Draußen schneit und stürmt es urplötzlich wie zu den besten Winterzeiten, da mache ich es mir doch kurzerhand mit „Grand Ages Rome“ gemütlich. Denn genau das sind die Wetterbedingungen, bei denen man es sich mit einer warmen Tasse Tee oder Kakao mit einem Aufbaustrategie- oder Rollenspiel vor seinem Rechenknecht einnistet. Und wenn ihr schon auf sommerliche Temperaturen hofft, dann seid euch sicher, dass ich erst später mein Nintendo 64 mit der Jet-Ski-Raserei „Wave Race 64“ aus dem Keller hervorkramen werde. Für das gute Sommerwetter müsst ihr euch also noch etwas gedulden. Und wenn ich jetzt Beschwerden höre, von wegen Strandspaziergang statt Schneeballschlacht, dann werfe ich das alte "Fatal Fury" für das Neo Geo ein, dessen Tagessituation und Wetter sich nach jeder Runde ändert. Dann müssen Regenschirm und Sonnenbrille zugleich eingepackt werden.
Imperium Romanum 2
Da war doch was. Vor einiger Zeit habe ich mich doch schon mal in den windigen Straßen des römischen Imperiums herumgetrieben und nach mehr oder weniger wirtschaftlichen Aspekten entweder Arbeiterhäuser oder Götterstatuen errichten lassen. Tja, was man als Videospiel-Journalist so alles erlebt. Dabei stellte ich mich mit gut durchdachten Schachzügen bei der Oberschicht meiner Siedlung gut, um anschließend festzustellen, dass mein Militär die Intelligenz einer debilen Stubenfliege hatte. Oder war ich tatsächlich so ein mieser Stadthalter, dass meine Armee lieber den Freitod wählte, in dem sie Welle um Welle gegen immer die gleichen Befestigungsanlagen anrannte, statt diesen von hinten den Garaus zu machen. Würde man wie im Fall „300“ nach der Anzahl der Männer gehen, die heroisch den Gebirgspass verteidigen, müsste man gemäß der KI von „Imperium Romanum“ den Streifen in „51376 – Zahl steigend“ umbenennen. Aber wie sagte Napoleon: „Hunde, wollt ihr ewig leben“?
Das Spiel mit der eisernen Maske
Soviel zu den letzten Impressionen von „Imperium Romanum“, das nunmehr den inoffiziellen Vorgänger zu „Grand Ages Rom“ darstellt. Denn man hat sich kurzerhand dazu entschlossen, statt dem Titel eine Zwei anzuheften, dem Spiel einen neuen Namen zu geben. Nichts desto trotz wird jedem, der den Beinah-Namensvetter zuvor gespielt hat, die Verwandtschaft der beiden auffallen. Bereits im Tutorial, das erneut von einem guten Sprecher gekonnt vertont wurde, fällt mir auf, dass die Grafik ins Jahr 2009 befördert worden ist. Soll heißen, dass sie noch etwas von einem Aha-Effekt entfernt ist, aber das Prädikat „schön“ für sich in Anspruch nehmen kann. Und schließlich ist die Grafik hier ja bei weitem nicht so entscheidend wie bei einem Ego-Shooter. Doch wurde der Wuselfaktor etwas gesteigert, die Gräser wiegen sich im Wind und die Architektur überzeugt mit wunderbar gestalteten Bauten. Was mir nicht gefallen hat, ist der ungenaue Zoom per Mausrad, denn entweder scrollt man sich zu nah an das Geschehen oder man katapultiert sich gleich in die unbrauchbare Vogelperspektive hoch über den Wolken.
Wirf einem Problem genug Geld entgegen und es löst sich von allein
Also schauen wir mal, ob sich die Entwickler meine Kritik am Erstling zu Herzen genommen haben. Und tatsächlich, endlich kann ich mich mit meinem anonymen Stadthalter identifizieren, denn dieser ist gar nicht mehr so anonym. Zu Beginn des Spiels kann ich nicht nur zwischen Männlein und Weiblein entscheiden, sondern auch die Charakterportraits unterscheiden sich durch die Zugehörigkeit zu verschiedenen Adels-Geschlechtern. Dabei tendieren einige mehr zum verschwenderischen Umgang mit Geld, während andere eher zweifelhafte moralische Vorstellungen vertreten. Die Charakterauswahl ist nichts weltbewegendes, zeigt aber, dass das Entwickler-Team lernfähig ist.
„Esst doch Kuchen“
Im Spiel erwarten uns gut gemachte Videosequenzen und eine zusammenhängende Kampage rund um einen geheimnisvollen Mentor, der aus dem afrikanischen Exil zurückkehren darf. Danach erfüllen wir unsere Aufträge in gewohnter Manier. Der Rohstoffabbau muss mit den elementaren Bedürfnissen zusammenpassen, ehe wir uns an die Vergrößerung unserer Siedlung wagen können. Dazu erforschen wir neben erweiterten Abbau-Techniken auch neue Bauwerke wie den Gewürzstand. Und wer glaubt, dass ich als Stadthalter nicht den Pfeffer zum Braten als notwendige Errungenschaft erachten muss, dem lasse ich das Forum direkt vor der Haustür errichten und rufe das Kriegsrecht aus. Das senkt zwar meine Popularität, aber dafür landet der Beschwerdeführer selber als Braten bei mir auf dem Tisch und kann sich eigens über die Wirkung des Pfeffers schlau machen. Na gut, die Römer haben es schon schlimm getrieben, aber Kannibalismus möchte ich ihnen nicht andichten. Daher nehme ich die Kritik in meine geistige Meckerbox und lasse trotzdem das Forum errichten. Vielleicht kommt mir ja noch einer auf die Idee, Bürgerkrieg zu führen.
Wieder Kanonenfutter für Asterix
Tja, aber wenn man es mit Leuten zu tun hat, die gar nicht wissen, dass Pfeffer existiert, dann hilft da nur der Griff zur Kriegsaxt. Zumindest schiebe ich das als Kriegsgrund für den Überfall auf die Barbarenhorden gegenüber der gefügig gemachten Bevölkerung vor. Wie? Ihr wollt noch einen Brunnen oder eine Schule? Bitte sehr!
Hierzu rekrutiere ich alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist in den Kategorien Reiter, Bogenschützen und Fußtruppen. Gut, dass ich eben noch ein paar Schulen und Brunnen habe bauen lasse, denn das hat meine Stadt vergrößert und damit auch mein Maximalkontigent an Truppen. Da ich gerade in jüngster Vergangenheit erfolgreich den Mammutpanzer und den King Oni befehligt habe, sprich „Alarmstufe Rot 3“ durchgespielt habe, bin ich froh, dass ich meine Einheiten ganz im Stile eines Echtzeitstrategie-Titels per Mausrahmen auswählen kann. Da ist es aber schon vorbei mit Parallelen zu EAs Machwerk, denn die Kämpfe tragen sich genauso einfach nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip aus, wie beim Vorgänger „Imperium Romanum“. Naja, zumindest kann ich meine Truppen mit Spezialfähigkeiten wappnen, die sie in die Schlacht werfen dürfen.
Grand Ages Romanum
Ganz ordentlich was der zweite, mittlerweile umgetaufte Teil von „Imperium Romanum“ uns hier bietet. Zwar bringt „Grand Ages Rom“ nichts bahnbrechendes Neues mit, was der Namenswechsel suggerieren will, aber an den Stärken wurde konsequent weiter gearbeitet. Allerdings auch nicht mehr, denn das Spiel bietet außer der Verbesserung des Hauptprogramms kaum etwas Neues.