Es gibt Momente, da fangen auch angestammte Redakteure das Sabbern an. Das ist dann entweder der Spielspaß-Kracher, der alle zehn Jahre die Welt der Videospiele umkrempelt oder es ist irgendwelcher Nostalgie-Retro-Kram, der einen an die Zeit erinnert, wo man selbst nicht mal zehn war und die Welt der Videospiele noch nicht kannte. Wie in letzterem Fall fühle ich mich, wenn ich die DVD zu den verlorenen Episoden des Animes Saber Rider in den Hände halte. Nur für Fans und Nostalgiker empfehlenswert oder auch was für Leute, die Manga und Anime erst seit Yugi-Oh! kennen?
Vom Sabbern zu Saber Rider
Früher war ich in der Anime-Szene sehr aktiv, weswegen mir das Label Anime House ein doppeltes Lächeln entlockt. Kennengelernt habe ich die Verantwortlichen vor gefühlt hunderttausend Jahren auf einem Marathon-Event des AnT und muss gestehen, dass ich dem Verleger keine großen Chancen auf dem deutschen Markt einräumen wollte. Zum Glück strafen mich die Jungs Lügen, weswegen ich mich doppelt freue, dass die Herangehensweise Anime mit mehr Fan-Bezug denn auf die großen Absätze zu schielen, doch Früchte getragen hat.
Irgendwie hausgemacht wirkt dann dafür auch das Cover von
Saber Rider and the Star Sheriffs - Lost Episodes Vol.1, wo mir die Seriencharaktere April und Fireball entgegen lachen. Und als deplatziert empfinde ich dann die Hinweise „Mit Wendecover“ und „Gutschein-Code“. Diese würde ich dann eher auf der Kiosk-Ausgabe einer Zeitschrift zur Absatzssteigerung erwarten, wobei bereits die Abo-Variante der gleichen Ausgabe wie bei einigen Print-Magazinen beobachtet, mehr in Richtung stilsicheres Artwork geht. Schließlich hat man beim Cover noch in die Ecke den Original-Titel der Anime-Serie getackert und auf der Rückseite kann man sich in bester achtziger Jahre Textbaustein-Optik spärliche Kurzzusammenfassungen der enthaltenen Folgen anschauen. Also entscheidet selbst, ob ihr ohne oder mit Fan-Bonus hier zwischen überholtem Design oder Kindheitserinnerungen schwanken wollt. Übrigens angesprochenes Wende-Cover kommt dann puristisch sogar ohne USK-Emblem daher. Danke, Anime House.
Einfache, aber sympathische Aufmachung
Saber Rider and the Star Sheriffs - Lost Episodes Vol.1 eingelegt und schon wird man von einem simplen DVD-Menü willkommen geheißen. Dabei kann jede der drei Folgen mit einer Gesamtspielzeit von 90 Minuten komplett abgespielt oder unterteilt in drei Teile abgerufen werden. Auf Dauer nervt dann aber der Säbel-Wurf von Saber Rider als Menü-Überblendung. Ein Blick in die DVD-Extras enthüllt dann eine Bonus-Episode von Voltron und eine Dirty Pair-Vorschau. Das ist stimmig, passt ins Nostalgie-Flair und fühlt sich gar nicht wie Werbung an, was es letztlich ja ist. Vergesst nicht, dass ihr rund 20 Euro für anderthalb Stunden
Saber Rider berappen sollt. Die Hintergrunduntermalung kann ab und zu nerven, da es Variationen des Titelliedes sind, aber ich habe mich dabei erwischt, wie ich in die Kapitelübersicht geschaltet habe, um die gelungene Instrumental-Version zu genießen. Dann war es mir auch egal, dass sich das Lied alle anderthalb Minuten neustartet.
Weiterer gelungener Bestandteil der DVD ist das kleine Making-of von
Saber Rider, das in zehn Minuten die gealterten Synchronstimmen zu Wort kommen lässt. Für mich war dies ein besonders großer Kulturschock, wenn man sieht, dass sich hinter diesen ausdrucksstarken Stimmen auch ganz normale Menschen verstecken. Besonders hart wird es dann, wenn sich die Charaktere über alltägliche Befindlichkeiten unterhalten und man ständig das Gefühl bekommt, der noble Saber Rider, der jedes Wort mit Bedacht wählt, blödelt gerade bei einer Synchro-Aufnahme herum. Denn im Endeffekt ist der kleine Blick hinter die Kulissen nichts weiter als eine kurze Spritztour ins Aufnahmestudio, wo ein paar Fragen zur erneuten Vertonung der Serie beantwortet werden. Ohne Fan-Bonus ungemein langweilig und unspektakulär in Szene gesetzt, aber mit Fan-Bonus jederzeit einen Kulturschock Wert. Zumal auch für den Nicht-Serienkenner offensichtlich wird, dass Christian Tramnitz Colt spricht. Ja, ihr habt richtig gelesen – der Kerl von der Bullyparade.
