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CALL OF DUTY
 Test von gamona.de (09.11.2003) Artikel-Feed (RSS) abonnieren
Genre:Ego-Shooter Publisher:Activision
Termin:03. November 2003 Entwickler:Infinity Ward

Intensiv! So lässt sich wohl am besten das Spielgefühl im brandneuen WW2-Shooter von Infinity Ward beschreiben. Noch kein Game vermittelte so hautnah das Gefühl in einem Hollywood Film á la Soldat James Ryan oder Enemy at the Gates zu stecken.


Essen, Wasser, Waffen und ausreichend Munition verspricht der sowjetische Politkommissar, während die Fähre unter massivem Beschuß die Wolga überquert. Heulend stürzen sich deutsche Stukas auf die wehrlosen Boote. Junge Männer kauern sich mit ängstlichen Gesichtern auf den Boden, während um den Rekruten Alexei Ivanovich die Hölle ausbricht. Gischtfontänen, getroffene Schiffe, die dutzende junger Männer in einer gewaltigen Explosion ins Verderben reißen. Einer der Männer verliert die Nerven und stürzt sich panikerfüllt in die Fluten, um dem Inferno zu entrinnen. Doch Rückzug wird nicht geduldet: eine MP-Salve der Offiziere setzt der Flucht des Deserteurs ein Ende. Wenige Augenblicke später legt die Fähre am Ufer an und spuckt ihre Fracht aus.

Der Auftrag: Rückeroberung von Stalingrad. Um jeden Preis! Verzweifelt fleht der Spieler um ein Gewehr. Doch nur jeder zweite wird bewaffnet. Mit nichts als einem nutzlosen Magazin gilt es die Böschung zu erstürmen. Hastig taumelt Alexei in die nächstgelegene Deckung, als eine Artillerie-Ganate unmittelbar neben ihm explodiert. Die Erde erbebt, wie im Traum nimmt er seine Umgebung wahr. Und man weiß nur eines: Ohne Hilfe habe ich hier keine Chance.


Altbekannte Entwickler

So beginnt die Sowjet-Kampagne in dem furiosem Shooter Call of Duty. Wer sich dabei unwillkürlich an die Omaha Beach Landung in Medal of Honor Allied Assault erinnert fühlt, liegt damit gar nicht falsch. 22 der Entwickler machten sich nach diesem Titel selbstständig und gründeten das Studio Infinity Ward. Mit Call of Duty veröffentlicht Activision den ersten Titel des Teams. Auch das technische Grundgerüst in Form der minimal angestaubten Quake3-Engine ist identisch. So ist es nicht verwunderlich, dass sich beide Spiele recht ähnlich sind.

Im inoffiziellen Vorgänger konnte man als Mike Powell noch quasi im Alleingang den Krieg gewinnen. Das hat sich jetzt geändert. Abwechselnd schlüpft der Spieler in die Rolle des amerikanischen Fallschirmspringers Private Martin, in die Haut des britischen SAS-Elitesoldaten Evans oder eben in die des russischen Rekruten Alexei Ivanovich. Je nach Kampagne verlaufen auch die insgesamt 26 Missionen des Spiels recht unterschiedlich.


Abwechslungsreiche und spannende Missionen

Sie beginnen das Spiel als Private Martin in einem amerikanischen Ausbildungslager. Hier bekommen Sie stilvoll die Grundzüge der Steuerung nahe gebracht. Danach springen Sie am D-Day, dem Tag der alliierten Landung in der Normandie, mitten in Feindesland ab und sichern gemeinsam mit ihrem Platoon hinter den feindlichen Linien den Vormarsch der gelandeten Truppen. Der Schwerpunkt liegt hier auf dem Kampf in einem kleinen Infanterieverband und dem gezielten Ausschalten der deutschen Luftabwehr, Artilleriestellungen oder vorrückender Panzer. Originell ist eine wilde Fahrt an Bord eines kurzerhand entwendeten Autos mitten durch die deutschen Verbände, wenn mangels Funkgerät eine dringende Nachricht an das Hauptquartier übermittelt werden muss. Etwas taktischer gehen Sie als britischer Elitesoldat des Special Air Service vor. Sergeant Evans ist in sechs Missionen mitten in Deutschland, Österreich oder Norwegen unterwegs, um Gefangene zu befreien, wichtige Industrieanlagen zu sabotieren oder sogar das deutsche Schlachtschiff Tirpitz zu infiltrieren.

Am abwechslungsreichsten gestalten sich die neun Missionen der sowjetischen Kampagne. Sind Sie zu Beginn fast wehrlos mitten im Schlachtgetümmel, so schleichen Sie bald als Scharfschütze durch die zerstörten Häuser von Stalingrad oder steuern relativ frei ihren eigenen Panzer durch das befreite Polen in Richtung Berlin. Dabei sind fast alle Missionen extrem gut designt, spannend und fordernd, wenn auch eine verknüpfende Story fehlt. Oft verteidigen Sie Stellungen einige Zeit mit wenigen Mitstreitern gegen eine feindliche Übermacht bis Verstärkung eintrifft. Auf höheren Schwierigkeitsgraden müssen Sie stellenweise auch mehrfach laden und probieren, bis Sie das richtige Timing und die passende Strategie zur Lösung der Mission raus haben. Aber faire Auto-Save Punkte und die Quick-Save-Funktion sorgen dafür, dass das selten in Frust ausartet. Leider hält sich aber auch die Gesamtspielzeit in Grenzen. Erfahrene Spieler können bereits nach knapp zehn Stunden die Sowjet-Flagge auf dem Reichstag in Berlin hissen. Je nach Vorlieben gefällt sicherlich die ein oder andere Mission besser oder schlechter. Wirklich miese Missionen gibt es jedoch keine.


