Nicht nur »FIFA und »PES bekommen mittlerweile jährlich neue Versionen, sondern nun zieht auch Codemasters nach. Nachdem die Engländer voriges Jahr mit F1 2010 ihr richtiges Debüt mit der Formel-1-Lizenz gegeben haben, möchte man mit F1 2011 die Serie weiter ausbauen. Ob F1 2011 nur ein einfaches Datenbankupdate oder doch ein lohnenswertes Vollpreisspiel ist erfahrt ihr im Test.
Wenig überraschend: In
F1 2011 fahren wir erneut mit den bekannten Boliden der Formel 1 über die bekannten Strecken. Die erste Neuerung fällt uns aber schon im Hauptmenü auf: Das ist nicht mehr interaktiv, wie beim Vorgänger, sondern schlicht mit ein wenig Formel-1-Atmosphäre im Hintergrund. Die zwei wichtigsten Neuerungen können wir jedoch nur auf der Rennstrecke sehen: DRS und KERS. Beides dürfen die Piloten seit dieser Saison nutzen und somit ihren Wagen kurzfristig mehr Geschwindigkeit zur Verfügung stellen. Mit KERS aktiviert sich ein Elektromotor, der dem Wagen bis zu 82 zusätzlich PS verleiht und der jederzeit eingesetzt werden kann. DRS hingegen kann nur auf bestimmten Streckenabschnitten genutzt werden, da der Anpressdruck verringert wird und das Auto in Kurven beispielsweise ziemlich schnell von der Strecke fliegen würde. Außerdem darf DRS nur im Zweikampf mit einem anderen Wagen aktiviert werden und auch nur dann vom hinteren Fahrer, wenn dieser nur maximal eine Sekunde Rückstand auf den vorderen Fahrer hat. Beides hat Codemasters gut sichtbar ins HUD implementiert und beides ist via Knopfdruck aktivierbar.
Auf der Strecke bemerken wir, dass die Entwickler die Regeln haargenau umgesetzt haben. DRS dürfen wir tatsächlich nur in den zumeist langen Geraden verwenden und unser Techniker informiert uns, wenn das System zur Verfügung steht. KERS hingegen ist uns hilfreich, wenn wir nach Kurven schnell beschleunigen wollen. Den Elektro-Motor dürfen wir übrigens nur bei mindestens 50 Prozent Rennlänge nutzen. Bei allem was darunter ist, ist der Motor deaktiviert.
Rennstrecke, Unfall, Safety-Car
Für unser erstes Rennen entscheiden wir uns für Michal Schumacher, dem deutschen Rekordweltmeister. Als Rennstrecke wählen wir den bekannten Nürburgring, der mit seiner langen Gerade natürlich perfekt für DRS ausgelegt ist. Den Rennbeginn hat Codemasters gut inszeniert und das war auch schon beim Vorgänger so, allerdings vermissen wir immer noch etwas mehr von der grandiosen Atmosphäre an der Piste. Grid-Girls gibt es nicht, die Einführungsrunde existiert nicht und es existiert keine Hektik kurz vorm Start. Alles ist steril, lediglich das Publikum macht etwas Lärm. Aber das ist Nebensache, denn die Ampel zeigt Grün und wir und die 23 anderen Fahrer können endlich losfahren.
Das Geschwindigkeitsgefühl stellt sich schon nach wenigen Sekunden ein – die Stärke von Codemasters eben. Leider verlieren wir noch vor der ersten Kurve unseren achten Platz an Hamilton und reihen uns knapp vor Teamkollege Nico Rosberg ein. Aufgrund des eingeschalteten Schadensmodells kracht es nur wenig später vor uns und zwei Fahrer landen neben der Strecke. Die Autos gehen dabei nicht komplett kaputt, denn das Schadensmodell ist rudimentär. Lediglich ein paar Kratzer oder die Frontnase können geschrottet werden. Nur sehr, sehr selten fliegen tatsächlich mal die Reifen ab. Somit ist auch der Einsatz des neuen Safety-Car relativ sinnfrei, denn wir landen nur selten in dieser Phase. Sollte dennoch das Auto auf die Strecke müssen, dann ist das Ganze ebenfalls gut umgesetzt und wir werden immer vom Techniker informiert, wann das Safety-Car wieder reinfährt.
