Die Pokémon-Serie ist seit den ersten beiden Editionen ein echter Dauerbrennen. Jede neue Version des Gameboys bekommt zwei Editionen und wenig später wird eine weitere hinterhergeschoben - von Spin-Offs ganz zu schweigen. Trotz oftmals geringfügiger Änderungen sind die Spiele stets aufs Neue ein Erfolg und so darf sich die Fangemeinde über die dritte Edition für den Nintendo DS freuen. Was sich bei Platin gegenüber Diamant und Perl geändert hat, und ob die Taschenmonsterjagd immer noch unterhalten kann, erfahrt ihr in unserem Review.
Crashkurs für Neutrainer
Für die, die tatsächlich noch gar keinen Kontakt mit der Serie hatten, folgt nun eine kurze Beschreibung des Gameplays, die auf alle Editionen von
Pokémon zutrifft. Ihr seid ein Trainer, der vorhat, es bis ganz nach oben zu schaffen. Zu diesem Zweck fangt ihr euch möglichst viele der namensgebenden Pokémon. Die lassen sich durch rundenbasierte Kämpfe trainieren, werden stärker, lernen effektivere Attacken und entwickeln sich zu stärkeren Formen weiter. Um in einem Kampf die Nase vorn zu haben, solltet ihr jedoch möglichst viele unterschiedliche Pokémon dabeihaben, da die Elementklassen eine wichtige Rolle spielen. Das beste Beispiel stellen die Elemente der drei Anfangspokémon dar: Feuer schlägt Pflanze, Pflanze schlägt Wasser und Wasser schlägt Feuer. Spätestens in den Arenen, deren Leiter ihr besiegen müsst, um im Spiel voranzukommen, lohnt es sich, solche Beziehungen zu seinem Vorteil zu nutzen, da alle Trainer sich auf einen bestimmten Pokémontyp konzentrieren. Wer die 30 bis 40 Stunden lange Story abgeschlossen hat, kann dann noch versuchen, alle Pokémon zu fangen. Waren es bei den ersten Editionen noch 150 (bzw. 151 mit Mew), gibt es bei den aktuellen Spielen schon 493 der Kreaturen, die eure Poébälle gerne von innen begutachten würden.
Alles beim Alten
Eine große Überaschung ist es nicht, dass
Pokémon Platin sich genau so spielt wie auch
Diamant und
Perl. Ihr werdet wieder in der gleichen Welt umherziehen, die gleichen Leute treffen und die gleichen Aufgaben bewältigen. Wer bereits ein
Pokémon-Spiel für den DS durchgespielt hat (zu dieser Gruppe von Menschen gehöre auch ich), der wird sich stellenweise - obwohl das Spiel definitiv Spaß macht - einfach nur langweilen. Ihr habt eigentlich alles schon einmal gesehen, wirkliche Variationen kommen erst, je weiter ihr im Spiel fortschreitet.
Kleine Veränderungen
Die erste Neuerung sieht man gleich an der Vorderseite der Packung. Statt mit Palkia oder Dialga konfrontiert euch die Story mit Giratina, dem legendären Pokémon dieser Edition. In der Welt von Sinnoh ist es außerdem kälter geworden, wobei diese Neuerung nicht konsequent umgesetzt wurde. Lediglich ein paar Bäume um euer Heimatdorf sind verschneit und der Protagonist (auch ein Mädchen kann ausgewählt werden) trägt dickere Klamotten. Der Rest der Welt bleibt unverändert und so gehen die Röcke der Gören knapp über die Hüfte, während ihr in dicker Jacke rumlauft.
Die größte Änderung erwartet euch, nachdem ihr 20 bis 25 Stunden nochmal das Gleiche gemacht habt wie in
Diamant oder
Perl. Hier führt euch die Geschichte in eine Zerrwelt, über deren genaue Hintergründe nicht zu viel verraten werden sollte. In dieser Zerrwelt treten jedoch die Naturgesetze außer Kraft. Ihr lauft an Decken und Wänden oder schwimmt einen Wasserfall hinauf. Der einzige 3D-Abschnitt des Spiels will sich aber nicht so recht einfügen. Das erste Hindernis ist grafischer Natur. Die Umgebung ist dreidimensional und dreht sich, während der frei benennbare Held eine zweidimensionale Pixelfigur ist, deren Sprites so gemacht sind, als würde man die Figur leicht von oben betrachten. Diese Kombination passt nicht wirklich und führt zu eigenartigen Bildern. Ein anderer Faktor ist, dass sich der Abschnitt mit Schieberätseln und Erkundungstour stark vom
Pokémon-Gameplay unterscheidet, was auch dadurch unterstrichen wird, dass es bis zum Ende keinen Kampf mit wilden Pokémon oder Trainern gibt.
Wesentlich unproblematischer sind die Veränderungen im Online-Bereich. Ihr könnt nicht nur über das Internet tauschen (was nötig ist, da sich nicht alle Pokémon in einer Edition fangen lassen) und kämpfen, sondern euch auch in der WiFi-Plaza aufhalten. Dort gibt es dann diverse Minispiele und die Spieler können zusammen malen. Interessanter ist der Kampfrekorder, mit dem sich Onlinekämpfe aufnehmen lassen. Die gespeicherten Daten lassen sich auch tauschen, so dass man ein wenig das Verhalten anderer Spieler studieren kann. Auch einige Arenen (sowie deren Reihenfolge) wurden überarbeitet, so dass ihr neue Rätsel lösen müsst.
Veralterte Technik
Pokémon Diamant und
Perl wurden vor fast drei Jahren in Japan veröffentlicht und die Technik war schon damals nicht die aktuellste.
Pokémon Platin baut nun auf der selben Engine auf und das Ergebnis sieht entsprechend aus. Die Welt hat dezente 3D-Effekte, die Sprites aller Menschen und Pokémon sind jedoch zweidimensional. Auch die Darstellung der Kämpfe ist überholt. Die Figuren stehen die ganze Zeit still und Attacken wie der Eisstrahl entstehen unabhängig vom Pokémon an der selben Stelle. So kommt der Angriff mal aus dem Bauch, mal aus der Stirn und es wird vollkommen ignoriert, wie das Pokémon beispielsweise in der Serie angreifen würde. Auch die Dudelmelodien sind noch teilweise aus dem ersten Teil bekannt und reißen wirklich niemanden vom Hocker. Um es auf den Punkt zu bringen: Die gesamte Technik ist nicht mehr aktuell.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
