Denkt man zurück an die 80er und 90er und die damaligen Zeichentrickserien, trifft man auf mehr als nur ein paar schräge Vögel. Mutierte Schildkröten, Ratten auf Motorrädern, zu Haien gewordene Menschen. Und doch haben wir Kids sie damals alle geliebt. Nachdem Anime-House einen Teil dieser Zeit bereits mit der Komplettveröffentlichung von "»Saber Rider" zurückgebracht hat, wollen sie nun mit "Voltron – Defender of the Universe" den nächsten Retrohit ins neue Jahrtausend befördern. Schlägt die Serie heute immernoch ein wie eine Bombe oder sollte man sie doch lieber in Frieden ruhen lassen?
Von jungen Löwen und notgeilen Prinzen
Wie in vielen anderen Serien dieser Zeit, geht es auch in "Voltron" um den Kampf zwischen Gut und Böse. Dabei bedient sich die Serie vieler Elemente, die man bereits aus "Saber Rider" oder "Transformers" kennt. Dabei ist sie sich aber auch nicht zu schade, dies zuzugeben und es gegebenenfalls ein bisschen zu persiflieren: Der sieht ja aus wie einer von Hermann und den Meistern des Universums (Anspielung auf "He-Man and the Master of the Universe"). Dabei wurde die europäische sowie die amerikanische Fassung von "Voltron" aus zwei verschiedenen japanischen "Voltron"-Serien zusammengesetzt: Zum einen "Lion Force Voltron (Hyakujū Ō Golion" und zum anderen "Vehicle Force Voltron (Kikō Kantai Dairugger XV)". Unserer Redaktion vorgelegt wurde das "Vol. 3 DVD-Set", welches sich primär um die Story der "Lion Force Voltron" dreht, um genauer zu sein, sind darauf die Episoden 20 bis 28 enthalten.
In "Lion Force Voltron" wird das Königreich Arus von dem bösen Zarkon und seinen Schergen bedroht, also machen es sich fünf junge Raumpiloten zum Ziel, den legendären Mechabot Voltron zu aktivieren und mit ihm gegen Zarkon zu kämpfen. Ähnlich wie in "Saber Rider" besteht Voltron zunächst immer erst aus einzelnen Raumschiffen und wird dann, in einer immer gleich bleibenden Videosequenz, jedesmal erst von den Raumpiloten zu Voltron verbunden.
Bei diesen Raumpiloten handelt es sich um Keith den Captain, Pidge der Denker der Bande, Lance den Weiberheld, Hunk das Muskelpaket und Sven den ursprünglichen Vizecaptain. Da Sven aber bereits in Episode 6 lebensgefährlich verletzt wird, nimmt die schöne Prinzessin Allura seinen Platz ein und steuert von dort an das fünfte Raumschiff, während Lance zum Vizecaptain wird.
Die Armee der Bösewichte besteht wiederrum aus dem Anführer Zarkon, seinem sexgeilen Sohn Lotor, der alten Hexe Haggar und dem Kommandanten von Zarkons Armee Yurak.
Der typische Ablauf einer Folge besteht meistens aus einem Angriff von Lotor, der Prinzessin Allura flachlegen will, dann einem Kampf, in dem zunächst nur vier der Lion Force antreten und gnadenlos unterlegen sind, und letzten Endes dann aus dem Auftauchen des 5. Lion Force, was die Transformation zu Voltron mit sich bringt und mit dem Sieg der Guten endet.
Zu kindisch für Alt, zu krass für Jung?
Welche Zielgruppe genau "Voltron" eigentlich anspricht, ist und bleibt ein Rätsel. Wie schon bei "Saber Rider" hat sich die amerikanische Firma World Events Production dem Original-Anime aus Japan angenommen und diesen umgeschnitten, jedoch geht es in fast jeder Folge um Tod, sexuellen Missbrauch von Frauen durch Lotor oder perverse Anspielungen innerhalb der Lion Force gegenüber Prinzessin Allura („Ich wusste garnicht, dass ihr so große Lungen habt“ nachdem Allura in einer Episode ihren Bikini verloren hat). Also wahrlich kein Kinderstoff, da verwundert vor allem das FSK 12-Logo auf Rückseite der DVD. Trotzdem muss man sagen, dass die Atmosphäre funktioniert. Eine ernste Sci-Fi Welt, geprägt von Angriffen, mit einem leichten Touch von Trashcomedy.
Einen Teil dazu beigetragen hat auf jeden Fall die Neusynchronisation von Anime-House, die im großen und ganzen sehr professionell ist. Lediglich Sätze wie „Das habe ich selbst gegooglet“ oder „Das sieht ja gar nicht so aus, wie in Wikipedia“ wirken mitunter fehl am Platz. Man merkt der Vertonung an, dass Anime-House sich an der sehr beliebten deutschen Synchro von "Saber Rider" orientiert hat und die lockere Synchro tut "Voltron" auch wirklich gut, nur manche Sprüche sind einfach zuviel des Guten.
Gleich geht es weiter mit Voltron!
Dass man in Amerika gerne auch in 20-minütigen Zeichentrickserien Werbeunterbrechungen unterbringt, ist ja allseits bekannt. Aber warum man sich die Mühe gemacht hat, diese mit zu synchronisieren, was dazu führt, dass man pro Episode drei Mal durch einen werbeinleitenden Satz unterbrochen wird, der aber gar keine Werbung nach sich zieht, ist mir ein Rätsel. Spätestens bei der dritten Folge nerven diese Clips nur noch.
Ansonsten kann man nicht meckern, die Bildqualität entspricht den Ansprüchen, die man an eine DVD stellt und der Sound ist für einen Oldschool-Anime auch überwältigend. Selbst über eine englische Tonspur verfügt das schmucke 2-DVD-Set, was z.B. "Saber Rider" leider nicht von sich behaupten kann. Als nettes Extra befindet sich dann noch ein kurzer Bericht über eine amerikanische Open-Air-Vorführung, in dem einige Menschen von ihren "ersten Mal" mit "Voltron" sprechen und auch Kids, die die Serie neu kennen gelernt haben, ihrer Begeisterung freien Lauf lassen.
Leider ist die DVD nur in einer billigen Slimcase verpackt und ein Booklet fehlt ebenso. Schmerzhaft, besonders dann, wenn man daran denkt, wie informativ gestaltet das Booklet von "Saber Rider" war.
Im großen und ganzen könnt ihr mit "Voltron" nicht viel falsch machen, wenn euch Retroserien im Allgemeinen oder speziell Science-Fiction-Comedy interessiert. Die neue Synchro bietet Kennern des RTL2-Originals zudem eine Neuerung (ob dies gut oder schlecht ist, muss dann jeder für sich selbst entscheiden) und erneut kann man Anime-House nur danken, dass sie eine weitere hitverdächtige Serie der 90er zurück in unsere Erinnerung ruft.