Auch auf die Gefahr hin, einen veralteten Witz von der Leine zu lassen, muss an dieser Stelle einfach mal gesagt werden: Ja, er lebt noch! Ganze 14 Jahre war Duke Nukem Forever, der Nachfolger des Shooter-Urgesteins Duke Nukem 3D, in der Entwicklung. Diese 14 Jahre waren nicht nur von Schweiß und Kopfzerbrechen geprägt, nein, auch das Entwicklerstudio wurde gewechselt, und oft hieß es sogar, der Duke sei tot. Der Mann mit Zigarre und rotem Oberteil ist zurück und lädt erneut zum fröhlichen Sprücheklopfen ein. In »Sebastians Vorschau erfahrt ihr alles, was es über die Entwicklungsgeschichte von Duke Nukem Forever zu wissen gibt. In diesem Artikel stellt sich uns allerdings nur eine Frage: Hat sich das Warten gelohnt?
Die Pflicht ruft!
Auch der Duke selbst scheint lange auf seine Rückkehr gewartet zu haben. Der blonde Muskelprotz spielt zu Beginn sein eigenes Videospiel und wird nebenbei von zwei hübschen Damen verwöhnt. Nach der Eröffnungszene begebt ihr euch schließlich zu einem TV-Interview, das allerdings ausfallen muss. Scheinbar sind alle Augen auf außerirdische Gäste gerichtet. Ja, die übergroßen Schweine und fliegenden Hirnkraken sind zurück – laut dem Präsidenten in friedlicher Absicht. Natürlich irrt sich der Gute jedoch, und so kommt es, dass ihr in der Rolle des Dukes abermals die Frauen der Welt vor den schweinischen Absichten der Besucher beschützen müsst.
Mit diesen Worten ist die Handlung des Spiels auch schon beinahe in ihrer Vollkommenheit beschrieben. Für einen Ego-Shooter ist das auch nicht ungewöhnlich. Leider fällt aber auch die Spielmechanik nicht gerade durchdacht, geschweige denn komplex aus. Dabei macht
Duke Nukem Forever anfangs doch so einen guten Eindruck. Das Spiel fängt actiongeladen mit einem Bosskampf an und überzeugt durch Selbstreferenzen und interaktive Objekte. Die Schamgrenze ist dabei gewohnt niedrig gehalten, und es entsteht schnell der Eindruck, der Duke sei eben immer noch der Duke. Doch mit zunehmendem Voranschreiten durch die ca. zehnstündige Kampagne wird immer deutlicher, dass bei
Duke Nukem Forever irgendetwas schief gelaufen sein muss.
Die Witze werden flacher und fragwürdiger, und Anspielungen auf Filme und andere Games werden einfach in den leeren Raum geworfen. Dukes charmant und gekonnt arrogante Art scheint oftmals verfehlt. Auch das Leveldesign lässt zunehmend nach. Während ihr anfänglich noch z.B. Gewichte stemmen könnt, um euer Ego, also eure Schildenergie, zu erhöhen, findet ihr im späteren Spielverlauf kaum noch Interaktionsmöglichkeiten. Selbst die Inszenierung, die zu Beginn von allen Seiten auf euch einwirkt und unterhält, lässt euch später ziemlich alleine durch die Landschaft wandern. Glücklicherweise kann man nicht behaupten, dass den Entwicklern die Ideen ausgegangen sind, denn davon ist das Spiel durchweg vollgepackt. Woran es fehlt, ist letztlich die Umsetzung eben dieser kreativen Ergüsse.
Immer schön im Kreis!
Hauptsächlich seid ihr in
Duke Nukem Forever natürlich damit beschäftigt, eure Zielkünste unter Beweis zu stellen. Dabei steht euch mit über zehn verschiedenen Knarren eine überraschend große Auswahl an Werkzeugen zur Verfügung. Abgedrehte Waffen wie den Gefrierstrahler oder die Schrumpfkanone bekommt ihr jedoch erst nach einigen Spielstunden. Tragen könnt ihr zu jedem Zeitpunkt immer nur zwei Schießeisen. Ihr müsst euch also gut überlegen, welche Waffe wann von Vorteil ist. Hierin liegt aber auch schon der Großteil der strategischen Finesse des Spiels. Kommt es erstmal zum Feuergefecht, dürft ihr euer Hirn abschalten und in bester 08/15-Manier einen Pig Cop nach dem anderen erledigen.
