Mit Shift 2 Unleashed tritt ein weiterer Kandidat zum Kampf um die Pole Position der Racing-Simulationen an. Bei der Konkurrenz in Form von etablierten Marken wie »Forza Motorsport 3 oder »Gran Turismo 5 ist das kein leichtes Ziel. Dennoch scheute Publisher Electronic Arts schon im Vorfeld keinen Vergleich. In Vergleichsvideos zwischen Realität, Forza, Gran Turismo und Shift 2 konnten sich Racing Fans einen Eindruck dessen verschaffen, was sich EA als selbst ernanntes Ziel gesteckt hat: die realistischste Cockpit Perspektive aller Zeiten zu schaffen und dem Spieler so ein ganz intensives Erlebnis zu bescheren. Ob es gelungen ist, die derzeitigen Genre-Könige Forza und Gran Turismo vom Treppchen zu stoßen, lest ihr im Test.
PS Monster, Schweiss, Adrenalin, Shift 2
Um gleich das Wichtigste vorweg zu nehmen:
Shift 2 Unleashed schafft es tatsächlich, das intensivste Mittendrin-Gefühl der Rennspielgeschichte zu schaffen. Die Helmkamera ist unglaublich realitätsnah. Zum einen durch subtil eingesetzte Unschärfeeffekte, zum anderen durch Kopfbewegungen, die akkurat auf den Streckenverlauf reagieren. Wer auf das Kiesbett fährt, den schickt das Spiel einmal durch den Schleudergang. Falls man hingegen bei Tempo 200 Kontakt zur Streckenbegrenzung sucht, belohnt/bestrafft einen die Racing-Sim mit einem kurzen visuellen Blackout und heftigem Wackeln der Kamera. Beim Start werdet ihr regelrecht in den Sitz gedrückt, der kraftvolle Motorensound lässt euren Subwoofer angenehm im Takt vibrieren und spätestens, wenn ihr den Turbolader hört und zum Überholmanöver nach einer engen S-Kurve ansetzt, ist das Rennspielerherz bis oben hin mit Kerosin gefüllt. Um die Rennspieldröhnung perfekt zu machen, kann man zudem das HUD deaktivieren, Fahrhilfen wie z.B. eine Bremshilfe oder die Ideallinie ausschalten und sich hinter ein Spielelenkrad klemmen. Und wer dann bei Tempo 300 keine Schweissperlen auf der Stirn hat, der ist wohl auch im echten Leben auf der Rennstrecke zuhause.
72 Strecken, 125 Autos und eine höllische KI
Das Grundgerüst von
Shift 2 Unleashed stimmt also schon einmal, wie sieht es aber mit dem Umfang aus? Auch hier lassen sich die Entwickler nicht lumpen und schicken euch in 125 Autos über 72, teilweise fiktive Strecken. Die sind großteils aber aus dem direktem Vorgänger
»Need for Speed: Shift übernommen.
Nun sollte dem Rennspielvergnügen eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Flux die Kultstrecke Nürburgring ausgewählt, in den Porsche 911 gestiegen und schon kann es losgehen. Von wegen: erstmal müsst ihr euch mit unerträglich langen Ladezeiten herumschlagen, dass war schon im Vorgänger ein Manko. Habt ihr dies überwunden, kann euch aber immer noch die höllische Gegner KI, die keinen Fehler verzeiht, einen Strich durch die Rechnung machen. Falls ihr einen Fahrfehler macht oder euch die KI mal wieder abdrängt, ist das Rennen in der Regel verloren. Da eine Rückspulfunktion wie in
Forza Motorsport 3 fehlt, müsst ihr das Rennen anschließend neu starten. Nach einiger Zeit kann das ganz schön auf die Nerven gehen,
Shift 2 richtet sich eindeutig an erfahrene Rennspielfahrer. Denn selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad darf man sich kaum Fehler erlauben, während die KI wie an einem Faden gezogen die Ideallinie abfährt.
Tuning in vielen Belangen
Im Karrieremodus von
Shift 2 Unleashed ist es euer erklärtes Ziel, ein Fahrer der Modern-A Klasse zu werden und die GT-1 Weltmeisterschaft zu gewinnen. Doch bis dahin ist es ein steiniger Weg. Wie in Rennspielen üblich, beginnt ihr erst mal klein, z.B. mit einem Golf GTI. Renngeschosse wie den Lamborghini Murcielago muss man sich erst hart durch Preisgelder erarbeiten. Die Entwickler haben versucht, den Karriereaufstieg möglichst unterhaltsam zu gestalten. So dürft ihr beim Zeitfahren oder beim Driften antretten, euch in Mucsle-Car-Only Rennen versuchen oder Oldtimer über die Strecke jagen.
Abseits der Strecke könnt ihr umfangreiche Leistungstunings an euren Rennsemmeln vornehmen. Ob ihr in neue Einzelteile wie einen neuen Lufteinlass investiert oder lieber die Karroserie im Vinyl-Editor verschönert, bleibt euch überlassen.
Aber auch die Grafik, die auf der
Shift 1 Engine basiert, wurde nochmals optimiert. Die Wagenmodelle in
Shift 2 Unleashed sehen einfach klasse aus und besonders die Cockpits bestechen durch ihre detailgetreue Nachbildung. Auch Grafikspielereien wie Überblendeffekte tragen zum hervorragenden Gesamteindruck der Optik bei. Einziger kleiner Kritikpunkt sind die stellenweise recht schwammigen Objekte am Rande der Strecke, wie Bäume oder Gebäude. Leider gibt es auch keine Rennen bei Regen, dafür ist man zu unterschiedlichen Tageszeiten unterwegs. Gerade bei Dämmerung oder nachts lässt die Grafikengine ihre Muskeln spielen. Das Geschwindigkeitsgefühl wiederum ist fantastisch und treibt Rennspielpuristen die Schweisstropfen auf die Stirn. Auch Karambolagen sind eindrucksvoll in Szene gesetzt und vermitteln gut die Wucht der aufeinanderprallenden Blechboliden.
Ganze Arbeit leistet EA auch bei der Soundkulisse. Motorensounds klangen selten realistischer und eindrucksvoller als bei
Shift 2 Unleashed. Zwischen den Rennen heizen euch neu abgemischte Tracks von Bands wie Rise Against ein, vorbildlich!
Die neue Nummer 1?
Natürlich bietet
Shift 2 Unleashed auch einen Online-Modus. Die Rennen laufen in der Regel flüssig, unfair drängelnde Gegner lassen sich aber logischerweise (leider) nicht vermeiden. Zudem gibt es einen neuen Modus, in dem ihr euch, wie in einem K.O. Turnier, der Reihe nach in 1 gegen 1 Rennen mit anderen Fahrern messen müsst.
Aber ist
Shift 2 Unleashed nun eigentlich besser als die starke Genrekonkurrenz? Zumindestens in Teildisziplinen hat
Shift 2 Forza Motorsport 3 und
Gran Turismo 5 überholen können. In Sachen Grafik, Sound und auch Gameplay (Stichwort: Helmkamera) ist EAs Renn-Simulation der Genrekonkurrenz ein ganzes Stück davon gefahren. Der Umfang ist zwar ebenfalls beachtlich, hält aber nicht mit den Konkurrenten mit (Gran Turismo > 1000 Wagenmodelle). Echte Rennspielfans brauchen aber ohnehin alle drei Titel.