Sonics Jubiläumsjahr nimmt kein Ende: Nach »Sonic Colours und »Sonic 4 Episode I erscheint nun mit Sonic Generations DAS Jubiläumsspiel schlechthin, zum zwanzigsten Geburstag des hyperschnellen SEGA-Maskottchens. Zum ersten Mal seit 1994 tritt der blaue Igel in seinem alten Design, mit Kugelbauch und ohne Sprachausgabe, in Erscheinung. Zeitportale lassen das alte Sonic-Universum mit dem neuen kollidieren. Was dabei herauskommt und warum es sich bei dem Titel nicht nur um einen Pflichtkauf für eingefleischte Fans handelt, erfahrt ihr in unserer Review.
Happy Birthday, Sonic!
Passend zum diesjährigen Anlass beginnt
Sonic Generations mit der Geburstagsfeier des schnellsten Igels der Welt. Doch zum Verspeisen seines Leibgerichts, einem Chili Dog, kommt das heroische Stacheltier leider nicht: Eine mysteriöse Kreatur taucht aus dem Nichts auf und entführt seine Freunde durch Zeitportale. Sonic wird ausgeknockt und findet sich, nachdem er das Bewußtsein wiedererlangt hat, in einer hübschen, leeren weißen Welt wieder. In ihr befinden sich Zugänge zu seinen Abenteuern der letzten 20 Jahre. Somit schickt sich der Flitze-Igel an, in den Stages für Ordnung zu sorgen und dadurch die weiße Landschaft Stück für Stück wieder mit Farbe zu füllen. Gleichzeitig, noch ohne das Wissen des modernen Sonics, befindet sich die klassische Ausgabe von diesem ebenfalls in dieser Zwischenwelt und schmeißt sich auch in ins Abenteuer.
Akt für Akt
Wie wir es von Sonic kennen, absolviert er in einer Zone zwei Akte, bevor er diese hinter sich lässt. Nur Boss-Fights gibt es am Ende von diesen (leider) keine, erst nach drei Zonen folgt ein solcher, bevor in der Oberwelt das nächste Areal verfügbar wird. Die Oberwelt, die sich über die Zeit mit Farbe füllt, ist eine seitwärts scrollende Landschaft, in der per Knopfdruck zwischen klassischem und modernem Sonic gewechselt werden kann. Während ihr in der Horizontale von Welt zu Welt flitzen könnt, verstecken sich jeweils oberhalb von diesen die Challenge-Level, die größtenteils völlig neu aufgebaute Stages mit eigenen Herausforderungen bieten – aber dazu später mehr. Beeindruckt hat uns im Test, dass in der Oberwelt mit orchestralen Instrumenten eingespielte Versionen der einzelnen Welten gespielt werden, sobald ihr euch in deren Nähe aufhaltet.
Im ersten Akt einer Zone übernehmt ihr die Kontrolle über den klassischen Sonic, der sich ausschließlich durch (dreidimensional dargestellte) 2D-Level bewegt, Gegner nicht per Zielmarkierung anvisieren kann (diese werden klassisch per gezieltem Sprung erledigt) oder sich am Boden zur Kugel zusammen rollt, um dann loszuflitzen. Diese Beschleunigungstechnik steuert sich nun übrigens besser als in alten Sonic-Tagen, da ihr nicht mehr Unten und Springen dafür drücken müsst, sondern eine Taste extra mit dieser Funktion belegt wurde, die ihr ohne Richtungstaste einmal oder auch wiederholt für mehr Speed berührt. So nah wie die Abschnitte dieser Sonic-Inkarnation kam dem klassischen Gameplay seit
Sonic & Knuckles kein stationäres Spiel der Reihe, nicht einmal
Sonic 4 Episode I, weshalb Retro-Fans hieran ihre wahre Freude haben werden. Wo bei den klassischen Stages noch echte Nostalgie aufkommt, ist es in den Levels neuerer Spiele besonders interessant, diese im ersten Akt nun auch mit der klassischen Spielemechanik zu sehen, was einwandfrei funktioniert.
Im zweiten Akt tritt dann der moderne Sonic ins Spotlight. Jetzt könnte man fragen, welches dieser genau ist, da der blaue Igel in neueren Spielen der letzten Jahre verschiedene Variationen von Fähigkeiten hatte. Seit
Sonic Unleashed hat sich die folgende – und effizienteste – Spielweise etabliert: Wie gehabt rennt er durch die Level, sammelt Ringe und knockt Gegner aus (die er vorher automatisch anvisiert). Durch das Sammeln der goldfarbenen Ringe füllt sich seine Boost-Leiste. Drückt ihr den Boost-Button, ist der blaue Blitz nicht mehr zu halten und durchbricht förmlich die Schallmauer.
