Drei Jahre nach Prinzessin Mononoke kam im vergangenen Jahr endlich der neue Streich des Anime-Genies Hayao Miyazaki in die deutschen Kinos. Basierend auf dem Buch "Howl's Moving Castle" der britischen Kinderbuchautorin Diana Wynne Jones, arbeitete eines der berühmtesten Animestudios Japans, das Studio Ghibli, einige Jahre an dem Film, um der Romanvorlage gerecht zu werden. "Das wandelnde Schloss" spielte allein in Japan über 10 Millionen Euro ein und war damit der erfolgreichste Film aller Zeiten. Im Februar erschien nun in Deutschland die DVD. Ob der Anime seinen guten Kritiken gerecht wird, erfahrt ihr in unserem Review.
Eine schicksalhafte Begegnung
Die Geschichte des Films spielt in einer kleinen, europäischen Stadt zur Zeit eines fiktiven Krieges. Die junge Hutmacherin Sophie wird auf dem Heimweg von zwei Soldaten bedrängt, glücklicherweise eilt ihr jedoch der junge Zauberer Hauro zu Hilfe. Die Hexe aus dem Niemandsland, eine ehemalige Geliebte des Zauberers, beobachtet das Zusammentreffen und belegt Sophie aus Eifersucht mit einem Fluch, der ihr die Jugend raubt. Daraufhin verwandelt sie sich in eine ältere Dame. Sophie schämt sich und flüchtet aus der Stadt.
Auf der Suche nach einer neuen Bleibe begegnet sie dem wandelnden Schloss von Hauro, in dem sie erst einmal einige Tage bleiben möchte. Im Schloss trifft sie auf Calcifer, einen kleinen Feuerdämon, mit dem sie einen Handel abschließt: Findet Sie die heraus, welches Geheimnis Calcifer und Hauro verbindet, wird sie von ihrem Fluch befreit. Neben Calcifer lebt auch noch Makel, ein Schüler Hauros, im Schloss. Da das Putzen in einer Männer-WG bekanntermaßen zu kurz kommt, stellt sich Sophie kurzerhand selbst als Putzfrau ein und beginnt im Schloss Ordnung zu schaffen.
Neben dem Anime gibt es zu "Das Wandelnde Schloss" noch einen vierbändigen Manga, der von "Carlsen Comics" vertrieben wird.
Handzeichnungen und Heidi
"Das Wandelnde Schloss" wurde vom Studio Ghibli produziert, das sich unter anderem für Meisterwerke wie "Chihiros Reise ins Zauberland", "Prinzessin Mononoke" und "My Neighbor Totoro" verantwortlich zeichnete. Des öfteren wird der Zeichenstil mit dem der Kinderserie "Heidi" verglichen, was nicht verwunderlich ist; "Heidi" stammt ebenfalls vom "Studio Ghibli"-Gründer Hayao Miyazaki. Seinen Vorsatz, so viel wie möglich mit Hand zu zeichnen, setze Miyazaki-san mit eisernem Willen durch. So entstanden nur wenige Details, wie zum Beispiel wehende Flaggen, am Computer. Die Animationen der Figuren sind eine Klasse für sich und überflügeln sogar aktuelle Disney-Produktionen bei Weitem. Insgesamt lässt sich sagen, dass der Film hervorragend aussieht.
Musikuntermalung und Stimmen
Die Hintergrundmusik stammt vom Japaner Joe Hisaishi, der unter anderem schon einige Kompositionen für "Chihiros Reise ins Zauberland" beigesteuert hat. Sie wirkt zu jedem Zeitpunkt passend und lässt einen noch tiefer in das Geschehen eindringen. Mindestens genauso gut wie die Hintergrundmusik sind die Soundeffekte, sie klingen immer real und glaubwürdig. Die deutsche Synchronisation des Films ist gut gelungen, außer der Stimme von Sophie, die als junge und alte „Version“ wie im japanischen Original die gleiche Stimme hat, passen alle Stimmen gut zu den Charakteren. Die Rolle des Hauro hat sogar der berühmte, österreichische Schauspieler Robert Stadlober übernommen, der zwar kaum Erfahrungen im Bereich der Synchronisation sammeln konnte, seine Arbeit aber sehr gut gemacht hat.