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THE WALKING DEAD - EPISODE 4: AROUND EVERY CORNER
 Test von Tobias Sickmann (13.10.2012) Artikel-Feed (RSS) abonnieren
Genre:Adventure Publisher:Telltale Games
Termin:10. Oktober 2012 Entwickler:Telltale Games

Das Zombie-Adventure aus dem Hause Telltale Games hat sich zu einem echten Hit entwickelt. Jetzt ist der vierte Teil von The Walking Dead erschienen, der die Geschichte um Lee Everett konsequent fortführt. So kurz vor dem Ende der Reihe stellt man sich natürlich die Frage: Ist Episode 4 mehr als nur ein Vorbote für das große Finale?

Achtung: Der Artikel enthält Spoiler zu den Geschehnissen in vorherigen Episoden. Das lässt sich, da wir auf diese Geschehnisse eingehen müssen, nicht gänzlich vermeiden.



Willkommen zur Selbsthilfegruppe

Die letzte Episode von The Walking Dead liegt etwa 6 Wochen zurück. Um das Langzeitgedächtnis aufzufrischen, blicken wir nochmal auf das Ende zurück. Über die Zugstrecke wollen Lee, Clementine und Co. nach Savannah gelangen. Der beste und leider auch einzige Plan der Gruppe besteht darin, dort am Hafen ein Boot zu finden. Clementine macht sich besonders große Hoffnung, da sie in der Stadt ihre Eltern vermutet. Hinzu kommt, dass ein Fremder über Walkie Talkie mit ihr in Kontakt stand und nun über Lee Bescheid weiß. Die Absichten und Identität des Fremden bleiben aber im Verborgenen.

Nach den Ereignissen der dritten Episode »Long Road Ahead ist die zusammengeschrumpfte Truppe Überlebender an einem moralischen Tiefpunkt angekommen. Die Ausgangssituation sieht auch alles andere als rosig aus. Ein Blick auf die restlichen Überlebenden genügt. Kenny, unser Begleiter der ersten Stunde, ist nach dem schweren Verlust seiner Familie ein gebrochener Mann. Anstatt sich seinen Emotionen zu stellen oder seiner Trauer Ausdruck zu verleihen, klammert er sich an den letzten Hoffnungsschimmer: Das Finden eines Bootes. Der junge Schüler Ben befindet sich auch nicht in einem stabilen Zustand, da er von Schuldgefühlen geplagt wird. Wir erfahren am Ende der letzten Episode, dass er der Verräter gewesen ist, der mit den Banditen in Verhandlungen stand. Damit war er für eine Reihe von Toden in der Gruppe verantwortlich. Christa und Omid sind die Neuzugänge in der Gruppe. Wegen Omids Beinverletzung wird das Team jedoch stark ausgebremst. Zu guter Letzt haben wir noch den Obdachlosen Chuck, dem man auch nicht ganz über den Weg trauen kann. Ein Dream-Team sieht sicher anders aus.


(Abandoned) Home Sweet (Abandoned) Home

Around Every Corner startet nicht mit einem so großen Knall wie seine Vorgänger. Das soll aber nicht bedeuten, dass ihr zu Beginn durchatmen könnt. Wir schlüpfen ein weiteres Mal in die Rolle von Lee und führen unsere Gruppe durch die verlassene Stadt Savannah, die optisch ein wenig an New Orleans erinnert. Die Straßen scheinen frei von Walkern zu sein, doch unsere Pechsträhne hält weiter an. Eine unbekannte Gestalt bedient den Glockenturm und lässt die Glocke läuten, was schnell ein Dutzend Untote in unsere Richtung lockt. Kurz zuvor wurden wir von einem Fremden über Walkie Talkie gewarnt, so schnell wie möglich von dort zu verschwinden. Egal wie hilfsbereit dieser Fremde war, der Gedanke heimlich beobachtet zu werden gibt uns kein Gefühl von Sicherheit. Da eine offene Konfrontation mit den Zombies ausgeschlossen ist, flüchtet sich der Trupp in ein leer stehendes Haus. Man kann also festhalten, dass unsere Situation von Anfang an aussichtslos ist. Der verletzte Omid muss unbedingt mit Medikamenten behandelt werden. Der Stalker beobachtet jeden Schritt von uns. Und die Suche nach einem funktionstüchtigen Boot gestaltet sich schwieriger als gedacht.