Weiterhin füllt sich die Leiste durch das Ausführen von Stunts, welche er durch das Drücken verschiedener Richtungen nach dem Abspringen von einer Schanze ausführt. Darüber hinaus grinded der Igel über Stangen durch luftige Höhen, wobei er nun nicht mehr wie in
Sonic Unleashed mit den Schultertasten zwischen diesen hin und her wechselt, sondern mit dem Analogstick (die Schulter-Button-Variante ging besser von der Hand) und Hindernissen am Boden mit den Schultertasten ausweicht. Insgesamt spielt sich der moderne Sonic um einiges rasanter als der klassische und im Gegensatz zu seinen ersten 3D-Ausflügen nicht nur in einer Third-Person-Ansicht, sondern in einem Wechsel zwischen 2D- und 3D-Ansichten an verschiedenen Stellen der Level.
Ihr könnt die beiden Sonics durch neun Welten beziehungsweise Spiele der Reihe hetzen:
Sonic 1,
Sonic 2,
Sonic & Knuckles (alle drei Mega Drive),
Sonic Adventure,
Sonic Adventure 2 (beide Dreamcast),
Sonic Heroes (PS2, XBox, Game Cube),
Sonic the Hedgehog (Xbox 360, PS3),
Sonic Unleashed (Xbox 360, PS3 und Wii) und
Sonic Colours (Wii, DS). Stationäre Titel, die nicht behandelt wurden und einigermaßen dem klassischen Levelaufbau folgen, sind
Sonic 3 (!!!) für Mega Drive,
Sonic CD und die mäßig erfolgreichen Wii-Ableger
Sonic und die geheimen Ringe sowie
Sonic und der dunkle Ritter. Die ersten drei im Spiel behandelten Klassiker kompensieren zwar den Wegfall von
Sonic 3 etwas, aber als von vielen als stärkster Titel der Serie angesehener Ableger hätte es schon ein Level verdient. Zumal, da der bei vielen Spielern verhasste Titel
Sonic The Hedgehog eine Welt im Spiel einnimmt (aber immerhin mit der neuen Gameplay-Mechanik gut spielbar ist).
Nichtdestotrotz gibt sich
Sonic Generations mit den verschiedenen behandelten Spielen sehr vielseitig, alleine schon dadurch, dass unterschiedliche Skills in den Welten zum Einsatz kommen sowie verschiedene Fähigkeiten je nach behandeltem Titel. Beispielsweise dürft ihr in den
Sonic Adventure-Titeln den Dash an Ringlinien entlang ausführen oder in
Sonic Colours zwei Whisp-Fähigkeiten benutzen – als moderner Sonic den Raketen-Wisp, der euch durch Decken rammen lässt, als klassischer Sonic den Spike-Whisp, mit dem ihr als dorniger Ball an Decken, Wänden und Stacheln entlang düst. Das Level-Design ist auf jeden Fall vorbildlich und bietet euch viele Spielereien wie den Wechsel zwischen vorderen und hinteren Ebenen in den 2D-Abschnitten der beiden Sonics. Kommt ihr mal nicht weiter, hilft euch Omochao weiter, der über das Menü deaktiviert werden kann.
Give me a Challenge!
Doch mit den Story-Levels ist noch längst nicht alles gesagt: Die neun Zonen bieten wie weiter vorne erwähnt in höherliegenden, schwerer zu erreichenden Arealen der Oberwelt "Challenge Level" – zehn an der Zahl pro Zone. Ingsesamt hat
Sonic Generations dadurch 108 Stages aufzubieten! Und jede davon bietet dazu einzigartige Herausforderungen, abgesehen von dem in jeder Welt vorhandenem Rennen gegen einen Geist-Sonic. In den Challenges wird noch mehr Retro-Charme versprüht durch viele klassische Elemente, die in den Story-Leveln nicht in Erscheinung treten wie Feuer-, Wasser- und Blitzblasen, Wippenkatapulte, Kapseln mit zu befreienden Tieren, herabfallende Zielschilder, die ihr durch Sprünge in der Luft halten müsst bis ihr das Ziel erreicht, und vielem mehr.
Diejenigen unter euch, die
Sonic Colours gezockt haben, erinnern sich vielleicht noch an zusätzliche Level der jeweiligen Zonen, die größtenteils ziemlich kurz ausfielen – das ist bei
Sonic Generations nicht mehr der Fall. Jede der Stages bietet euch wie Story-Level Unterhaltung für ein bis drei Minuten. Oft ist es euer Ziel, mit Hilfe der genannten klassischen und teilweise neuen Elementen das Level zu überstehen. Neu ist zum Beispiel die Ringtime, die ihr ein paar Mal in einem speziellen Level einsetzen könnt, mit der alle umliegenden Feinde zu Ringen werden. Wie die verschiedenen Blasen und auch Super Sonic könnt ihr diese nach Beenden der Challenge im Shop kaufen und als Skill für die Story-Level mit Erfahrungspunkten kaufen. Ihr habt die Möglichkeit, für beide Sonics jeweils fünf Skillsets zu konfigurieren, die ihr dann in den Story-Abschnitten ausrüsten könnt. Praktisch!