Im Grunde stellen sich euch drei verschiedene Gegnertypen in den Weg. Da gibt es zum einen mit Lasern bewaffnete Schweine, die meist stillstehend auf euch einballern, und andere Aliens, die das Ganze via Jetpack aus der Luft versuchen. Die größte Bedrohung stelllen meist aber die unbewaffneten Pig Cops dar. Diese rennen wie wild auf euch zu und lassen euch kaum Gelegenheit zur Gegenwehr. Ab und an bekommt ihr es aber auch mit einer Gegnersorte zu tun, die optisch etwas an die Flood aus
»Halo erinnert. Hierzu gehören beispielsweise fliegende Tentakelwesen, die mit Kisten und Ölfässern nach euch werfen. Durch einfaches zur Seite Laufen stellen aber auch diese Begegnungen kein Problem dar.
Mit dieser "Taktik", die jeder Shooter-Neuling problemlos meistern sollte, sind nämlich so ziemlich alle Konfrontationen zu bewältigen. Das liegt daran, dass die gegnerischen Geschosse einfach nicht schnell genug ihr Ziel finden. Natürlich soll das nicht unbedingt heißen, dass
Duke Nukem Forever ein einfaches Spiel ist. Doch die einzige Methode, mit der die Macher die Schießereien anspruchsvoll gestalten, besteht im stellenweise unfairen Leveldesign. In gewissen Situationen werden euch weder Deckungs- noch Ausweichmöglichkeiten geboten, wodurch einige Treffer einfach unvermeidbar sind. Spielerischen Tiefgang lässt der Titel aber arg vermissen, weswegen das Geballere zwar für etwas Spaß zwischendurch sorgen kann, auf Dauer jedoch zu eintönig ist. Da helfen selbst kleinere Spielereien wie das zur Ablenkung dienende Hologramm nichts, zumal die entsprechenden Items auch nur äußerst selten zu finden sind.
Ich will doch nur ballern!
Abwechslung wird allerdings in Form von Racing- und, kein Scherz, Hüpfeinlagen ins Spiel gebracht. Ersteren begegnet ihr im Laufe eures Abenteuers zweimal. Im Grunde gäbe es an den durchaus spaßigen virtuellen Hetzjagden nichts zu meckern, würden sie sich nicht so ewig lange ziehen. Besonsers die Fahrt in der Wüste scheint einfach nicht enden zu wollen und wirft des öfteren die Frage auf, ob man tatsächlich einen Shooter spielt. Die Plattformpassagen sind hingegen besser über das Spiel verteilt, und manchmal auch mit kleineren Rätseln verbunden. Wegen des mangelnden Überblicks funktioniert das Springen von A nach B in Ego-Sicht aber nun mal bestenfalls suboptimal. Das wäre zu verkraften, wenn das Spiel euch bei Fehltritten nicht jedes Mal aufs Schlimmste bestrafen würde. Tiefe Abgründe und unter Strom stehendes Wasser sind aber nur zwei der vielen Tücken, die dem Duke ganz schnell die Schuhe ausziehen können. Dank der First-Person-Perspektive passiert das auch den erprobtesten Hüpfspielexperten nicht selten. Tatsächlich ist der Großteil eurer Tode in
Duke Nukem Forever nicht auf die fiesen Gegnerhorden zurückzuführen, sondern darauf, dass ihr versehentlich irgendwo drauf, drunter oder runter lauft. Während den anschließenden Ladezeiten, die gerade in den Konsolenversionen oft einfach nicht enden wollen, stellt sich euch schließlich erneut die Frage, welches Genre ihr hier vor euch habt.
Darüber hinaus werden die Hüpfeinlagen von einem weiteren Problem geplagt, das sich duch das gesamte Spiel zieht und insbesondere bei den bereits erwähnten Rätselchen auffällt: Die Levelstruktur ist stellenweise wirklich unübersichtlich, und das, obwohl das Spiel im Prinzip so linear wie Dukes Frisur ist.
"Wo soll ich bloß hin" oder
"was soll ich denn machen" sind Fragen, die häufiger auftreten und euch nicht selten den Mund in Verwirrung aufreissen lassen. Hierfür braucht ihr euch jedoch nicht zu schämen. Wer kann schon von sich behaupten, direkt erkannt zu haben, dass Gearbox vom Spieler ernsthaft erwartet, einen portablen Lift zwei Minuten lang im Schneckentempo von einem Ende des Levels zum anderen zu schieben?
