Manche Spiele umgibt ein gewisser Mythos. So z.B. "Chrono Trigger": Es gilt als eines der besten Spiele, obwohl es hierzulande nur wenige überhaupt kennen, geschweige denn gespielt haben. Veröffentlicht wurde es 1995 von Squaresoft für das Super Nintendo - leider niemals in Europa. Auch als das Spiel zusammen mit "Final Fantasy IV" als "Final Fantasy Chronicles" auf der PlayStation erschien, schaffte es den Weg zu uns nicht. Doch nun endlich hat SquareEnix ein Einsehen - die DS-Adaption setzt Kurs auf Europa! Wir haben uns durch die Zeiten geschlagen...
Ungeplante Reise durch die Zeit
Wenn man morgens aufwacht, rechnet man kaum damit, nur wenige Minuten später durch die Zeit zu reisen. Nun, genau das passiert Crono jedoch. Ausgangspunkt seiner Reise ist das Jahr 1000 nach Christus. Auf einem Jahrmarkt will er eine Freundin, die geniale Tüftlerin Lucca, besuchen. Sie stellt dort ihre neueste Erfindung vor. Auf dem Weg dorthin lernt Crono durch Zufall die reizende Marle kennen. Luccas Erfindung entpuppt sich als ein Teleportations-System - in die eine Kapsel rein, aus der anderen raus. Nachdem es von Crono erfolgreich getestet wurde, will auch Marle das Gerät ausprobieren. Aber die Energie reagiert auf ihr Amulett und es entsteht vor den Augen der Zuschauer ein Loch, und Marle verschwindet. Zurück bleibt nur ihr Halsschmuck. Klar, dass Crono nicht lange zögert, um ihr hinterher zu reisen.
Gehört ihr zu den wenigen, die "Chrono Trigger" bereits auf dem SNES gezockt haben, werdet ihr euch sehr schnell heimisch fühlen - anders als andere Neuauflagen wurde "Chrono Trigger" weitestgehend unberührt gelassen. Auf den ersten Blick fällt sicherlich der Wechsel der Schriftart auf, aber schon nach wenigen Sätzen wird klar: Auch die Texte wurden leicht verändert. Vermutlich, um näher am japanischen Original zu sein. Mitunter verändert dies das Wesen der Charaktere ein wenig - so bei Frog, dessen Alt-Englisch komplett verschwunden ist. Auch einige Items haben neue Namen erhalten. Im späteren Verlauf werden euch dann weitere Änderungen auffallen, wie z.B. neue Dungeons sowie ein komplett neues Ende. Auch die aus der PlayStation-Version bekannten Extras sind dabei: Liste der Bestien, Anime-Zwischensequenzen (leider nur 10 Stück) oder eine Musicbox zum Abspielen aller Songs aus dem Spiel. Zudem gibt es neben zwei neuen Arealen noch eine Arena, in der ihr ein Monster trainieren und mit diesem an Kämpfen teilnehmen dürft. Wirkliche Spannung kommt dabei allerdings nicht auf, eine Weile unterhält es aber dennoch. Dafür könnt ihr euer trainiertes Biest aber via Wireless-Verbindung gegen die Kreaturen eurer Freunde antreten lassen. Das interessanteste Extra jedoch ist ein komplett neues vierzehnte Ending, das die Überleitung zum Nachfolger "Chrono Cross" darstellt.
(Fast) perfektes Kampfsystem
Im Kern ist "Chrono Trigger" ein typisches Konsolen-Rollenspiel. Crono und seine Welt werden mit 2D-Sprites aus einer leicht gekippten Draufsicht präsentiert. Zusätzlich zur Standard-Kampfsteuerung, die stark an die vom SNES angelehnt ist, bietet euch das Spiel auch die Möglichkeit einer an den DS angepassten Bedienung. Hier werden die wichtigsten Anzeigen des Spiels auf den unteren Bildschirm verlagert. Das schafft auf dem oberen Screen ein wenig Platz.
Crono (der jetzt auch Chrono heissen darf) und seine Freunde reisen dabei mehrfach durch die Zeit - von grauer Vorzeit bis in die weit entfernte Zukunft. Anfangs sind Zeitreisen nur an bestimmten Stellen möglich, später bekommt ihr jedoch eine Zeitmaschine - die "Epoch". In allen Zeiten bewegt ihr euch über eine Weltkarte. Gekämpft wird ausschliesslich in den Gebieten und Dungeons. Eure Gegner sind grundsätzlich sichtbar, Zufallskämpfe gibt es daher nicht. In "Chrono Trigger" kommt das von anderen Square-Rollenspielen bekannte ATB-Kampfsystem zum Einsatz. Eure Charaktere können im Kampf mit ihrer jeweiligen Waffe angreifen, Techniken einsetzen (hierzu zählt später auch Magie) oder Items aus dem Inventar, wie Heiltränke, benutzen.
Die richtige Technik zum Sieg
Eine Besonderheit sind vor allem die Techniken: Es gibt zum einen die normalen Techniken, die euer Charakter ausführt. Bei Crono beispielsweise ein Wirbelschlag. Zum anderen erlernen eure Recken im weiteren Verlauf aber auch Kombinationstechniken. Hierzu verbinden zwei Charaktere ihre Kräfte zu einer noch mächtigeren Attacke. Auch Triple-Techs, also die Kombination der Kräfte aller drei Party-Mitglieder, werden später möglich! Damit wären wir auch schon bei der Aufstellung der Party: Im Laufe des Spieles gesellen sich immer mehr neue Freunde zu eurer Gruppe - ihr müsst euch dann eine Party aus drei Charakteren zusammenstellen. Zum Aufenthalt des Rests eurer Gruppe wollen wir an dieser Stelle nichts verraten, denn anders als in anderen Rollenspielen hat "Chrono Trigger" nämlich tatsächlich eine (mehr oder weniger) logische Erklärung, warum ihr nur mit maximal drei Leuten unterwegs sein könnt.
Zum Test hatten wir die US-Fassung vorliegen, welche in Englisch daherkommt. Daran hat sich auch in der deutschen Fassung, wie zu erwarten gewesen war, nichts geändert. Es gibt lediglich eine deutsche Anleitung, die Bildschirmtexte bleiben englischsprachig. Das ist für Spieler, die des Englischen nicht so mächtig sind, sehr schade. Aber dafür wird wenigstens nicht riskiert, Fans mit einer verhunzten deutschen Übersetzung zu verärgern. An dieser Stelle sei mir die kleine Spitze erlaubt: Das hat man mit der englischen Neu-Übersetzung ja bereits geschafft. Es ist einfach unbegreiflich, wie man Frogs charakteristisches Alt-Englisch einfach streichen konnte. Dennoch sind das nur kleine Minuspunkte, die den Spaß am Spiel vor allem jenen, die Chronos Abenteuer noch nicht erleben durften, kaum vermiesen dürften.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
