In einer Actionspiel-dominierten Welt gibt es ein Genre, dass einfach nicht totzukriegen ist: das Strategiespiel. Und das zu Recht, denn Spiele wie "Anno", "Warcraft", "Starcraft" oder "Age of Empires" haben so gut wie jeden Zocker auf seinem Werdegang begleitet. "Age of Empires" ist dann auch genau unser Thema, denn nachdem der erste Nintendo DS Titel "»Age of Empires: The Age of Kings" nicht nur die Fans, sondern auch uns vor zwei Jahren überzeugte, konnten wir es kaum erwarten, den neuesten DS-Ableger "Mythologies" in die Hände zu bekommen. Kann die geballte Macht der ägyptischen, griechischen und Wikinger-Götter es mit der GameRadio-Redaktion aufnehmen? Dies und mehr, erfahrt ihr in unserem Review
Bloß nicht den Zorn der Götter wecken
Wie der Name "Mythologies" schon verrät, geht es im neuesten "Age of Empires"-Teil für den DS um alte Mythologien rund um die Mehrgötterei der Ägypter, der Griechen und der Wikinger. Dabei wird natürlich bewusst auf Realität verzichtet, was bedeutet, dass die besagten Götter euch aktiv im Kampf unterstützen. Storytechnisch unterlegt wird das ganze dabei von drei umfangreichen Kampagnen, jeweils eine für jede Kultur. So kämpft ihr in der ersten Kampagne, der der Ägypter, im Namen des Sonnengottes Ra gegen den bösen Gott Seth. Die nötigen Informationen, wie z.B. die Stärke eurer Einheit im Vergleich zu der eures Gegners, wird im obigen Bildschirm des Nintendo DS angezeigt. Dies sorgt zum einen für einen guten Überblick, zum anderen wird der sowieso schon faire Schwierigkeitsgrad damit noch entlastet. Denn trotz fairem Anstieg wird das Spiel mit zunehmender Spieldauer zu einer harten Nuss.
Mit jeweils acht Missionen pro Kampagne ist der Singleplayer-Umfang ausreichend ausgestattet, der wahre Spaß wartet sowieso im Scharmützel-Modus oder im Multiplayer.
Im Einzelspieler-Modus ist es euch zu jeder Zeit möglich, abzuspeichern, da es sich wie schon bei "The Age of Kings" um ein rundenbasiertes Strategiespiel handelt. Dies tut dem Spass jedoch keinen Abbruch, denn umso taktischer muss man an das Spielgeschehen heran gehen, denn wer will schon zusehen wie eine eigene ungeschützte Einheit im gegnerischen Zug hilfslos vernichtet wird. Die Züge selbst werden in Tagen angegeben, ihr bildet also neue Einheiten aus, zieht mit Einheiten voran oder greift eure Gegner an. Jedes Gebäude und jede Einheit hat pro Tag eine einsetzbare Aktion. Speichert ihr ab, fährt das Spiel beim nächsten Mal beim aktuell erreichten Tag fort.
Neben der Kampagne gibt es auch noch den Szenario Modus, hier gibt es 18 verschiedene Maps, auf denen es unter verschiedenen Bedingungen zu gewinnen gilt. Wie oben bereits angedeutet, ist es jedoch das Scharmützel, in dem mächtig viel Potential liegt. Denn oft ist es so, dass man einfach mal ein Gefecht startet und dann unzählig viele Stunden in einer einzigen, spannenden Schlacht verbringt.
Der letzte Funken Göttlichkeit wird dann durch die besonderen Fähigkeiten der Götter bewirkt. So ist es euch nach genügend Bau und Forschung möglich, in die nächste Technologiestufe aufzusteigen. Ist dies gelungen, gesellt sich ein weiterer Gott eures Volkes dazu. Diese Götter haben dann Speziellfähigkeiten, wie z.B. eine Heldeneinheit zu verstärken, die Nahrungsmittelproduktion zu erhöhen bzw. die des Gegners zu verringern oder Flächenschaden auf dem Gebiet des Gegners zu verursachen. Dabei erinnert "Age of Empires" sehr an EAs "Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde", wo es auch möglich war, besondere Fähigkeiten einzusetzen um Einheiten zu verstärken, Erdbeben auszulösen, Ressourcen zu erhöhen oder einfach mal einen Balrog auf der Map erscheinen zu lassen.
Polytheismus = Polyspielspaß
Wenn die kleinen Einheiten in "AoE" zu mehreren Göttern greifen dürfen, dann dürft ihr natürlich auch zu mehreren Spielern greifen. Selten war ein Multiplayer so gut und ausgereift wie er es in "Age of Empires: Mythologyies". Egal ob ihr online gegen Freunde und Feinde weltweit antretet oder ein DS-Download-Spiel startet und mit einem einzigen Modul ein Scharmützel startet: Dieses Spiel entpuppt sich schnell als Multiplayer-Hit. Ebenso gibt es den Hot-Seat-Modus, mit dem bis zu vier Spieler an einem einzigen Nintendo DS spielen dürfen. Dieser wird dann einfach brüderlich nach jedem Zug an den nächsten Spieler weitergerecht.
Es scheint also, dass man im Hause Griptonite viel Wert darauf gelegt hat, dass der Spieler keinen Motivationsverlust erleidet. Um auf Nummer sicher zu gehen, findet sich auch in "Mythologies" das bekannte Erfolgssystem wieder. Dieses reicht von simplen Aufgaben wie „Greife eine feindliche Einheit mit einem Bauarbeiter an“ bis hin zu „Töte einen gegnerischen Helden dreimal in einer einzigen Schlacht“. Wirklich schwer ist dabei jedoch keiner der Erfolge und Sammler werden voll und ganz auf ihre Kosten kommen.
Springt der (Götter-)Funke über?
Definitiv: Ja! Entwickler Griptonite hat es geschafft, das Maximum aus dem Nintendo DS herauszuholen. Ein ordentlicher, thematisch passender Soundtrack, klare Grafiken, 3D-animierte Kampfsequenzen und sogar Ansätze einer Sprachausgabe sind vorhanden. "Age of Empires: Mythologies" ist mehr als ein simples Remake von "Age of Mythologies", es ist ein ausgefeiltes Hosentaschen-Epos, dass nicht nur die Stärken von "Age of Empires: The Age of Kings" beibehält, sondern gleichzeitig dessen Schwächen ausmerzt und zu guter letzt sogar dem Wunsch der Fanbase - nämlich nach einem ausgearbeiteten Multiplayer Modus - nachkommt.
Strategiespiele mögen in unserer Zeit - wo es primär doch eher krachen muss, Entwickler mit perfekten Physik-Engines prahlen und die Grafik immer realistischer wird - zwar nicht mehr jedermanns Sache sein. Vor allem dann nicht, wenn es sich um rundenbasierte Strategiespiele handelt, denn hier wird wirklich einiges an Geduld und Taktik vom Spieler gefordert. Viel actionreiches Gameplay mit innovativer Abwechslung darf man also nicht erwarten. Dafür bekommen Fans des Genres eine perfekte Steuerung (wahlweise mit den DS Buttons oder dem Stylus), einen mehr als ordentlichen Umfang, eine thematisch super umgesetzte Inszenierung und einen richtigen Onlinemodus geboten.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