Weitere erwähnenswerte Punkte der Challenge-Stages sind Sonics Freunde, die als Helfer oder auch mal Wetteiferer in Erscheinung treten. Helfen sie euch, ruft ihr sie per Tastendruck, wenn Knuckles zum Beispiel an einer Stelle nach einem Schatz für euch graben oder Amy in ihrer Challenge euch mit ihrem Hammer "Hau den Lukas"-artig in höhere Gefielde befördern soll. Tails trägt euch ganz klassisch fliegend an den Händen über Abgründe, während Espio (wer kennt ihn nicht...) euch mit einem Greifhaken in der Gegend herumschwingt. Tretet ihr gegen den Ninja-artigen Charakter an, müsst ihr ihn mit Scheinwerfern ausfindig machen und besiegen, die meisten anderen eurer Freunde fordern euch zu Rennen heraus. Manche der Challenge-Level spielen sich auch mal zu einer anderen Tageszeit ab. Sogar
Donkey Kong-artige Kanonen gibt es, die euch jedoch in alle vier Richtungen abschießen können, ihr bestimmt die richtige (die euch mit einem grünen Pfeil angezeigt wird). Sogar ein dazugehöriges Challenge-Level mit einem Parkour, der den
Donkey Kong-Games nicht unähnlich ist, gibt es.
Groovy!
Durch das Beenden einer Challenge und Finden einer versteckten roten Münze in den Story-Leveln erhaltet ihr immer ein Artwork oder ein Musikstück, die ihr euch neben Charakter-Bios und Story-Filmen im
Collection Room zu Gemüte führen könnt. Doch nicht nur dort: Die freigeschalteten Musikstücke könnt ihr bei der Auswahl jedes Levels (also auch der Challenges) für dieses festlegen – wie vieles in
Sonic Generations ein echter Fanservice! Mit meist jeweils drei Liedern eines jeden Sonic-Spiels (auch der nicht als Level verwendeten) habt ihr bei den Musikstücken eine breite Auswahl, wenn ihr unter anderem zum Sound aus
Sonic Spinball durch die Stages fetzt. Der Soundtrack des Hauptspiels befindet sich hier leider nicht dabei, dafür wurde dieser für die Level neu eingespielt bzw. wenn vorhanden neu eingesungen. Übrigens handelt es sich mit
Generations um das erste Sonic-Game, das eine deutsche Synchro spendiert bekommen hat, die dazu auch noch sehr gelungen ist. Im Menü könnt ihr die Sprache natürlich auch auf Englisch, Japanisch und andere Sprachen wechseln.
Beinahe einwandfrei
Über das Gameplay und den Sound hinaus gibt sich
Sonic Generations optisch stilsicher: Von der schicken Oberwelt über optisch ansprechende Ladescreens gibt sich das Game grafisch keine Blöße, auch wenn euch ab und an matschige Texturen begegnen wie zum Beispiel in den
Colours-Leveln, dazu kommt
Sonic Generations manchmal ins Ruckeln. Die Story gibt sich wie in
Colours schön leicht und amüsant, wenn die alten Inkarnationen der Sonic-Charaktere auf ihr zukünftiges Ich treffen. Löblich ist auch, dass sich das komplette Spiel Sonic 1 auf der Disc befindet, welches ihr zocken könnt, nachdem ihr im Skillshop einen Mega Drive Controller gekauft habt.
Wie mittlerweile Standard könnt ihr auch diesmal eure Punktzahlen mit Online-Leaderboards vergleichen. Die einzige Frage hierbei ist: Wieso muss man in den Online-Modus wechseln und den Rekord dort im Level direkt aufstellen, anstatt dass schlicht die Punktzahl aus dem Offline-Modus in das Leaderboard hochgeladen wird wie etwa in
Sonic Colours?
Eine Stärke der Sonic-Games waren neben Highspeed-Action bisher meistens die Kämpfe gegen Robotniks verschiedene Roboter am Ende der zwei Level-Abschnitte. Wie zuvor erwähnt begegnen euch jedoch leider diesmal nur wenige offizielle Bosse, um genau zu sein vier. Der letzte davon ist leider gar nicht gelungen, da ihr mal wieder ungenau mit Super Sonic durch die Gegend fliegt und nicht genau wisst, was ihr eigentlich tun müsst. Eine Entschädigung hierfür ist jedoch, dass sich der finale Endboss aus
Sonic Adventure ins Spiel geschlichen hat und dass es sich bei den sogenannten Rival Challenges, nach denen ihr Chaos Emerals erhaltet, auch um Boss-Fights handelt, die vom Spiel nicht offiziell zu den vier Endgegnern hinzugezählt werden. Hier tretet ihr gegen Metal Sonic, Shadow oder auch Silver in gut designten Kämpfen an, in denen ihr natürlich nicht (wie in Bossfights der ersten Spiele um den Igel) stehen bleibt, sondern euch ihnen mit Höchstgeschwindigkeit nähert oder ihnen ausweicht.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
