Es sieht einfach dämlich aus, wenn ein Mann mit einer Plastikgitarre mit fünf bunten Knöpfen vor dem Fernseher steht und so tut, als wäre er der coolste Rocker unter den Sternen. Aber es macht Spaß! Seit dem ersten "Guitar Hero" für PS2 bringt Activision mindestens einen neuen Teil pro Jahr auf den Markt. Und jeder neue Ableger wird von der Presse in den höchsten Tönen gelobt und von den Spielern in Massen gekauft. Mit "On Tour Decades" erscheint nun der zweite Teil für Nintendos DS, der natürlich nicht mit einer riesigen Gitarre verkauft wird - sondern mit dem Guitar Grip - und damit mit nur vier Tasten auskommen muss. Ihr wollt wissen, ob das Spiel auf Nintendos Handheld funktioniert? Dann lest unseren Test!
Altbekannt, aber immer noch gut.
Das Spielprinzip der Konsolenvorbilder bleibt natürlich größtenteils unverändert. Um einen Song zu spielen, müsst ihr die Noten, die aus dem Hintergrund auf euch zukommen, im perfekten Moment spielen, indem ihr die richtigen "Fret-Buttons" des Guitar Grip drückt und am Touchscreen anschlagt. Der DS wird wie bei "Dr. Kawashima" quer gehalten. Die Peripherie ist dabei sehr gut gelungen. Die Knöpfe des Guitar Grip, der in den Advance-Slot des DS gesteckt wird, sind gut zu erreichen, auch der Druckpunkt stimmt. Da der DS und der DS Lite unterschiedlich tiefe Adavance-Slots haben, gibt es einen aufschraubbaren Adapter für den DS. Diesen zu montieren, ist innerhalb weniger Minuten geschehen und wer die Wahl hat, sollte auch auf dem DS spielen, denn hier sitzt der Guitar Grip bombenfest. Beim DS Lite ist er leider etwas locker, was umso schlimmer ist, da das Spiel komplett abgebrochen wird, wenn er sich etwas herauslöst. Angeschlagen wird mit einem Plektron, das sich im Guitar Grip aufbewahren lässt. Das Strummen funktioniert bei langsamen Liedern noch sehr gut, ab einer gewissen Geschwindigkeit werdet ihr euch aber den Schalter der Plastikgitarren wünschen, denn exaktes Timing mit dem Plektron ist nur sehr schwer möglich. Die punkteverdoppelnde Starpower aktiviert ihr, indem ihr "GameRadio rockt" ins Mikro brüllt. Jedoch besagen einige Gerüchte, dass man auch einfach pusten kann...
Ansonsten werden sich Fans der Konsolenversion gleich heimisch fühlen, denn das Gameplay hat sich kaum verändert. Ihr könnt zwischen vier Schwierigkeitsgraden wählen, die sehr gut ausbalanciert sind, so dass sowohl Anfänger als auch Freaks ihren Spaß haben werden. Wenn ihr mehrere Noten hintereinander trefft, gibt es wieder den Punktemultiplikator und am Ende das bekannte Wertungsystem mit drei bis fünf Sternen.
Solistenspaß
Auch die bekannten Modi haben es ins Spiel geschafft, allerdings mit richtig sinnvollen Neuerungen. Fangen wir mit dem Karrieremodus, dem Herzstück des Einzelspielermodus an: Wie gehabt, spielt ihr auf bestimmten Bühnen Songs, bis ihr wahre Rocklegenden seid. In "Guitar Hero On Tour Decades" steht dem Namen entsprechend alles im Zeichen der Dekaden. So spielt ihr erst auf einer Bühne mit modernen Songs (ab 2007), dann kommen die Songs der früher 2000er Jahre und anschließend versucht ihr, euch an den Songs der 90er, 80er und 70er. Je nach Schwierigkeit und Bewertung gibt es unterschiedlich viel Geld, das ihr im Laden ausgeben könnt. Hier kauft ihr allerdings nur Outfits für die Charaktere. Gitarren und Lackierungen schaltet ihr frei, indem ihr bestimmte Bedingungen erfüllt, wie "Schließe alle Songs einer Bühne auf Mittel mit fünf Sternen ab!". Hier kommen wir auch schon zur nächsten Neuerungen, auf die wohl viele Spieler seit dem ersten Teil warten: Bisher musstet ihr, um alles freizuspielen, alle Schwierigkeitsgrade spielen, was für Profis ziemlich langweilig war. Wenn ihr jetzt einen Song auf "Mittel" oder schwerer schafft, habt ihr ihn automatisch mit der selben Bewertung auf den leichteren Schwierigkeitsgraden geschafft. Zusätzlich gibt es neben der Leadgitarrenkarriere die Möglichkeit, als Rhythmusgitarrist oder mit Gitarrenschlachten sein Geld zu verdienen.
