Gelingt einem Titel eine Innovation im Bereich der Videospiele, hat das zur Folge, dass bald eine Reihe von Nachahmern auf den Markt kommt. Im Fall von „Splinter Cell“ war das erfreulich, da sich Ubisoft von dem Erfolg von „Metal Gear Solid“ her zu Sam Fischers Schleichabenteuern hat bewegen lassen und die Reihe eine Bereicherung für das Genre darstellt. Bei „True Crime“ & Co. war die Titelschwemme allerdings überflüssig, da sie nur versuchten die Qualität des großen Bruders "GTA" zu erreichen, ohne dies je zu tun. Da musste schon „»GTA IV“ den Vorgänger vom Thron werfen.
We Love Tornado
Bei „Katamari Damacy“ ist das genauso, denn das Gameplay des exzentrischen Japano-Spiels für die Playstation 2 wurde mit "Tornado" einfach in ein familientaugliches Gewand für den Nintendo DS gezwängt. Statt wie gewohnt einen klebrigen Ball durch Großstädte zu rollen, seid ihr ein alles in seinen Bann ziehender Wirbelsturm. Denn schließlich schlüpft ihr in die Rolle von Toki, der als Leiter einer kosmischen Reinigungstruppe genau die Teile wieder beschaffen muss, die zuvor der Bösewicht und Schurke adliger Herkunft durch das schwarze Loch von der Erde hat verschwinden lassen. Wie schon das Vorbild beweist, bedarf es keiner zusammenhängenden Story, um Spaß beim Aufsammeln von Gegenständen zu haben. Jedoch sind die austauschbaren Charaktere eher kindgerecht, denn abgedreht.
DS Smash Brothers
Mit Stylus und Mikrophon bewaffnet machen wir uns also auf, unseren Wirbelsturm solange mit Gegenständen zu füttern, bis auch die größten Objekte im wahrsten Sinne des Wortes unsere anziehende Wirkung spüren. Dabei betrachten wir das Spielgeschehen aus der isometrischen Perspektive, wobei dieses Blickfeld besonders als großer Tornado schnell zu eng wird. Einige Versuche später haben wir uns aber trotzdem die gängigsten Orientierungspunkte eingeprägt, um schnell genug die notwendigen Items aufzusammeln. Leider funktionieren viele Level so, dass man nach einiger Zeit den DS frustriert bei Seite legt. Hier hat man leider erfolglos versucht, das Spiel per Trial-and-Error-Prinzip künstlich in die Länge zu ziehen, was auf Kosten des Spielflusses gegangen ist.
Viel Wind um Nichts
Während wir durch die Level hetzen, um schnell genug alles Notwendige aufzusammeln, muss natürlich unser Wirbelsturm am Drehen gehalten werden. So schrubben wir mit dem Stylus ständig in Kreisbewegungen über den DS, wobei man am besten eine Schutzfolie für die jüngeren Spieler anbringen sollten, sonst ist das empfindliche Feld an der Konsole schnell dahin.
Habt ihr euch die Level erstmal für den Arcade- und Versus-Modus freigeschaltet, könnt ihr das Spiel zwar immer noch mit eingeschränktem Sichtfeld und Zeitlimit genießen, aber seid zumindest die nervigen Zielsetzungen los.
Freizeitstress dank Zeitlimit
Am Ansatz, das Gameplay von „Katamari Damacy“ per Nintendo DS auch einem jüngeren Publikum zugänglich zu machen, gibt es nichts Verwerfliches. Warum man das allerdings mit einem nervigen Zeitlimit in Kombination mit einer zu niedrigen Perspektive, einem hohen Schwierigkeitsgrad und viel Stylus-Geschrubbe machen muss, bleibt unverständlich. Bereits für den ersten Level, in dem ihr in vier Minuten fünf Batterien finden sollt, werdet ihr wohl einige Versuche benötigen. Jüngere Spieler hatten während des Tests bereits vorher den Aus-Knopf des DS gedrückt. Und als Erwachsener muss man sich schon bei seiner Zocker-Ehre gepackt fühlen, um sich das zu geben.
Habe ich schon erwähnt, dass es keinen Retry-Button gibt, sondern das Spiel einfach neu startet? Schade eigentlich, weil ansonsten hätte „Tornado“ viele jüngere Zocker in seinen Bann gesogen. Hätte man nur nicht so sehr an der Schwierigkeits-Schraube gedreht und stattdessen mehr Zeit in die Präsentation der Geschichte investiert.