Keine Ahnung von Saber Rider? Hier loslesen!
Doch um was geht es eigentlich bei dieser Anime-Serie? Im Grunde genommen ist es eine Mecha-Serie aus den achtziger Jahren, die eine Art Western mit Science-Fiction-Elementen darstellt. So kämpft eine kleine Gruppe von Star Sheriffs mit ihrem Anführer und Namensgeber Saber Rider für Recht und Ordnung im besiedelten Bereich der Galaxis gegen die bösen Outlaws. Dabei ist es in jeder Folge immer wieder ein Highlight, wenn sich alle Team-Mitglieder in der fliegenden Kommandozentrale einfinden, um aus ihr den Kampf-Mech Ramrod zu formen. Schließlich gibt es dann in bester Power-Rangers-Manier für den übergroßen Feind ein paar auf die Nuss.
Der besondere Clou an der Sache ist aber vielmehr, dass es sich bei der Serie komplett um eine amerikanische Überarbeitung der Ursprungsserie
Sternenmusketier Bismarck handelt. Hier haben sich die Amis dazu entschlossen, mittels Synchronisation und Umstellung der Episoden eine abgewandelte und vor allem international kompatible Geschichte zu erzählen, was Ihnen vollauf gelungen ist. Wenn man sich etwas mit Animes auskennt, dann ist besonders das bereits eine Sache mit drei Ausrufezeichen. Denn schließlich kamen auch andere Klassiker unters Messer, die dann aber so dermaßen verunstaltet wurden, dass jedes Fan-Herz innerlich aufschreit. Schließlich ist es einfach nur Frevel zwei Retro-Klassiker so zusammenschneiden zu wollen, dass daraus eine eigene Serie wird. Ich glaube außer bei
Saber Rider and the Star Sheriffs ist dieses Experiment wirklich nirgendwo gelungen.
Was hat es denn jetzt mit den Episoden auf sich?
Die fünf Episoden, wovon drei bereits auf dieser DVD erschienen sind und die restlichen auf einer zweiten Disc nachgereicht werden, sind dabei den amerikanischen Schnitten komplett zum Opfer gefallen. Soll heißen, aufgrund der Gegebenheiten der eigens entwickelten Story-Line machten die Handlungsstränge der Episoden keinen Sinn mehr, so dass diese komplett gestrichen worden sind und jetzt rund 20 Jahre später in deutscher Synchro wieder auftauchen. Andererseits war es den Amerikanern wohl zu heikel, dass in einer Folge Leute vor ein Erschiessungskommando gestellt werden oder in anderen Episode eine Person zu tief ins Glas schaut. In der amerikanischen Überarbeitung sterben die Gegner nämlich nicht, sie kehren nur in die Phantomzone zurück.
Fazit?
Gutes Bildmaterial, was ganz ansehnlich abgemischt wurde, trifft auf eine brauchbare Synchro im Stereo-Ton. Aber was will man verlangen, wenn man die gealterten Synchronsprecher erneut vors Mikro zerrt? Da werden aus jugendlichen Stimmen dann schon mal angegraute Tongeber. Aber bis auf wenige Ausnahmen ist das
Saber Rider and the Star Sheriffs - Lost Episodes Vol.1 selten anzumerken. Im Endeffekt muss man schon etwas für die Serie empfinden. Entweder man hat generell eine Ader für Retro-Animes oder man hat die Ausstrahlungen als Kind mitverfolgt. Aber besonders die Zeichnungen sind natürlich im Vergleich zu topaktuellen japanischen Serien deutlich gealtert. Trotzdem hat die Serie keinen Deut ihres Charmes eingebüßt. Dauernörgler werden feststellen, dass sich doch eine andere Synchron-Stimme bei Jesse Blue eingeschlichen hat und keine japanische Original-Vertonung auf dem Silberling ist. Aber wenn man soweit ist, dann hat man die Scheibe als Hardcore-Fan sowieso schon bestellt.