Am 4. März 2011 erschienen mit der »Pokémon Schwarzen und Weißen Edition die ersten Pokémon-Spiele der fünften Generation in Europa. Lange Zeit machten danach Gerüchte die Runde, wonach Nintendo an einer Sonderedition mit dem Arbeitstitel Grau arbeiten würde. In einer japanischen Pokémon-Sendung kündigte Projektleiter Junichi Masuda jedoch zwei Nachfolge-Editionen mit den deutschen Titeln Pokémon Schwarze Edition 2 & Pokémon Weiße Edition 2 an, die schon am 12. Oktober hierzulande erscheinen werden. Nur ein lauwarmer Aufguss oder vollwertige Editionen? Wir sind mit der japanischen Import-Version schon vorab nach Einall zurück gereist.
Dunkle Wolken am Himmel
Serientypisch fängt alles ganz harmlos an: Das Abenteuer beginnt in einer kleiner Stadt im Südwesten der Region. Ihr schlüpft wahlweise in die Rolle eines jungen und aufstrebenden Jungen oder Mädchens. Euer Rivale aus der Nachbarschaft lässt auch nicht lange auf sich warten. Ihn gilt es natürlich im späteren Verlauf stets zu besiegen. Ihr werdet ein wenig herumgeführt und schon nach kurzer Zeit dürft ihr euch das erste Pokémon aussuchen. Zur Auswahl stehen die gleichen Tierchen wie in den beiden Vorgängern. Sie gehören wie immer den Elementklassen Feuer, Wasser und Pflanze an. Nachdem der treue Begleiter ausgewählt ist geht es auch schon los. Doch wie man sich denken kann, bleibt es nicht lange so friedlich. Schon nach kurzer Spielzeit werdet ihr merken, dass etwas nicht stimmt. Seltsam gekleidete Gestalten reden irgendetwas von Beherrschen und fordern euch heraus. Kenner der Vorgänger werden schnell merken, dass es Mitglieder der kriminellen Organisation Team Plasma sind, die vor zwei Jahren (Zeitlinie im Spiel) zerschlagen wurden. Aber nicht vollends, denn sie sind zurück und haben einen neuen Anführer an der Spitze. Dieser verfolgt einen finsteren Plan, den es – wer hätte es gedacht? - zu vereiteln gilt. Wir wollen an dieser Stelle nicht zu viel zur Story verraten, freut euch einfach auf das große Finale. Zwar ist die Erzählung nicht gerade auf Rosen gebettet, aber doch ganz solide für ein Spiel aus dieser Reihe. Trotzdem müssen wir kritisieren, dass das Gut-gegen-Böse-Prinzip mittlerweile doch sehr altbacken wirkt. In Zukunft erwarten wir diesbezüglich wesentlich mehr Kreativität, liebe Entwickler.
Zuhause ist es doch am schönsten
Wie eingangs erwähnt seid Ihr wieder in der Einall-Region unterwegs, die sich aber gehörig verändert hat. Schließlich hat sich das Rad der Zeit um zwei Jahre gedreht. Schaut man sich das offizielle Artwork an, so erkennt man eine große Eisfläche, die sich über den gesamten Nordosten ausgebreitet hat. Es wurden viele neue Städte und Einrichtungen gebaut. Beispielsweise das PokéWood, ein Filmstudio, in dem ihr eure eigenen Filme drehen könnt. Oder das Pokémon World Tournament, bei dem ihr gegen Arenaleiter und Champions aus Einall und anderen Regionen antreten könnt. Erinnert sich noch jemand an die Bauarbeiten in der Wüste? Diese sind größtenteils abgeschlossen. Nun kann man eine neue Siedlung und eine uralte Ruine bewundern.
Die Entwickler haben generell mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. Dies zeigt sich an Bergen, die sich in Seen spiegeln oder an Blättern, die vom Winde verweht werden. Die Spielwelt wirkt insgesamt lebendiger und organischer. Das sorgt für eine stimmungsvolle Atmosphäre, die gelegentlich von ein paar nervigen Musikstücken beeinträchtigt wird. Insgesamt können sich die Editionen wirklich sehen lassen. In dieser Hinsicht hat die Reihe großartige Fortschritte gemacht.
Schnapp' sie dir alle!
War es in den Vorgängern so, dass ihr bis zur Liga nur auf Pokémon der Einall-Region gestoßen seid, so habt ihr jetzt schon zu Beginn die Möglichkeit, Taschenmonster aus älteren Regionen zu fangen. Das bietet nun noch mehr Möglichkeiten bei der Erstellung des Teams, denn der regionale Pokédex umfasst fast 300 Pokémon! Viele Pokémon aus anderen Regionen müsst ihr euch aber ertauschen oder die Nintendo-eigene Traumwelt nutzen. An einige Legendäre Pokémon kommt ihr ohne ein WiFi-Event von Nintendo leider auch nicht heran. Genaueres zu den betroffenen Legendären dürfen und können wir (noch) nicht verraten, da sie offiziell noch nicht enthüllt wurden. Trotzdem dürfte genug Langzeitmotivation vorhanden sein. Was wir aber sagen können ist, dass das Legendäre Pokémon Kyurem, das die Cover der beiden Editionen ziert, einen besonderen Auftritt spendiert bekommt. Aufmerksame Leser haben es sicherlich schon bemerkt: Es scheint eine schwarze und eine weiße Form zu haben. Richtig. Durch Fusionieren mit den Cover-Pokémon der Schwarzen und Weißen Edition (Reshiram und Zekrom) wird es entweder zum Schwarzen oder Weißen Kyurem. Durch die Fusion erhält es spezielle Fähigkeiten und Attacken. Wer möchte, kann den Drachen aber durch ein bestimmtes Item wieder in seine Normalform zurückverwandeln.
