Mit dem Independent-Projekt „Tower of Goo“ sorgte Kyle Gabler für Aufsehen: Die Konstruktion eines Turms aus Schleim ist beeindruckende Physiksimulation und kniffliges Denkspiel in Einem. Mittlerweile tat sich der Game Designer mit Ron Carmel zusammen und gründete das Zwei-Mann-Studio 2D Boy. Mit der konsequenten Weiterentwicklung des ungewöhnlichen Spielprinzips in „World of Goo“ versuchen die beiden Querdenker den Sprung aus der Indie-Nische.
Schleimklumpen als Gestaltungselement
Das Spielziel von „World of Goo“ ist schnell erklärt: Die Schleimkugeln müssen ins Abflussrohr. Dummerweise befindet sich der röhrenförmige Levelausgang in unerreichbarer Ferne. Doch was heißt hier „unerreichbar“? Mit Teamwork steigen die drolligen Gooballs in luftige Höhen oder überwinden weite Schluchten. Dazu müsst ihr aus den Schleimbatzen Türme oder Brücken formen. Schnappt euch einfach einen der umherwackelnden Gesellen und flanscht ihn an euer Konstrukt. Weiße Linien zeigen euch an, wie der Gooball ins wabbelnde Geflecht eingefügt wird, was an den Moleküle-Baukasten aus dem Chemie-Unterricht erinnert. Oberstes Augenmerk bei eurem Bauvorhaben gilt der Stabilität. Achtet ihr bei eurem Tower of Goo nicht auf eine gleichmäßige Gewichtsverteilung, klappt er zusammen wie ein Kartenhaus. Bastelt ihr hingegen eine Brücke ist ein seitliches Wegklappen erwünscht. Doch auch hierbei müsst ihr die schleimige Konstruktion immer wieder mit Querstreben stabilisieren.
Vorgänger als Extra-Level
Als wäre das nicht knifflig genug, steht euch für die Problemlösung nur eine begrenzte Anzahl an Gooballs zur Verfügung. Diese beschränkt sich zum einen – logischerweise – durch die im Level herumrollenden und zum anderen durch die Mindestanzahl zu rettender Schleimkugeln. Habt ihr nämlich das Abflussrohr erreicht, setzt ein Luftsog ein, der alle Bälle, die nicht „verbaut“ wurden, einsaugt. Eine Ausnahme bilden die grünen Exemplare, die sich nach Belieben aus dem Schleimgebilde lösen lassen. Doch aufgepasst bei deren Entfernung! Die Saugkraft des Luftstroms ist nicht stark genug, instabile Wabbelbauten aufrecht zu halten. Die Gooballs, die über dem Soll liegen, wandern in einen Pool, aus dem ihr in einem jederzeit anwählbaren Extra-Level wie im bekannten Vorgänger „Tower of Goo“ einen möglichst hohen Schleimturm basteln müsst. Erlaubt ihr dem Spiel, eine Verbindung zum Internet aufzubauen, seht ihr – sehr cool – die Machwerke anderer Goo-Architekten im Hintergrund.
Unübersichtlichkeit als Spaßbremse
Auf eurer Reise durch die "World of Goo" seid ihr nicht auf das lineare Lösen der Herausforderungen festgelegt. Mitunter verzweigt sich euer Schleimpfad, so dass ihr euch erstmal einen anderen Level vorknöpfen könnt, wenn euch bei einem anderen mal die Ideen ausgehen sollten. Zudem gestattet euch „World of Goo“, Level zu überspringen. Trotz dieser benutzerfreundlichen Design-Entscheidungen wird euch eine gewisse Frustresistenz abverlangt. Zwar ist der Lösungsansatz häufig offensichtlich, die Umsetzung aber recht knifflig. Mitunter genügt ein ungünstig positionierter Gooball, um euer Schleimgebilde zusammenkrachen zu lassen. Und das muss nicht mal etwas mit kurzsichtiger Bauweise zu tun haben. Die Gooballs wuseln unkontrolliert durch euer Schleimgeflecht und verlagern so den Schwerpunkt ständig neu. Da ihr leider auch nicht herauszoomen könnt und sich eure Konstrukte grundsätzlich über mehrere Bildschirme erstrecken, mangelt es manchmal an der nötigen Übersicht. Schwachstellen in der Statik werden so mitunter zu spät erkannt.
Käfer als Zeitmaschinen
Bei „World of Goo“ steckt der Teufel im Detail. 2D Boy haben sich allerdings einen sehr pfiffigen Instant-Exorzismus einfallen lassen: Sogenannte „Knackkäfer“ schwirren durch den Level. Lasst ihr diese durch einen Mausklick zerplatzen, wird der letzte Bauschritt rückgängig gemacht. Eine weitere Spielhilfe sind die in den Levels verstreut aufgestellten Schilder, auf denen ein mysteriöser Schildmaler mehr oder weniger hilfreiche wie amüsante Bemerkungen hinterlassen hat. Ebenso wie man über den Humor des Spiels streiten kann, dürfte auch der Grafikstil nicht jedermanns Sache sein. Der knuffige Comic-Look mit ständig wechselnden Farbschemata passt allerdings ganz gut zum auf Niedlichkeit getrimmten Flair. Die Gooballs starren euch mit großen Augen an, wenn ihr sie packt, und quitieren den Einbau im Schleimturm mit einem erfreuten Quieken. Treibende Upbeat-Klänge und entspannende Prärie-Sounds bilden die stimmige Klangkulisse von „World of Goo“.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
