Bereits im vergangenen Jahr konnten DS-Besitzer den Horror-Schocker »Dementium: Die Anstalt spielen - gute zwei Jahre nach US-Release, dafür mit einigen kleineren Verbesserungen gegenüber dem Original. Wohl dank der guten Wertungen (bei uns konnte der Erstling 81 Prozent abstauben) gibt es nun einen Nachfolger - und diesmal mussten deutsche Fans nur zwei Monate warten. Wir haben uns in die verstörende Welt zurückgetraut und verraten euch, was sich darin alles getan hat.
OP am offenen Hirn
Der zweite Teil von
Dementium knüpft an die Geschichte des Erstlings an - wer diesen nicht gespielt hat, wird dennoch gut in die Geschichte reinkommen. Zwar gibt es einige Verweise auf die Geschehnisse des Vorgängers, aber die Story von
Dementium 2 ist nach wie vor doch eher dünn und wirkt aufgesetzt. Ihr übernehmt erneut die Rolle von William Redmoor, welcher auf einem Krankenbett erwacht und noch leicht benommen erfährt, dass er eine Hirnoperation hinter sich hat und in seine Zelle zurückgebracht wird. Warum und wieso ihr hier seid, erfahrt ihr zunächst nicht - nur, dass der gute Doktor offensichtlich noch mehr mit euch vorhat. Kaum, dass ihr eure kleine Zelle erforscht, wechselt William in eine Paralleldimension voller Abartigkeiten. Blut tropft von den eisernen, rostigen Wänden, Leichen hängen herum mit Ketten in geöffneten Münder und Leibern... Monster patroulieren auf den Gängen. Glücklicherweise gelangt ihr recht schnell in den Besitz eines Messers, mit dem ihr euch der bizarren Feinde erwehren könnt.
Wie auch im Vorgänger verfolgt ihr in
Dementium 2 das Spielgeschehen auf dem oberen Screen aus der Ego-Perspektive. Mit dem Stylus in der rechten Hand (es gibt auch eine Steuerungsvariante für Linkshänder) seht ihr euch um, das Digikreuz dient zum Bewegen und mit der L-Taste (Linkshänder benutzen die R-Taste) setzt ihr eure jeweilige Waffe ein. Um schneller zu laufen, tippt ihr zweimal das Digikreuz in die gewünschte Richtung, was sich gerade bei Bosskämpfen als recht unglücklich herausstellt. Eine Option zum permanenten Rennen wäre sinnvoller gewesen. Ansonsten funktioniert die Steuerung aber tadellos. Alle weiteren Aktionen kommen über den Touchscreen zum Einsatz: Dort gibt es nun endlich eine Karte (in
Dementium wurde hier groß der Gesundheitszustand in Form eines EKG-Signals gezeigt). Ähnlich wie in der
Silent Hill-Reihe könnt ihr hier euren Weg durch die Korridore verfolgen, allerdings erscheinen abgeschlossene Türen direkt als nicht passierbar... bei der Konkurrenz ist dies in der Regel erst der Fall, wenn ihr die Tür getestet habt. Rechts daneben findet ihr Buttons zum gebückten Laufen und Springen. Letzteres könnt ihr auch durch doppeltes Tippen auf den Touchscreen erreichen. Das Inventar in
Dementium 2 ist ebenfalls auf dem unteren Screen angebracht. Während ihr in euren mitgeschleppten Sachen kramt, hält der Spielverlauf inne - ihr habt also keinen Stress bei der Waffenwahl.
Im Laufe der mit etwa sechs Stunden recht kurz ausgefallenen Geschichte von
Dementium 2, welche ihr in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden angehen könnt, werdet ihr einiges in eurem Inventar ansammeln. Zum einen natürlich Waffen: Angefangen bei dem Messer, findet ihr recht bald auch Schußwaffen und andere Nahkampfwaffen, wie etwa den Vorschlaghammer. Mit diesem könnt ihr nicht nur Gegner beseitigen, sondern auch bestimmte Barrikaden öffnen, um so in weitere Bereiche vorzudringen. Eure Schußwaffen brauchen natürlich auch Munition, welche ihr ebenfalls einsammeln und mitnehmen könnt. Eine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger erfuhr zudem die Taschenlampe: Statt als Ausrüstungsgegenstand neben euren Waffen nur einzeln tragbar zu sein, könnt ihr diese nun mit kleineren Waffen zusammen benutzen. So könnt ihr dunkle Gänge erleuchten und habt dennoch eine Waffe in der Hand. Aber auch Heilitems nehmt ihr nun mit, statt sie nur am Fundort direkt benutzen zu können.