Mein Haus, mein Auto . . .
Grundsätzlich sind die Nebentätigkeiten in
Duke Nukem Forever willkommen und sorgen für kurzweiligen Spaß. Aufgrund des schwachen Pacings und der mangelnden Übersicht schafft es das Spiel aber auch hier nicht, sein wahres Potenzial zu entfalten. Am ehesten gelingt das dem Titel im Online-Mehrspielermodus. Hier ist das Spiel von vielen der in der Kampagne auftretenden Schwachpunkten, allen voran den oft langweiligen Ballereien, befreit. Mit vier Spielmodi und um die zehn Maps stellt der Multiplayer-Aspekt zudem nicht gerade einen kleinen Teil des Gesamtpakets dar. Wer Freunde oder Fremde in klassischen Spielvarianten wie "Team Duke Match" oder "Capture The Babe" mit Raketenwerfern jagen will, kann hier definitiv seinen Spaß haben. Doch selbstverständlich dürft ihr auch von den Multiplayer-Schlachten keine Schachpartien erwarten.
Duke Nukem Forever verfügt weder über die Waffenbalance und das Leveldesign eines
Quake Lives, noch über den strategischen Tiefgang eines
»Battlefield: Bad Company 2, will das aber auch gar nicht. Der Mehrspieler-Aspekt ist von vorne bis hinten auf schnelle Action ausgelegt, und dementsprechend sind auch die Maps gestaltet.
Schade ist in spielerischer Hinsicht, dass ihr auf acht Spieler pro Karte beschränkt seid. Auf technischer Seite scheint die Online-Funktion auch nicht komplett durchdacht zu sein. Die "Schnelles Spiel"-Option wird ihrem Namen oft nicht gerecht, und manuell nach einem Spiel zu suchen kann aufgrund der wenigen Filteroptionen auch schnell zum Albtraum werden. Seht ihr darüber hinweg, könnt ihr dem Mehrspielermodus aber durchaus ein paar spaßige Spielstunden abgewinnen. Das klappt zumindest so lange, bis die stumpfe Action schließlich wieder dem Anspruch oben genannter Titel nachgeben muss. Einen kooperativen Modus gibt es in
Duke Nukem Forever nicht. Dafür dürft ihr euch am umfangreichen Belohnungssystem erfreuen. Nichts geringeres als ein mehrstöckiges Appartement steht euch frei zur Dekoration zur Verfügung. Hier könnt ihr euch mit zahlreichen und teuer errungenen Trophäen an eure Glanzleistungen in Mehrspieler-Schlachten erinnern. Anderen Spielern dürft ihr aber leider nicht zeigen, wie toll ihr seid.
Kann man vom Spielen blind werden?
Man merkt einfach an allen Ecken und Kanten, dass
Duke Nukem Forever auf einer veralteten Spielmechanik basiert. Ähnliches gilt auch für den technischen Aspekt des Titels. Die bereits erwähnten unmenschlich langen Ladezeiten der Konsolenfassungen sind hier nur die Spitze des Eisbergs. Denn selbst auf dem besten PC sieht das Spiel einfach nicht gut aus. Die Texturen sind matschig und die Polygone lächeln euch an manchen Stellen förmlich an. Darüber hinaus scheinen die Animationen der Charaktere noch aus der vorletzten Generationen zu stammen: Dukes Sprungbewegung könnte steifer und die Mimik der Figuren lebloser nicht sein. Selbst mit Lichteffekten scheinen die Entwickler so ihre Probleme zu haben. Einige Stellen sind recht dunkel und erfordern, dass ihr eure so genannte "Duke Vision" einschaltet. Deren hellblaues Licht ist allerdings dermaßen grell, dass euch die Augen schmerzen, vor allem wenn ihr versehentlich damit in eine Lampe schaut.
Soundtechnisch verdient das Spiel auch keinen Blumentopf. Eine Musikuntermalung ist über weite Strecken hinweg überhaupt nicht vorhanden, und die Waffengeräusche versuchen nicht einmal, euch zu beeindrucken. Im Kontrast dazu ist die deutsche Sprachausgabe allerdings erstaunlich gut gelungen. Am besten seid ihr aber dennoch mit der Originalversion beraten. Selbst der beste deutsche Bruce Willis kommt einfach nicht an die ikonische Stimme eines Jon St. Johns heran.