Intensive Atmosphäre

Grafisch reizt das Spiel die drei Jahre alte Engine gut aus. Subjektiv wirkt es sogar noch etwas schöner als MoHAA. Die Animationen sind flüssig und die Atmosphäre ist mit bombastischen Effekten, vielen Scriptsequenzen und schöner Locations unglaublich realistisch. Negativ macht sich nur die geringe Größe der Maps bemerkbar, was aber im Spiel, dank gutem Leveldesign, kaum auffällt. Etwas ewöhnungsbedürftig sind die Models, die wegen ihrer kurzen Beine zu Beginn ein bisschen zu niedlich wirken. Die detaillierten Gesichter mit angsterfüllten Blick lassen dies aber spätestens bei der Überfahrt nach Stalingrad vergessen. Äußerst gelungen ist auch die Soundkulisse.


Historisch korrektes Waffenarsenal

Das Waffenarsenal des Spiels umfasst die genretypischen realistischen Nachbildungen der historischen Waffen von den einfachen Infanteriegewehren M1 Garand oder K98 bis zu den leichten Maschinengewehren wie etwa dem deutschen MP44 oder dem britischen Bren. Allerdings kann der Spieler neben einer Pistole und Granaten nur zwei schwerere Waffen mitnehmen. Messer oder ähnliches sind nicht vorhanden, man kann jedoch mit den Waffen auch zuschlagen. In einigen Missionen empfiehlt es sich, die alliierten Gewehre gegen deutsche Modelle zu tauschen, da sonst bald die Munition knapp wird. Neu ist der Ironside-Modus, den mancher aus Mods wie zum Beispiel True Combat kennt. Mit angelegter Waffe trifft man über Kimme und Korn wesentlich genauer, ist dafür aber langsamer und hat ein mehr oder minder eingeschränktes Sichtfeld.


Multiplayer

Wer allzu große Hoffnungen in den Multiplayer-Part gesteckt hat, wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein oder aber er jubiliert erst so richtig. Neben den Standards Deathmatch und Teamdeathmatch bietet Call of Duty noch die Modi Retrieval, Behind Enemy Lines und Search & Destroy. Letzteres entspricht dabei in etwa dem aus MoHAA bekannten Mission oder Detonation aus Counter-Strike. Ein Team muss ein Ziel zerstören, während das andere Team verteidigt und gegebenenfalls die Bombe entschärft. Allerdings wirkt die Performance und das Spielgefühl trotz gleicher Engine deutlich besser als in Medal of Honor, so dass hier eine Wachablösung in Sicht sein dürfte. Leider gibt es im Multiplayer keine frei steuerbaren Fahrzeuge und auch hier ist die Mapgröße im Vergleich zu anderen Titeln wie Battlefield 1942 überschaubar, um es positiv zu formulieren. Wer kurze, intensive Gefechte ohne weite Wege mag, wird aber auf jeden Fall seinen Spaß haben.Da im Moment noch einige Bugs, Bunny-Hopping und ein etwas unausgewogenes Waffen-Balancing den Spielspaß trüben, kann man auf einen baldigen Patch hoffen. Da bereits zum Release der US-Version ein noch nicht ganz fertiger Linux-Server geleakt ist und Activision in der Vergangenheit einen besseren Support bot als etwa Electronic Arts bei MoHAA, ist hier aber für die Zukunft noch einiges zu erwarten.





Wer Medal of Honor mochte oder am liebsten selber die Hauptrolle in einem hollywoodreifen Kriegsfilm übernimmt, findet in Call of Duty den bisher besten Spieletitel. Das mittendrin Gefühl ist, so makaber das klingen mag, grandios und intensiver kann man ein Kriegsspiel mit der derzeitigen Technik kaum gestalten. Damit ist aber auch die USK-18 Einstufung des Spiels berechtigt. Call of Duty verzichtet zwar auf übertriebene Gewaltdarstellungen, richtet sich aber eindeutig an eine erwachsene Zielgruppe, die in der Lage ist, das gebotene Szenario in seiner realistischen Darstellung richtig einzuordnen. Auch der Multiplayer-Teil bietet nur Variationen bekannter Spielmodi.
 
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Pro:
Realismus
solider Multiplayer
abwechslungs-reiche Missionen
Soundkullise

Contra:
kleine Maps
keine Fahrzeuge im Multiplayer


Offizielle Website:
 callofduty.com

Fansites:
 callofduty.info
 callofduty.de
 callofduty.org

Weitere Links:
 Demo 1
 Demo 2



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