Weniger ist nicht immer mehr
Wir haben eingangs das schlichte Hauptmenü und die sterile Anfangsszene erwähnt. Das setzt sich leider auch nach dem Rennen fort. Eine Siegerehrung gibt es nicht, lediglich sieht man unseren Fahrer jubeln oder den Kopf schütteln, je nach Ausgangslage. Selbst an unserer Box ist nur wenig los und die Fahrer sieht man grundsätzlich nur mit Helm. Das Publikum produziert zwar ordentlich Geräusche, aber die Ränge sind viel zu oft nur halb gefüllt und das meistens mit Klon-Fans. Hier hätte Codemasters ruhig mehr machen können, denn die Formel 1 lebt auch von ihrer grandiosen Atmosphäre.
An der KI hat Codemasters auch gefeilt: Diese fährt nicht mehr nur starr die Ideallinie ab, sondern wehrt sich im Zweikampf auch und zeigt menschliche Fehler. Nur bei einem Massencrash setzt die KI aus und donnert ohne Rücksicht auf Verluste noch mit rein. Und die KI fährt nun echte Zeiten im Qualifying und nicht wie im Vorjahr Fake-Zeiten. An etwas müssen die Entwickler aber immer noch arbeiten: Das Strafensystem ist weiterhin unausgegoren. Zwar werden die Flaggen und Strafen nun angemessen gezeigt, aber es gibt weiterhin zu viele Aussetzer. Verwarnungen werden entweder gar nicht gegeben oder wir bekommen sie für Sachen, für die wir gar nicht verantwortlich waren. Das trifft auch auf die Flaggen zu, die oftmals einfach fehl am Platz wirken.
Die Karriere – unser Traum vom Weltmeister-Titel
Ebenfalls in
F1 2011 wieder mit an Bord: Die Karriere. Wir geben uns einen Namen und entscheiden uns zu Beginn für eines der schwächeren Teams, etwa Lotus oder HRT. Natürlich können wir damit niemals den Weltmeister-Titel erreichen, sondern unser Team-Chef gibt uns weitestgehend realistischere Ziele vor. Für deren Erfüllung erhalten wir Erfahrungspunkte, unser Ruf steigt und das Team baut nach und nach bessere Teile in unser Auto. Sobald unser Ruf hoch genug ist können wir am Ende einer Saison zu einen besseren Team wechseln, sofern wir ein Angebot vorliegen haben. Dann wird auch der Weltmeister-Titel ein realisierbares Unterfangen.
Neben dem Fahren müssen wir auch mit der Presse sprechen. Das hat Codemasters dieses Jahr nicht besser gelöst als im vergangenen Jahr. Immer wieder stellt der gleiche Reporter Standard-Fragen, die zufällig ausgewählt werden. Ob wir wirklich vom Weltmeister-Titel im HRT-Wagen träumen, kann nur ein schlechter Scherz sein. Nach jedem Rennen erhalten wir außerdem ein paar fiktive Zeitungsauschnitte, die uns unsere Managerin teilweise auch noch via Ingame-Mail zukommen lässt. Hier kann Codemasters auch noch nachbessern.
Grafisch immer noch schick
In Sachen Grafik macht
F1 2011 nur einen kleinen Schritt nach vorne. Das ist jedoch nicht schlimm, denn das Spiel sieht weiterhin klasse aus. Hier und da gab es ein paar neue Effekte und die Regenrennen wirken noch besser inszeniert. Ansonsten bleibt alles beim Alten, was auch für den Sound und die Musikuntermalung gilt.
Anders dagegen beim Mehrspieler-Modus: Ab sofort dürfen 16, statt nur 12, Fahrer gegeneinander antreten. Außerdem gibt es einen Splitscreen-Modus für zwei Spieler und wir können sogar eine kooperative Karriere beginnen. Dafür können wir Online mit einem Freund einem Rennstall beitreten und eine teaminterne Konkurrenz um die besten Auto-Teile aufbauen. Das hört sich nicht nur spaßig an, sondern sorgt auch für Spannung und Konkurrenzdruck.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
