Mit ausnahmslos überdurchschnittlich guten Bewertungen meldete sich die Tomb Raider-Serie in den letzten Jahren mit "»Legend" sowie "»Anniversary" wieder erfolgreich zurück. Nun scheint es fast so, als ob jedes Jahr ein Ableger der berühmten Reihe abfällt. Umso besser! Doch kann auch "Tomb Raider: Underworld" überzeugen oder erleidet die neue Ausgabe dem Schicksal der "Need for Speed"-Serie, die kürzlich bewiesen hat, dass schnelles Geld offensichtlich mehr zählt als Qualität?
Amanda who?
Anders als "Legend" konzentriert sich der neueste Ableger "Tomb Raider: Underworld" auf die Tugenden der ersten Teile und spielt überwiegend an geheimnisvollen Schauplätzen, die Lara auf der Suche nach dem sagenumwobenen Hammer des Wettergottes Thor besuchen muss. Dieser mächtigen Waffe geht die Archäologin im ersten Teil des Abenteuers auf den Grund, trifft später alte Bekannte wie Nadla oder Amanda und sucht nebenbei ihre verschollene Mutter. Letztlich dreht sich nicht die gesamte Story um den mysteriösen Hammer; auch andere Handlungsstränge stoßen anschließend hinzu. Dabei sind Serienkenner ganz klar im Vorteil, zumal in den vielen, äußerst atmosphärischen Zwischensequenzen nicht viel über die im Verlauf der Handlung auftauchenden Charaktere erzählt wird. Da hilft auch das im Hauptmenü abgelagerte "Was bisher geschah"-Video nicht weiter. Nicht nur für Neulinge bietet "Tomb Raider: Underworld" dafür passend zu jedem neuen Spielabschnitt Tagebucheinträge, die Näheres zu den mystischen Schätzen, Ruinen oder allgemein zur Thematik darlegen.
Welttournee
Insgesamt bereist ihr acht Locations, die jeweils mit einer eigenständigen Rätselmechanik aufwarten. Im Mittelmeer beginnt die Spurensuche nach Thors Hammer mit einem ausführlichem Tauchgang, natürlich inklusive Rätseln unter Wasser und fiesen Hai-Attacken. Danach kämpft ihr euch durch Thailand, wo der erste Zwischengegner auf euch wartet und sich die im Allgemeinen etwas weitläufigeren Level zum ersten Mal bemerkbar machen. Warum das bekannte Croft Manor in Flammen steht, klärt ihr in der 3. Mission auf. Zudem macht ihr Bekanntschaft mit einer gehässigen Doppelgängerin. Danach dürft ihr in Mexiko erstmals mit dem neuen Motorrad zwischen verschiedenen Grabstätten entlangrasen und anspruchsvolle Aufgaben lösen. Zum Abschluss wendet ihr in den Missionen "Jan Mayen", "Andamanensee" und "Nordmeer" eure bisher gelernten Fähigkeiten an. Dabei geizt "Underworld" nicht mit optischer Abwechslung. Triste, verschneite Abschnitte wechseln sich mit Missionen unter Wasser, dicht bewachsenen Szenarien in Thailand sowie schlichten Innenlevels ab.
Rätselkultur
Das wichtigste Element ist natürlich die Rätselstruktur, und die ist mindestens mit denen der Vorgänger gleichwertig. Im Vordergrund stehen Schalter- und Schieberätsel, um in weitere Bereiche vordringen zu können. Diese gestalten sich im Vergleich zum Vorgänger ein wenig anspruchsvoller, sind allerdings mit ein wenig Überlegung durchgängig lösbar. Daneben besteht das Gameplay serientypisch aus etlichen Kletterpassagen. Diesmal muten die Schauplätze deutlich authentischer an, vor allem da der vorgegebene Weg nicht so konstruiert wirkt und nicht umgehend heraussticht. Insofern bringen die Klettereinlagen mehr Laune, wurden zudem noch abwechslungsreicher ausgearbeitet. Gut, dass diese nach wie vor intuitiv von der Hand gehen. Durch reines Ausprobieren löst man so bisweilen komplette Abschnitte - für Profis ideal, für Anfänger weniger. Wer partout nicht weiter kommt, darf auf Knopfdruck die neue Rätselhilfe aktivieren und bekommt so die nötigen Instruktionen, was als nächstes zu tun ist. Eine sehr schöne Lösung für all diejenigen, die an gewissen Stellen feststecken. Die Ausführung selbst muss natürlich jeder eigentständig übernehmen und das kann aufgrund der zeitweise unübersichtlichen Kulisse ziemlich schwer fallen. Da hilft selbst die brandneue, aber ziemlich unnütze Sonar-Karte nicht viel.