Neben der Karriere können Einzelspieler ihre Songs auch im "Schnellen Spiel" oder im "Training" absolvieren. Ersteres heißt nur, dass ihr euch nur einen Song aussucht, ohne euch um Gitarristen oder Gitarre sorgen zu müssen. Letzteres ermöglicht euch, bestimmte Abschnitte zu üben. Leider kann man diese nicht wie in "Guitar Hero II" oder
»"Guitar Hero III" verlangsamt spielen.
Von Bands und Schlachten
Das coolste neue Feature ist allerdings im Mehrspielermodus zu finden. Ihr könnt euch nicht nur mit Besitzern von "Guitar Hero On Tour Decades" verbinden, sondern auch mit denen vom Vorgänger "Guitar Hero On Tour". Somit dürft ihr 54 Songs nachspielen. Nicht einmal Ladezeiten müssen in Kauf genommen werden. Und die weiteren On-Tour-Spiele, die zwar noch nicht konkret angekündigt wurden, jedoch in einem Nebensatz in einem Interview fielen, werden auch mit allen anderen kompatibel sein. Im Mehrspielermodus selbst gibt es vier Spielarten: Koop, Duell, Pro-Duell und Gitarrenschlacht. Im Koop-Modus bilden die beiden Spieler eine Band, wobei einer Lead- und einer Rhythmus- bzw. Bassgitarre spielt. Wer sich mit seinem Mitspieler messen will, wählt den Duellmodus, in dem jeder Teilnehmer ein paar Abschnitte des Lieds spielt, oder das Pro-Duell, bei dem die Bandmitglieder das Gleiche spielen. In der Gitarrenschlacht gibt es zusätzlich fiese Extrawaffen wie Verstärkerüberlastung, Saitenriss oder Autogrammforderungen von Fans. Wenn nicht gerade Pro-Duell gespielt wird, dürft ihr jeweils euren eigenen Schwierigkeitsgrad aussuchen, so dass auch Anfänger gegen Profis eine Chance haben.
Soundcheck
Was ist bei einem Musikspiel unglaublich wichtig? Erraten - die Musik. In "Guitar Hero On Tour Decades" gibt es insgesamt 28 Songs, die zwar ein wenig heruntergerechnet wurden, aber sich immer noch klasse anhören. An dieser Stelle empfehle ich die Benutzung von Köpfhörern, da der Bass über diese besser zur Geltung kommt. Zu sagen, die Tracklist wäre gelungen, ist natürlich schwer, da sich die Geschmäcker bekanntlich unterscheiden. Aber einige Hits wie "Sweet Home Alabama" oder "We Are The Champions" sind auf jeden Fall dabei (
»Songliste). Auch grafisch gibt es nichts zu meckern. Die drei Musiker auf der Bühne sehen sehr gut aus und sind auch ansehnlich animiert. Beim Publikum wurde etwas gespart, das ist nämlich ein zweifarbiger Pixelbrei, aber das muss wohl akzeptiert werden, da der DS nunmal keine so große Rechenleistung hat. Zusätzlich muss man noch anmerken, dass man bei "Guitar Hero" eigentlich eh nur auf die Noten achtet.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
