die Schießereien nicht an das Niveau des Originals heranreichen, haben die Entwickler, das Kunststück vollbracht, den hohen Horrorfaktor zu konservieren. Verantwortlich dafür sind die exzellent inszenierten Skriptsequenzen, in denen Alma sehr blutig gegen ihre Widersacher vorgeht oder euch mit Halluzinationen an den Rand des Wahnsinns treiben möchte. Hervorzuheben sind wie schon im Vorgänger die interaktiven Alptraumsequenzen, wie ihr sie zum Beispiel am Anfang des Spiels erlebt. Entwickler Monolith hat auch ein Manko des Serienauftakts behoben: Ihr bewegt euch nicht nur durch immer gleich anmutende Büro- und Laborpassagen, sondern begebt euch auch an beeindruckende Schauplätze wie eine von Almas Zorn heimgesuchte Grundschule oder an die Oberfläche einer völlig zerstörten Stadt.
Intelligenzschwund
Dem Atmosphäre-Plus steht gesunkener spielerischer Anspruch gegenüber. Konnte „F.E.A.R.“ nicht nur Horrorfans, sondern auch Liebhaber anspruchsvoller Egoshooter ansprechen, ist der Nachfolger eher auf die erstgenannte Personengruppe zugeschnitten. Dieser Umstand wirft ein Rätsel auf. War und ist die künstliche Intelligenz beim Vorgänger herausragend, ist sie in „F.E.A.R. 2“ bestenfalls Durchschnitt. Die Feinde versuchen kaum noch euch in den Rücken zu fallen. Meistens genügt es, die Widersacher aus einer geschützten Position heraus unter Feuer zu nehmen. Dabei geben diese meist einfache Ziele ab. Die K.I. hat allerdings auch dazugelernt. So können eure Widersacher Deckung schaffen, indem sie beispielsweise ein Krankenbett umwerfen. Von dieser Fähigkeit machen eure Häscher auch regen Gebrauch. Einen Nutzen hat dieses Feature allerdings nicht – zumindest nicht als „Lebenserhaltungsmaßnahme“. Es bringt herzlich wenig, ein paar Meter vor eurer Nase eine kniehohe Holzbank umzuschubsen und dahinter Schutz zu suchen.
Unblutige Schießereien
Spaßig sind die Feuergefechte trotzdem. Die gegenüber dem Vorgänger minimal aufgebohrten Effekte sind immer noch sehr ansehnlich und sorgen für einen freudig zuckenden Zeigefinger. Natürlich ist auch der Zeitlupeneffekt wieder mit an Bord. Um die Schießereien heil zu überstehen, müsst ihr ihn allerdings nur selten einsetzen. Wir empfehlen euch, das Spiel direkt auf dem normalen Schwierigkeitsgrad anzugehen. Nur Genreneulinge und Herausforderungsabstinenzler sollten die leichte Variante wählen. Das Waffenarsenal entspricht den Standards. Hervorzuheben ist eventuell die Nailgun, mit der ihr sogar in der geschnittenen deutschen Version Gegner an die Wand nageln könnt. Apropos Zensur: Wie für die hiesigen Verhältnisse üblich, wurde sämtliche derben Splattereffekte entfernt. Wer „F.E.A.R. 2“ in seiner vollen Pracht spielen möchte, muss sich noch bis zum 27. Februar gedulden. Dann erscheint hierzulande die Uncut-Version. Von einem Import raten wir ab. „F.E.A.R. 2“ nutzt die Steam-Technologie und kann – zumindest ohne Tricks – nur auf Rechnern aus dem vorgesehenen Land abgespielt werden.
Auch für schwache Rechner
Da sich „F.E.A.R. 2“ technisch an dem Vorgänger orientiert, sind die Hardwarevoraussetzungen erfreulich niedrig angesetzt. Selbst Systeme, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, stellen den Gruselshooter flüssig dar. Geschmacksfrage: Monolith legt über das Spielgeschehen einen leicht körnigen Filter. Die krisselige Optik ist sicherlich nicht jedermanns Sache und lässt sich in den Optionen auch nicht deaktivieren. Am Sound gibt es nichts zu beanstanden. Die Mutanten heulen schaurig, die Waffen fetzen ordentlich und die Musik untermalt das schaurige Geschehen angemessen. Auch die Sprachausgabe ist durchweg gelungen. Die Übersetzung der zahlreichen Nachrichten, die in den Levels verstreut sind und Hintergrundinformationen liefern, kann nicht ganz an dieses Niveau anschließen. So kommen Textpassagen mitunter doppelt vor. Größtes technisches Manko ist aber das Speichersystem: Mehr als ein automatisch gesetzter Speicherpunkt pro Profil sollte schon drin sein.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
