Schon seit geraumer Zeit wird der Nintendo DS für mehr als nur Spiele genutzt, sei es nun Gehirnjogging, Mathematik, Knobelaufgaben oder Lernspiele. Publisher Rondomedia versucht nun, den Handheld in einen E-Book-Reader zu verwandeln. Mit 200 klassische Bücher wird der DS zur umfangreichen Bibliothek mit Meisterwerken der Weltliteratur. Wir haben für euch getestet, ob die Hosentaschen-Konsole dieser Aufgabe gewachsen ist.
Altes neu verpackt
Das Prinzip von
200 klassische Bücher ist ebenso einfach wie genial: 200 der größten literarischen Werke werden auf eine kleine DS-Karte gepackt und so über ein das Medium einer neuen Zielgruppe zugänglich gemacht. Hierbei soll den Käufern klassische Literatur näher gebracht werden, während sie möglichst viele Bücher überall mit hinnehmen können. Der Vorteil ist ganz klar: Die Konsole und das Spiel haben kaum Gewicht und der Preis der über 200 Werke in Buchform würde den des Spiels bei weitem übersteigen. Bevor ihr losschmökern könnt, muss der DS um 90 Grad gedreht werden, so dass sich das Steuerkreuz unten rechts befindet. Nun haltet ihr den Handheld ähnlich wie ein Taschenbuch. Beim Start des Moduls erscheint ein Hauptmenü, in dem alle Bücher angezeigt werden. Ihr könnt sie nach Genre, Autoren, Stichwörtern oder auch alphabetisch sortieren lassen, und findet dadurch sehr leicht das gesuchte Buch. Nach nur wenigen Klicks gelangt ihr zum Cover, welches dem Original entspricht. Einmal umblättern und schon könnt ihr mit dem Lesen beginnen.
Minimal-Menü und authentische Sounds
Die Entwickler haben scheinbar ganz bewusst auf überflüssige Elemente verzichtet. Lediglich die Menüs sind geringfügig optisch aufgebessert, und jedes Buch hat ein eigenes Cover erhalten. Auch der Sound beschränkt sich auf das Geräusch, das entsteht, wenn man eine Seite umblättert. Doch auch das könnt ihr problemlos ausschalten. Dieses Minimalprinzip ist allerdings für
200 klassische Bücher keineswegs negativ, da sowohl Musik als auch übermäßig viele Animationen beim Lesen nur stören würden. Ihr könnt euch also problemlos auf die einzelnen Werke stürzen, ohne von unnötigen Extras abgelenkt zu werden.
Lesefreude auf dem Handheld
Nachdem ihr euer erstes Buch in
200 klassische Bücher aufgeschlagen habt, kann das Lesen beginnen. Obwohl man die Schriftgröße leicht verändern kann, passen allerdings nicht sonderlich viele Wörter auf eine „Doppelseite“, sprich auf den linken und rechten Bildschirm des DS. Dies führt dazu, dass ihr sehr häufig weiterblättern müsst. Dafür habt ihr zwei Möglichkeiten: Entweder ihr zieht mit dem Finger oder dem Touchpen von rechts nach links, was dem Umblättern einer „echten“ Seite entsprechen soll, oder ihr drückt das Steuerkreuz einfach in die entsprechende Richtung. Die erste Variante bringt euch einem „echtes Buch“-Feeling zwar näher, allerdings ist dies auf Dauer auch sehr nervenaufreibend. Der Klick mit dem Steuerkreuz ist da schon einfacher und schneller.
Was allerdings erwähnt werden muss, ist die Tatsache, dass das Lesen auf dem Bildschirm viel anstrengender ist, als in einem echten Buch. Bei teuren E-Book-Readern versucht man, ein stabiles Bild zu erzeugen, um die Augen zu schonen. Der DS besitzt diese Funktion nicht, da er schließlich nicht für diesen Zweck konstruiert worden ist. Das Bild flackert daher unmerklich und strengt die Augen deutlich mehr an. Hinzugefügt gehört allerdings, dass ich zwei Stunden ohne Probleme auf dem DS lesen konnte. Ich habe zwar gemerkt, dass es die Augen mehr anstrengt als ein richtiges Buch, doch es war nicht so störend, dass ich nicht mehr weiter lesen konnte. Diese Anstrengung der Augen ist also relativ und wirkt sich wohl bei jedem anders aus.
Die Auswahl an Werken allerdings ist grandios: Goethes Faust I + II, Shakespears Romeo und Julia, Effi Briest, Kabale und Liebe, Nathan der Weise, Macbeth, Der Schimmelreiter, Alice im Wunderland, Huckleberry Finn, In 80 Tagen um die Welt und noch viele mehr. Eine komplette Aufzählung würde den Rahmen des Reviews natürlich sprengen, aber ihr könnt die komplette Liste der Werke in unserem
»Forum nachlesen.
Vorteile und Nachteile
Den Wert eines echten Buches kann die DS-Version von
200 klassische Bücher natürlich nicht ersetzen. Allerdings besitzt das Modul einige sehr nützliche Funktionen, die ein reales Buch nicht bieten kann. Hier ist als erstes die automatische Lesezeichensetzung zu nennen. Egal, wann man die Konsole ausschaltet oder der Akku den Geist aufgibt, speichert das Spiel die zuletzt aufgeschlagene Seite. Beim nächsten Start könnt ihr problemlos über den Menüpunk „Weiterlesen“ die letzten gelesenen Bücher aufrufen und landet auf exakt der Seite, die ihr als letztes aufgeschlagen hattet. Darüber hinaus könnt ihr an besonderen Stellen, die euch wichtig erscheinen oder besonders gut gefallen, selbst Lesezeichen setzen, um direkt dorthin gelangen zu können. Auch könnt ihr über das Menü zu einer bestimmten Seite springen oder ein gewünschtes Kapitel aufschlagen. Das Hin- und Herspringen im Buch selbst stellt also keinerlei Probleme dar.
Im rechten unteren Teil des Bildschirms wird darüber hinaus noch die Seitenzahl eingeblendet, auf der ihr euch gerade befindet. Wenn ihr wollte, könnt ihr auch die Gesamtseitenzahl dazu zeigen lassen (in Form von beispielsweise 229/1783). Dadurch wisst ihr immer, wie viele Seiten noch vor euch liegen, und wie viele ihr bereits hinter euch gelassen habt. Für das Lesen selbst zwar nicht von Bedeutung, aber dennoch eine nette Zusatzinformation, auf die man hin und wieder einen Blick werfen kann.