Das Line-Up für Nintendos DS hat Titel im Sortiment, die auf einer anderen Konsole undenkbar sind. Die Rede ist nicht nur von den unzähligen Wimmelbild-, Gehirnjogging- oder Haustierpflege-Titeln, sondern auch von echten Spielspaß-Granaten in Form von »Professor Layton und das geheimnisvolle Dorf oder Phoenix Wright - Ace Attorney. Letztgenanntes Spiel geht mit Ace Attorney Investigations: Miles Edgeworth nun in die Verlängerung. Ob erneut die Pflichtkauf-Messlatte erreicht wurde, konnten wir erst in einer Gerichtsverhandlung fallabschließend klären.
Auf Seiten der Staatsanwaltschaft
Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Und gemessen an berühmten Helden ist das auch mehr als gut so. Denn ohne Lex Luthor kein Superman, ohne Dr. Octupus ist Spiderman nur ein Irrer im Spinnenkostüm und ohne Darth Vader würde Luke Skywalker heute noch auf der Farm das Leben eines einfachen Bauern fristen. Doch zum Glück haben alle Gutmenschen aus Film und Fernsehen ihren persönlichen Gegenspieler, so dass auch Rechtsexperte Phoenix nur mit Staatsanwalt Miles Edgeworth glänzen kann. Kennen wir den Charakter nur als Widersacher, dem wegen unserer perfekt formulierten Beweisketten regelmäßig die Kinnlade herunterklappen musste, zeichnete sich Miles Edgeworth auch immer durch sein Gerechtigkeitssinn aus, wo er sich nicht zu schade war, auch mit dem Spieler zusammenzuarbeiten. Daher war es fast nur eine Frage der Zeit, bis ihr in
Ace Attorney Investigations - Miles Edgeworth selbst die Kontrolle über den immer sympathischer werdenden und zu Arroganz und Größenwahn neigenden Kontrahenten im Spiel übernehmen könnt.
Mordaufklärung in der Seitenansicht
Im neuen Serien-Ableger
Ace Attorney Investigations - Miles Edgeworth hat sich grundlegend nur wenig an der bewährten Spielmechanik verändert. Ihr seid immer noch damit betraut, Beweise und Indizien zu sammeln, um das Verbrechen endgültig aufzuklären. Dabei haben die Entwickler wieder tief in die Trickkiste gegriffen und verlangen euch wie früher auch eure volle Aufmerksamkeit bei den Zeugenverhören und der Item-Suche ab. Als Neuerung kommt aber hinzu, dass ihr euch in den insgesamt fünf Fällen selbst in bester Adventure-Manier auf die Suche am Tatort macht. Jetzt wird zudem auch das Steuerkreuz benutzt. Ego-Perspektive ade. Doch wer jetzt glaubt, dass der Schwerpunkt nicht mehr auf den teilweise ausufernden Gesprächen liegt und dass man den Redefluss des einen oder anderen Zeugen schnell wegklicken kann, der irrt. Die Fälle werden immer komplexer und verzahnen sich auch miteinander. Daher ist Konzentration gefragt, die man in der überfüllten U-Bahn nur schwer aufbringen kann.
Lineare Unterhaltung vom Feinsten
Frischen Wind bringt die Tatsache, dass wir auf den glanzvollen Auftritt im Gerichtssaal verzichten müssen. Nichts desto trotz bleibt Capcom aber dem bekannten Spielmechanismus treu – mit dem Unterschied, dass sich das Ganze jetzt abwechslungsreicher darstellt. Die Locations sind unterschiedlich gestaltet und die Charaktere in gewohnter Anime-Manier abgedreht gehalten. So vergesst ihr schnell, dass sich in den Vorgängern das Entscheidende meist im Gericht abspielte, denn die bekannten Wortgefechte lassen sich natürlich auch außerhalb zur Überführung des Täters mindestens genauso gut führen. Weiterhin bestehen bleibt das Gefühl, dass man bereits gelegentlich des Rätsels Lösung schon gefunden hat, man aber immer noch nach dem entsprechenden Objekt suchen muss, damit
Ace Attorney Investigations - Miles Edgeworth dies auch versteht. Weiter sind die Handlungen immer noch linear, so dass auch bei einem erneuten Durchspielen der gleiche Täter auf dieselbe Weise das identische Opfer getötet hat. Es ist zwar angenehm, dass Geschehen aus der aufgeklärten Perspektive erneut zu betrachten, aber ein anderer Wiederspielwert findet sich nicht.
Retro-Charme mit Neuigkeiten
Man muss also den meisten Spielspaß im ersten Durchgang daraus schöpfen, die Gegenstände miteinander zu kombinieren und vermeintliche Zeugen in ihre eigenen Widersprüche zu verstricken. Und seit euch sicher – Spaß werdet ihr dabei haben. Obwohl man der Neuerung der Adventure-Elemente skeptisch gegenüber stehen kann, bleibt
Ace Attorney Investigations - Miles Edgeworth dennoch ein waschechtes Spiel aus der Phoenix Wright-Serie. Das bürgt für klasse gescriptete Dialoge und verzwickte Fälle, aber auch die unterschiedlichen Tatorte lassen mich für keinen Moment die Gerichtssäle der Vorgänger vermissen. Sympathie-Bonus erlangt das Spiel, wenn ich mich bei den butterweich animierten Sprites an bekannte 2D-Sidescroll-Perlen wie
Final Fight oder
Streets of Rage erinnert fühle. Da kommt echter Retro-Charme auf. Und schließlich steht der DS ja auch dafür, zwar nicht die beste Grafik-Hardware zu haben, diese aber so gelungen in Szene zu setzen, dass der Spielspass immer noch bestehen bleibt. Unter dem Strich bleibt ein klasse Titel, der Einsteigern wie Serien-Kennern neues Futter für die Handheld-Konsole liefert. Nur die Frage, wie sich die Anwalts-Saga nun weiterentwickeln wird, bleibt offen. Auf jeden Fall ist der Ausflug in die Seitenperspektive schon mal geglückt. Folgt man da etwa dem Relaunch-Ansatz von
»Resident Evil 5?