Während Microsoft und Sony mit ihrer Hardware immer mehr um die Gunst des Hardcore-Zockers wetteifern, konzentriert sich Nintendo per Stylus und Wii-Mote lieber auf ganz andere Zielgruppen und fesselt so auch Kinder und Frauen, die mit der Fingerakrobatik am klassischen Joypad seither nicht viel anfangen konnten, dank neuer Eingabemöglichkeiten an die Konsole. Damit sich aber auch die Eltern mit dem Zeitvertreib des eigenen Nachwuchses anfreunden können, gibt es seit einiger Zeit Lernsoftware rund um den Grundschulalltag für den Nintendo DS. Soll es mal nicht so praxisnah sein, dann lernt man per Tierpflege-Simulation Werte wie Nächstenliebe und Fürsorglichkeit. Und genau in diese Kerbe stößt Ubisoft mit „Einsatz Erde – Die Tierretter“. Um herauszufinden, ob das Unterfangen Rettung der Erde auch wirklich Spaß macht, haben wir kein Tier-Baby unverarztet gelassen und es für euch herausgefunden.
Pimp your Life DS
Nachdem wir per Kochkurs unser Mittagessen zubereitet und unser Gehirn genügend trainiert haben, müssen wir jetzt also den DS an unsere Kinder abtreten, die mit Nintendos Handheld ebenfalls zu guten Menschen herangebildet werden möchten. Jedenfalls ist das der Grundgedanke der Mutter, die sich wegen des Gehirnjoggings samt Sudoku-Funktion den DS angeschafft hat. Und da bei „Einsatz Erde – Die Tierretter“ sogar das WWF-Symbol auf der Packung prangt, kann es ja kein „Killerspiel“ sein, denn hier geht es allerhöchstens um Killerwale.
Man lernt für sich, nicht für die Schule
Wir hingegen, schlüpfen hier mal in die Rolle des Nachwuchses, der nur den reinen Spielspaß im Sinn hat, da für ihn die Worte „pädagogisch wertvoll“ nur eine Ansammlung von vielen Buchstaben sind. So machen wir uns fortan als Tierarzt, dem personifizierten Kindheitstraum, mit dem Segen des WWF daran, dem Weltfrieden durch das Heilen von kleinen Tieren ein Stückchen näher zu kommen. Schnell fiel uns aber im Langzeittest mit Kindern unter 10 Jahren auf, dass die Menüs nicht so intuitiv gestaltet sind wie sie sein sollten. Klar, uns als Gewohnheits-Zocker war sofort klar, welches Symbol wir mit dem Stylus berühren müssen, allerdings stellte das Spiel den Gamer-Nachwuchs vor das eine oder andere Rätsel. Man hätte hier lieber die Buttons beschriften sollen, da Kinder oftmals noch lernen müssen, was die Aussage eines grünen Hakens und eines roten Kreuzes ist. Ich weiß jedenfalls noch wie mir meine Eltern mit dem Ampelmännchen in den Ohren lagen, um mir dessen Bedeutung einzubläuen.
Thema verfehlt - Setzen, Sechs
Dabei haben sich die Entwickler alle Mühe gegeben, den Spielablauf so einfach wie möglich zu halten. Leider wurde dabei schonungslos fast alles von „Sophies Freunde – Die Tierarztpraxis“ abgekupfert. Wäre ich Lehrer müsste ich also Publisher Ubisoft zum Elterngespräch bestellen und ihm schonend beibringen, dass das Entwicklerstudio gerne ganze Klausuren abschreibt. Gleichzeitig gäbe es einen Eintrag in die Schulakte, weil das Cover des Spiels uns zwar exotische Tierarten suggeriert, ich aber im Endeffekt doch eher Hunde und Katze gesund pflege.
Nichts desto trotz ist „Einsatz Erde – Die Tierretter“ kein Fehlkauf, da wie schon beim augenscheinlichen Vorbild alle Funktionen des DS genutzt werden. So bürsten wir die Katze der besorgten Oma erstmal per Stylus gründlich durch, um dann anschließend ins Mikrofon zu blasen. Nun verwenden wir den DS-Stift als Pinzette und ziehen die umherspringenden Flöhe aus dem Fell heraus. Danach das Tier kurz einseifen, abspritzen und die Oma ist glücklich. Anschließend horchen wir den Hund einer anderen Tierhalterin ab, messen die Temperatur und so weiter. Dabei geschehen alle Aktionen innerhalb eines Zeitlimits, das allerdings sehr moderat ist und niemanden vor eine Herausforderung stellen wird. Auch während ich diesen Artikel schreibe, schaffe ich es nebenbei ein Kaninchen gesund zu pflegen. Also absolut kinderfreundlich und nicht wie damals bei den Schlümpfen für Super Nintendo und Game Boy, wo auch Hardcore-Zocker wegen des beinharten Schwierigkeitsgrades in den Controller bissen.