Das Kampfsystem hat sich nicht großartig verändert. Ihr lasst Eure Mitstreiter wie gewohnt in rundenbasierten Kämpfen gegen andere Pokémon antreten. Auch die dynamischen 3-gegen-3-Duelle sind wieder mit von der Partie. Der Hintergrund ist jetzt noch etwas dynamischer animiert. Er richtet sich immer nach dem aktuellen Kampfort. Werdet ihr also im hohen Gras herausgefordert, so erstrahlt der Background in einem knalligen Grün.
Und sonst so?
Die neuen Editionen haben noch ein wenig mehr zu bieten. Es gibt nun eine Art Achievement-System, das euch mit schön gestalteten Medaillen belohnt, wenn ihr bestimmte Aufgaben erfolgreich erfüllt habt (etwa das Besiegen von 100 Trainern). Das ist sehr motivierend, da die Aufgaben in ihrer Schwierigkeit steigen und mit wertvolleren Prägungen belohnt werden. Darüber hinaus gibt es neue Arenaleiter, die auf eure Herausforderung warten. Zudem wurden die alten Arenen optisch aufgemotzt. In der hiesigen Pokémon Liga werdet ihr eine große Überraschung erleben, seid also gespannt! Ein Schmankerl gibt es noch: Wer bislang kein sogenanntes Shiny-Pokémon zu Gesicht bekommen hat, für den bieten die neuen Editionen eine gute Gelegenheit. Im Spielverlauf bekommt ihr nicht nur ein tolles Drachen-Pokémon als seltenes Shiny geschenkt. Nachdem ihr den Pokédex vervollständigt habt, erhaltet ihr ein spezielles Item, das die Chance auf ein wildes schillerndes Pokémon um 30% erhöht.
Die Qual der Wahl
Wenn ihr nicht bis Oktober warten und einen Import in Erwägung ziehen wollt, beachtet, dass die japanischen Spiele nur auf einem normalen DS-Modell laufen! Der DSi und der XL besitzen leider eine Regionalsperre. Die Wahl der Edition liegt natürlich ganz bei euch. Inhaltlich sind beide Editionen nahezu identisch. Die Unterschiede sind im Wesentlichen nur marginal: Natürlich gibt es in einer Edition Pokémon, die es in der anderen wiederum nicht gibt. Da muss jeder für sich entscheiden, welche Monster einem mehr liegen und welche nicht. Aber da kann man ja immer noch tauschen. Daneben gibt es editionsspezifische Örtlichkeiten: In
Schwarz 2 wäre dies die Lavahöhle, wohingegen in
Weiß 2 die Wasserhöhle existiert. Einen optischen Unterschied gibt es beim Interface: Das ist in
Schwarz 2 eher dunkel gehalten, während es in
Weiß 2 hell ist.
Auf dem Nintendo 3DS steht euch eine exklusive Sonderfunktion zur Verfügung. Ihr habt die Möglichkeit, Pokémon zu übertragen, die ihr in der eShop-Download-Software "Pokémon Traumradar" gefangen habt. Eine kurze Erläuterung: Der Traumradar ist eine Software, die nur für den Nintendo 3DS über den Nintendo eShop erhältlich ist. Per als Augmented-Reality-Spiel aufgezogenem Spielchen ist es euch möglich, eine Vielzahl von Pokémon und Items zu erhalten, die ihr anschließend auf die Editionen
Schwarz 2 und
Weiß 2 transferieren könnt. Während des Spielens könnt ihr damit die Umgebung nach sogenannten "Traumwolken" erkunden, auf die mit einer Art Laserstrahl gezielt werden kann. Die Gewinne richten sich nach der Farbe der Wolken. Auch das Sammeln von "Traum-Orbs" ist wichtig, um Verbesserungen freizuschalten, die euch neue Möglichkeiten eröffnen.
PokéMania
Für das erste Durchspielen dürftet ihr als geübter Spieler etwa 25 bis 30 Stunden veranschlagen können. Bis ihr alle Pokémon gefangen und alle Medaillen ergattert habt, dürften weit mehr als 100 Stunden ins Land ziehen. Ihr könnt an eurem Trainerpass arbeiten, indem ihr den Pokédex vervollständigt oder noch einmal gegen die Top-Vier antretet. Und dann sind da ja noch die zahlreichen täglichen und wöchentlichen Ingame-Events, an denen ihr teilnehmen könnt. Stellt euch zum Beispiel der Herausforderung der Entwickler Shigeki Morimoto und Nshino. Richtig gelesen: Die beiden Programmier-Asse haben ihr virtuelles Ebenbild ins Spiel eingefügt. Auf dem Weg zum ultimativen Pokémon-Trainer gibt es also viel zu tun!