Im vergangenen Jahr bewies EA mit "»Mirrors Edge", dass sie sehr wohl innovative Spiele veröffentlichen und nicht nur bewährte Serien fortführen können. Nun wurde das Parcour-Spiel für den PC umgesetzt, mit kleinen Zusatzfeatures ausgestattet und an die Tastatur-Steuerung angepasst. Ob auch die PC-Version überzeugen kann, erfahrt ihr im nachfolgenden Test.
Intrigen & Korruption
"Mirrors Edge" spielt in einer New York-ähnlichen Großstadt, in der die besten Tage bereits gezählt sind. Intrigen und Korruption herrschen in der Metropole vor, ein Überwachungsstaat hinter einer sterilen Fassade ist geboren. Wichtige Informationen lassen sich seither nur noch mit Hilfe sogenannter Runner überbringen. Faith gehört zu dem Kreis dieser Boten, die möglichst flott von A nach B gelangen müssen. Meist führt der schnellste Weg über die Häuserdächer der zahlreichen Wolkenkratzer, ganz im Stile der Sportart Parcour, die in Europa mittlerweile äußerst populär und zum Trend geworden ist.
Damit ist die Geschichte rund um Faith und den Runnern natürlich noch nicht komplett erzählt. Vielmehr gerät die flinke Dame in eine vertrackte Verschwörung. So wird ihrer Schwester, die für den Stadtstaat als Polizistin arbeitet, ein Mord in die Schuhe geschoben. Faith versucht nun, diesen Fall aufzuklären und wird ihrerseits immer mehr zur Zielscheibe der gesinnungslosen Regierung. So viel sei verraten: die Story ist nett, aber eher nebensächlich. Immerhin bringen die Comic-Sequenzen, mit denen ein Großteil des Spiels erzählt wird, Abwechslung. Die Synchronsprecher gehen auch in der deutschen Version in Ordnung, wobei sich die konventionellen Gespräche ohne Bedenken auch abbrechen lassen.
Rennen & Kämpfen
Vielmehr geht es darum, in Free-Running-Manier Abgründe zu überwinden, und das am besten zügig, da Faith oftmals die Polizei auf die Pelle rückt. "Mirrors Edge" besteht hauptsächlich aus zwei Kern-Elementen. Das Hauptaugenmerk liegt auf den zahlreichen Klettereinlagen: ihr kraxelt über Häuserdächer, überspringt Stromzäune, balanciert auf Stahlträgern über Abgründe, rennt an Wänden entlang, bugsiert euch durch Schwingen an Stangen zur nächsten Ebene und so weiter, immer auf der Suche nach dem kürzesten Weg. Dank der präzisen Steuerung, die mit wenigen Tasten auskommt (WASD, Leertaste, Shift und Q plus Maus) gehen die Jump&Run-Einlagen auch in der PC-Versionen sehr flüssig von der Hand, selbst an kniffligeren Stellen, an denen ihr verschiedene Bewegungen in schneller Abfolge hintereinander ausführen müsst. Damit ihr alle Hindernisse problemlos meistern könnt, hebt das Programm Objekte wie beispielsweise Kisten hervor, über die ihr euch auf andere Ebenen katapultieren müsst. Eine spezielle Taste um schneller zu rennen, benötigt Faith nicht, sie tut es nämlich automatisch. Insgesamt entwickelt man so ein gutes (Körper-)Gefühl und kann sich komplett auf das Geschehen konzentrieren. Das innovative Spielprinzip des Free Runnings wurde von Dice herausragend umgesetzt und macht ab der ersten Sekunde Spaß.
Zudem seid ihr nur selten allein unterwegs, denn die Ordnungshüter sind stets auf eurer Spur. Einerseits bringt dies mehr Spannung in die Kletterpassagen, die später in Verfolgungjagden quer über die Dächer enden. Andererseits lassen sich Konfrontationen mit den Staatsdienern nicht in jeder Situation vermeiden. Zum Glück verfügt Faith über einige Kampfmoves, sodass sie ihren Gegnern nicht nur mit Schlagkombinationen zusetzen, sondern auch deren Waffen abnehmen kann. Das erfolgt, wenn ihr nah genug an die Widersacher herangetreten seid. Dann gibt eine rote Markierung das Signal, in diesem Moment die rechte Maustaste zu drücken, um den Gegner zu entwaffnen. Abgenommene Schießprügel darf Faith selbstverständlich auch benutzen, allerdings ist Munition sehr knapp. Auf groß angelegte Gefechte solltet ihr euch nicht einlassen, da Faith bereits nach einigen Treffern zu Boden sinkt und vom letzten Speicherpunkt aus erneut starten muss. Eine Quicksave-Option gibt es nicht, die automatischen Speicherpunkte sind aber fair verteilt.
Steril & monoton
"Mirrors Edge" bietet hauptsächlich immer wieder die selbe Herangehensweise: Ziel erreichen (über Dächer, durch Lüftungsschächte), Rivalen umgehen oder außer Gefecht setzen, Nachforschungen anstellen und schließlich vor der anrückenden Polizei flüchten. Garniert wird dies mit verschiedenen Tageszeiten sowie der ständig wechselnden Farbgebung. Mal geht`s durch blau bemalte Fabrikhallen, dann wieder durch ein knallig-oranges Einkaufszentrum. Das ändert jedoch nichts an der sehr sterilen Optik, kaum ein Abschnitt unterscheidet sich vom vorherigen. Dafür besticht die Grafik mit einer enormen Weitsicht, knackscharfen Texturen und schicken Effekten. Wer außerdem eine PhysX-fähige Grafikkarte in seinen PC eingebaut hat, freut sich über zusätzliche Effekte, wie detaillierte Glassplitter, Stoffe, die physikalisch korrekt durchschossen werden können oder schickere Überstrahleffekte.
Der größte Kritikpunkt des Spiels ist und bleibt auch in der PC-Version die Spieldauer von gerade einmal knapp fünf Stunden. Da es jedoch generell an Abwechslung mangelt, geht die Spielzeit in Ordnung. Nach dem Durchspielen, habt ihr die Möglichkeit, Time Trials oder Speedruns auszuüben. Bei erst genanntem handelt es sich um Checkpoint-Rennen, die in bereits bekannten Levels stattfinden. Speedruns enthalten keine Checkpoints, dafür wird die Zeit gemessen, die ihr benötigt, um ein komplettes Level zu meistern. Eure Bestzeiten könnt ihr dann online eintragen lassen und mit anderen vergleichen - spaßig.
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