Rätselfreie Gruselkost
Unterteilt ist
Dementium 2 in fünf Kapitel. Um ein wenig Abwechslung in den jüngsten Teil zu bringen, erforscht ihr nicht nur die dunklen Korridore der Anstalt, sondern auch das nahegelegene Dorf Pelf mit seiner Kirche und dem Friedhof. An bestimmten Stellen verschlägt es euch auch immer mal wieder in die Paralleldimension, in der es nochmal um einiges düsterer zugeht. Dass hier
Silent Hill Pate stand ist unübersehbar. Ausgeklügelte Rätsel sucht ihr aber leider vergebens. Stattdessen beschränkt sich
Dementium 2 auf die Suche nach Schlüsselitems, die euch helfen, bislang verschlossene Wege zu öffnen. Das ist leider manchmal mit viel Laufen und Suchen verbunden. Schade auch, dass der Notizblock aus dem ersten Teil gestrichen wurde, bot dieser doch einen guten Ansatz, auch komplexere Rätsel in das Spiel einzubauen. Hier hätte man das Spielerhirn gerne mehr fordern dürfen.
Eine weitere Verbesserung gegenüber dem Vorgänger stellt das Speichersystem dar. Ihr kommt nun immer wieder mal an Spiegeln vorbei, an denen ihr euren Spielstand sichern könnt. Praktischerweise bekommt ihr auch gleich die Gesundheit wieder aufgestockt - das spart Heilpacks. Wie schon in der EU-Fassung des Vorgängers gehören wiederkehrende Gegner ebenfalls der Vergangenheit an. Zudem gibt es nun einen Survival-Modus, für den ihr während der Kampagne weitere Stufen freischaltet. Hier bekommt ihr es in Arena-Kämpfen mit unzähligen Wellen von Gegnern zu tun. Einige Waffen- und Gesundheits-Pickups sind eure einzigen Verbündeten gegen die Horde von Kreaturen. Wie die Geschichte ist allerdings auch dieser Modus recht kurzweilig und wird euch kaum lange bei der Stange halten können.
Man spricht Deutsch
Für DS-Verhältnisse macht die Technik von
Dementium 2 einen sehr ordentlichen Eindruck. Die Grafik ist gegenüber dem Vorgänger nochmal um einige Details aufgebessert worden und sieht einfach verdammt gut aus! Gerade wenn ihr im Dunkeln spielt, Kopfhörer im Ohr, entfaltet der Horror seine volle Wirkung. Schön auch, dass deutsche Spieler mit einer gelungenen, allerdings nicht herausragenden, deutschen Synchronisation bedacht wurden - damit sollte es keinerlei Verständnisprobleme geben. Neben den wenigen Cutscenes wird die Story vornehmlich durch Papierschnipsel weitergesponnen, welche ihr in den Arealen finden könnt. Die Übersetzung wirkt stimmig, grobe Patzer oder dergleichen konnten wir nicht ausmachen. Sound und Musik sind hingegen zwiespältig ausgefallen: Die Soundeffekte sind größtenteils überzeugend, manche jedoch (etwa das Revolver-Nachladen) klingen ein wenig komisch. Die Musik plätschert ebenfalls vor sich hin, kein Vergleich zu den Stücken der
Silent Hill-Reihe. Auch schade: Wenn ein Feind auftaucht, wechselt die Musik. Dadurch sind Überraschungen und Schockmomente nahezu passé.
Übrigens erscheint
Dementium 2 auch zusammen mit dem Vorgänger,
Dementium: Die Anstalt, in einem Paket - wer also noch keinen der Teile besitzt, kann diese auch direkt zusammen erwerben. Beide Spiele haben aufgrund ihrer verstörenden Darstellung von Gewalt übrigens nichts in Kinderhänden verloren.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