Was wäre eine Walking Dead-Episode, die nicht auf die tiefen Abgründe der Menschheit eingehen würde? Richtig, keine besonders gute. Aber zum Glück hält die Geschichte von Around Every Corner hier etwas bereit. Wir erfahren nach einiger Zeit von einem Sperrgebiet mitten in Savannah. Der verbarrikadierte Rückzugsort namens Crawford hält einige unangenehme Überraschungen parat, die wir als Spieler im Laufe der Episode herausfinden werden. Aufgespießte Zombies am Rand der Barrikade lassen zumindest nicht auf Gastfreundschaft hoffen. Aber auch in unserer Überlebensgruppe gibt es noch mehr als genug Zündstoff. Es werden wieder einige neue, interessante Charaktere eingeführt, die zusätzlich für für Konfliktpotential sorgen. Da wundert es fast nicht, dass das Pulverfass zum Ende der Episode zu explodieren droht. Das dramatische Finale ist genauso hervorragend gelungen wie in der Episode Starved for Death. Und das will was heißen.


Liebe deinen Nächsten

Über die Spielmechanik müssen nicht viele Worte verloren werden. Wie in den Vorgängern besteht das Spiel aus Dialogen, Adventure-Passagen und Quicktime-Events. Das Gameplay bleibt also unverändert und ist uns mittlerweile in Fleisch und Blut gegangen. Einzig der Actionanteil wurde ein wenig erhöht. Ihr müsst nun häufiger zur (Handfeuer-)Waffe greifen und angreifende Zombies aus der Ego-Perspektive niederschießen. Zu einem reinen Actionspiel verkommt die vierte Episode aber nie. Telltale Games sind mittlerweile geübt darin, den Spieler abwechselnd durch hitzige Kämpfe und ruhige Passagen zu schicken.

Die moralischen Entscheidungen bilden weiterhin den wichtigsten Part des Horror-Adventures. Dem Versprechen von Telltale Games, jedem Spieler ein komplett eigenes, selbstgemachtes Spielerlebnis zu bieten, standen wir nach dem Ende von Episode 3 etwas misstrauisch gegenüber. Schließlich hatten unsere Entscheidungen wenig Einfluss darauf, welche Charaktere am Ende überlebt haben oder nicht. Doch das Ende von Around Every Corner zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie wichtig unsere Entschlüsse wirklich sind, besonders in Bezug auf die Charakterverhältnisse zwischen Lee und seinen Mitstreitern. Wir müssen uns genau überlegen, auf wessen Seite wir sind, denn danach richtet sich der eingeschlagene Weg für die finale Episode. Eines darf an dieser Stelle verraten werden: Der fiese Cliffhanger zum Schluss wird euch noch ungeduldiger auf den letzten Teil No Time Left machen.

Technisch bewegt sich Episode 4 auf dem einem etwas besseren Niveau als die Vorgänger. Es treten kaum bis gar keine Bugs oder Grafikfehler auf. Die verwesten und verstümmelten Zombiemodelle sind auch wieder großartig geraten. Einzig die Animationen und Gesichtsausdrücke wirken noch ein wenig hölzern. Der Sound kann vollends überzeugen. Die (englischen) Synchronsprecher leisten wieder mal eine ausgezeichnete Arbeit. Außerdem werden spannungsgeladene Situationen mit der passenden musikalischen Begleitung untermalt, so dass unsere Pumpe selbst in zombiefreien Spielabschnitten schneller schlägt. Bei einem Umfang von knapp drei Stunden ist Around Every Corner der bis dato längste Teil der Walking Dead-Reihe.






Auch in der vierten Episode gibt sich Telltale keine Blöße. Wer erwartet hatte, dass Around Every Corner auf Schongang schaltet, um den fünften und letzten Teil einzuleiten, wird überrascht sein. Das Tempo zieht immer weiter an und findet in einem denkwürdigen Finale seinen Höhepunkt, welcher ausgezeichnet und nervenaufreibend inszeniert ist. Ich bin mir sicher, dass Fans auch beim vierten Teil mehr als genug unterhalten werden, denn hier liefern Telltale (mal wieder) ein absolutes Meisterstück ab. Die Wartezeit auf Episode 5 erscheint nun unerträglich.
89%
So testen wir >>

Die Gefahr lauert in der vierten Walking Dead-Episode tatsächlich hinter jeder Ecke. Neue Charaktere fügen sich nahtlos ein und unsere Entscheidungen aus den Vorgängern werden gegen Ende der Episode tatsächlich berücksichtigt. Wieder gilt es zahlreiche haarsträubend schwere Entscheidungen zu treffen. Der Spannungsbogen ist perfekt gelungen und lässt Erinnerungen an die grandiose zweite Episode wach werden. Schlussendlich erwartet uns ein Cliffhanger, der das Warten auf die letzte Episode nahezu unerträglich macht und meine These untermauert, dass The Walking Dead das wohl beste derzeit erhältliche Download-Spiel ist.
90%

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Pro:
tolles Finale
technisch sauber
wichtige Entscheidungen
grandiose Story
größerer Umfang

Contra:
keine deutschen Untertitel
teils hölzerne Animationen


Offizielle Website:
 @Telltale Games



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