Während sich jetzt sogar das ZDF Gedanken macht, ob man mit den neuen Fitness-Games tatsächlich abnehmen kann, merkt man deutlich, dass das Hobby Videospiele in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Dank Wii, Sims 3 oder Xbox Live hat man nun auch Zielgruppen erobert, die früher nicht einmal daran gedacht haben, mit Joypad oder Maus in der Hand ihre Freizeit zu gestalten.
Videospiele auf dem Vormarsch?
Doch es gibt auch Schattenseiten des Erfolgs. So sieht man sich heute einer nicht aufhören wollenden Software-Schwemme gegenüber, in der die meisten Titel im Mittelmaß versinken oder es sich um eine lieblose Erweiterung des Vorgängers handelt. Das geht alles auf Kosten der Ur-Zielgruppe, die sich gern auch ohne Internet-Anbindung und hastig dahin geschluderten Add-Ons abendfüllend um ihre
Rollenspiel-Party oder den Truppenaufbau kümmern möchten.
Spiel alter Schule
Umso erfreulicher ist es, dass ich mit
Zarah – Das Schloss des Gwoor ein Spiel alter Schule in den Händen halte. Nein, es ist jetzt kein
StarCraft,
Diablo 2 oder auch
Final Fantasy 7. Aber die Zielgruppe ist mit kaufwilligen Eltern oder Mädchen im Grundschulalter schnell definiert, die hier mit einer retro-romantischen Draufsicht in der Vogelperspektive unterhalten werden. Eine nette Umschreibung für veraltete Grafik, nicht wahr? Ja, zugegeben. Die Technik ist nicht auf Augenhöhe mit der heutigen Zeit, aber das ist einem Kind, dessen Alter man an zwei Händen abzählen kann, mangels Vergleichsmöglichkeiten auch völlig egal. Hier kann vielmehr mit der Geschichte gepunktet werden, in der es um Einhörner, Magie und - um einen Spannungsbogen zu genieren - um das abzuwendende drohende Böse in Form von Gwoor geht. Und nein, es handelt sich dabei nicht um eine neue Art der Schweinegrippe.
Zarah – A Link to the Past
Und da das kleine Mädchen noch nie ein Super NES, geschweige denn
Zelda gespielt hat, erkennt es nicht, von welchem damaligen Überhammer man hier erfolgreich abgeschrieben hat. Muss es ja auch nicht, schließlich will ich ihr nicht den Spielspaß verderben. Und schließlich hat man ein paar frische Gameplay-Elemente wie das Reiten auf den bedrohten Einhörnern und die ganz nett gezeichneten Zwischensequenzen dem bewährten Spielprinzip des Klassikers untergemischt. Gelegentlich kommt dabei sogar der Stylus zum Einsatz, der allerdings mit seiner Verwendung eher gekünstelt dazu gezaubert wirkt. Aber es geht hier vielmehr um die strahlenden Kinderaugen, wenn die Kleine aus dem Nichts eine Brücke zu zaubern glaubt.
Deja Vu
Ein wenig musste ich dann doch schmunzeln, wenn es dann zu den Kämpfen mit dem in den Dungeons verstreuten Gegnern kam. Hat man sich hier bei
Final Fantasy bedient? Also wenn ihr nichts sagt, ich werde es keinem verraten. Erleichternd jedenfalls ist die Übersichtskarte, die euch auf dem oberen Bildschirm der beiden DS-Screens stets den Weg weist. Alles in allem ein gelungenes Spiel für die Zielgruppe der kleinen Mädchen, wo die Eltern beim Kauf für den Gabentisch zum Geburtstag des Nachwuchs keinen Fehler begehen. Oder wie ich es nenne: Der erste Kontakt und leichte Einstieg in das Genre der Action-Adventure mit Rollenspiel-Einschlag.