Lara balanciert neuerdings auf Balken (wie in "
»Assassins Creed"), springt mutig auf dünne Pfeiler (aus dem Vorgänger bekannt), wendet ab und zu ihren Greifhaken an bestimmten Stellen an, erreicht mittels Wandsprung höher gelegene Plattformen und wehrt sich an einer Kante hängend gegen Feinde. Das erinnert nicht nur an die Vorgängerteile, sondern spielt sich auch grundlegend genauso. Trotzdem legte Eidos mit "Underworld" mehr Wert auf Kletter- sowie Rätseleinlagen als auf actionreiche Abschnitte. Natürlich fehlen diese genauso wenig wie die bekannten Reaktionstests. Mit einer Ausnahme: Anstatt eine Actionsequenz einzuleiten und nur Tastenicons einzublenden, verlangsamt das Spiel das Geschehen, damit ihr noch rechtzeitig (zum Beispiel vor Gesteinsbrocken) ausweichen könnt. Dank geschmeidigen Bewegungen ist das auch schick in Szene gesetzt.
No Look-Jump
Der Hauptmakel von "Tomb Raider: Underworld" sind mal wieder die teils ungünstigen Kameraperspektiven. Oftmals zoomt das Spiel zwar auf die attraktive Protagonistin, zeigt aber nicht dorthin, wo Lara eigentlich hinspringen muss. In vielen Situationen helfen da lediglich Sprünge nach Gefühl weiter, die häufig im nächsten Abgrund enden. Darüber hinaus zickt zeitweise auch die Steuerung, was zum selben Ergebnis führt - einem schmerzhaften, vielmals tödlichen Absturz. Eines muss man der PC-Version jedoch zu Gute halten: die Trial & Error-Passagen treten im Vergleich zu den Konsolen-Pendants aufgrund der besseren Feinjustierung via Maus seltener auf. Auf der anderen Seite lässt sich Lara dank des Analog-Sticks mit Gamepad flexibler durch die Level navigieren.
Mehr des Gleichen
Gerade Bugs weist "Tomb Raider: Underworld" einige vor. Abgesehen von den Steuerungsmacken offenbart der Titel zum einen kleinere Grafikfehler (gelegentlich kann man durch Wände blicken), zum anderen bleibt Frau Croft gerne mal an Objekten hängen, mit denen sie nicht interagieren kann. Gleiches gilt für die KI-Gegner. Allerdings halten sich die Bugs im Hintergrund und haben im Großen und Ganzen Seltenheitswert.
Kinofeeling
Perfekt hingegen ist den Entwicklern die Soundkulisse gelungen. Mit voller Bass- und ausgeprägter 5.1-Unterstützung bekommt ihr klanglich einiges geboten. Passende Musik samt perfekter Sprachausgabe und wummernden Geräuschen untermalen das Geschehen auf dem Monitor prächtig.
Besonders angetan sind wir von der wunderschönen Grafik. Stimmungsvolle Schauplätze mit vielen Details (Algen, Fischschwärme, Schätze), schicken Wasseranimationen sowie kleineren Effekte (abperlendes Wasser, Schmutz auf Laras Haut, Lara schüttelt den Kopf bei aussichtslosen Aktionen oder drückt Gebüsch zur Seite) dürften jeden noch so großen Grafikfetischisten glücklich stimmen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:


