Als Appetithappen und optischen Leckerbissen in der Wartezeit auf Resident Evil: Revelations veröffentlicht Capcom jetzt Resident Evil: The Mercenaries 3D. Erfahrt bei uns, wieso die Zusammenfassung der Mercenary-Modi aus »Resident Evil 4 und »Resident Evil 5 mit den wichtigsten Charakteren der Serie durchaus Potential hat, aber hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.
Ich bin eine Demo, also bin ich...?
Schon auf dem Cover wird euch der Mund wässrig gemacht:
Resident Evil: The Mercenaries 3D enthält eine Demo zu
Resident Evil: Revelations, welches zwischen Teil 1 und 2 der RE-Serie spielt und zurück zu den Survival-Horror Wurzeln gehen soll. Es schickt Chris Redfield und Jill Valentine – die Protagonisten aus
Resident Evil 1 – erneut in den Kampf gegen untote Gehirnfresser.
Die meisten Gamer werden wohl als erstes die Demo ausprobieren, bevor sie sich auf
Mercenaries stürzen. Doch die leichte Welle der Enttäuschung, die sich unterschwellig durch das Spiel zieht, findet hier ihren Anfang: Ihr dürft durch ein paar Gänge eines Schiffes bei stürmischer, nächtlicher See wandern und begegnet drei Zombies. Dann ist die Demo vorbei. In diesen zwei Minuten bekommt ihr zwar immerhin vermittelt, dass sich im Gegensatz zu
Resident Evil 4 und
5 wieder eine schaurige Atmosphäre in das Spiel einschleicht, zusammen mit einer außerordentlich schicken Optik, aber der mangelhafte 3D-Effekt (mehr dazu im Abschnitt „Wieso der 3DS?“) und die kurze Dauer der Demo hinterlassen eher Frust beim Spieler.
3D Söldner
Doch widmen wir uns dem Kern von
Resident Evil: The Mercenaries 3D, der Mercenary-Kampagne. Im Grunde handelt es sich hierbei um ein Trainingslager für Anti-Zombi-Söldner, zumindest den einführenden Erklärungen eures Coachs zu Beginn jedes Levels nach zu urteilen. Den Charakter könnt ihr jederzeit wechseln. Am Anfang dürft ihr natürlich noch nicht alle auswählen, am Ende werdet ihr folgende wichtige Figuren der RE-Serie zur freien Verfügung haben: Chris Redfield, Jill Valentine, Rebecca Chambers, Claire Redfield, HUNK, Barry Burton, Jack Krauser und Kameradenschwein Albert Wesker. Leon S. Kennedy ist nicht enthalten, es besteht jedoch laut Capcom die Möglichkeit, dass dieser evtl. später als Download angeboten wird.
In 30 Missionen geht es um ein einfaches Ziel: Zombies abknallen und überleben. Und eure Munitionsanzeige stets im Blick zu haben, denn diese ist, wie Serienkenner es schon gewohnt sind, wieder einmal knapp bemessen. Immerhin spucken besiegte Gegner öfter mal Munitionskisten aus. Zu Beginn variieren die Aufgaben noch etwas, so müsst ihr in einer Mission alle Gegner besiegen, in der anderen bevor die Zeit abläuft so viele Zombies wie möglich killen. Den ablaufenden Timer könnt ihr durch das Zertrümmern von großen roten Kristallen per Nahkampfattacke wieder in die Höhe treiben. Letztgenannter Modus mit den Zeitkristallen überwiegt dann im späteren Verlauf des Spiels, auch der Schwierigkeitsgrad zieht dort massiv an.
Resident Evil: The Mercenaries 3D richtet sich also klar an Core-Gamer.
Auch wenn Gegner Munition ausspucken, regt man sich öfter über die knappe Munition auf oder auch, dass es keinen Nachladeknopf gibt und ihr stattdessen den Abzug drücken müsst, damit euer Charakter dann in aller Ruhe nachlädt (was besonders nervig ist, wenn zwei Gegner ungefähr 30 cm von euch entfernt stehen). Die einzige Spielfigur mit unbegrenzter Munition ist Jack Krauser, bzw. um genauer zu sein dessen Pfeil und Bogen. Dadurch fühlt sich das Spiel etwas unausgewogen an. Darüber hinaus könnt ihr in den Optionen zwischen Ego- und Schulteransicht wählen, in die das Spiel schaltet, wenn ihr die Zielen-Taste drückt - mit dem Pfeil und Bogen ist diese Ansicht aber nicht ideal, besonders bei nahen Gegnern.
Ihr könnt zwar die Waffen eines Charakters einem andern zuteilen, jedoch nur das komplette Set ohne Kombinationsmöglichkeiten. Viel Spielraum ist also nicht gegeben, da ihr bis auf die den Spielfiguren zuteilbaren Fähigkeitenerweiterungen wie mehr Ausdauer, längerer Combo-Timer usw. so mehr vor einer kosmetischen Entscheidung steht: Welcher optisch ansehnlichste Charakter soll denn nun den (mit zwei Schüssen bestückten) Raketenwerfer oder die Pumpgun in der Hand halten?
Immerhin könnt ihr jeweils ein zusätzliches Kostüm für die Charaktere freischalten (was im Gegensatz zu früheren RE-Teilen ziemlich wenig ist) und diesen dann nochmal extra Upgrades zuordnen. Von diesen schaltet ihr bei hohen Ergebnissen in den Levels auch immer mehr frei, so wie natürlich die zu Beginn noch nicht spielbaren Figuren und Level.
Im Kern ein spaßiges Game
Auch wenn
Resident Evil: The Mercenaries 3D so manchen Schwachpunkt hat, bietet es jede Menge Motivation. Einmal wäre da die für einen Handheld beeindruckende Grafik, die immer wieder hübsch anzusehen ist. Einzig die regelmäßig einbrechende Framerate in den Bewegungsabläufen weit entfernter Gegner stört und hinterlässt den Gedanken beim Spieler, dass da hinten irgendwo ein Projektor steht, der eine Diashow projiziert.
Ebenfalls zur Motivation tragen In-Game Achievements („Höchtste Kombo erreicht“ oder auch „das erste Mal eine Mission im Koop beendet“), der flüssig laufende Online- und Offline-Koop und die vielen Missionen bei. Ein paar mehr Settings für diese wären zwar auch nett gewesen – vor allem eine verlassene Villa vermisst man in einem Resident Evil irgendwie – aber mit den Abschnitten aus
Resident Evil 4 und
5 ist schon ganz nette Abwechslung geboten: Von einem Versammlungsplatz in Afrika (bei Tag und Nacht) schlagt ihr euch über ein Schiffsdeck im Mondlicht, ein Raketengelände, Minen, eine verlassene Insel (bei Nacht oder Abend), einer alten Burg zu den selben Tageszeiten wie die Insel, einem Gefängnis bis hin zu einem Dorf im Tageslicht. In diesen klettert ihr Leitern hoch und runter, werft diese um, damit euren Verfolgern zumindest kurzzeitig der Weg versperrt wird, springt über Abgründe, schießt auf explosive Fässer und sammelt heilende Kräuter ein im Kampf gegen die immer resistenter werdenden Feinde.
Später begegnen euch immer größere Brocken, die dann schon mal zu zweit auftreten können. Begegnet euch ein Zombie mit Kettensäge, solltet ihr ihn aus der Distanz erledigen, da ihr euch von seinem Angriff nicht erholt und sofort das Zeitliche segnet. Der hohe Schwierigkeitsgrad frustriert zwar sicherlich des öfteren, sorgt aber auch für Motivation, besser zu werden. Für eine Ballerrunde zwischendurch ist
Resident Evil: The Mercenaries 3D also immer gut.
Zum Sound des Spiels lässt sich sagen, dass es einen super treibenden, orchestrierten Soundtrack hat. Nur Sprach- und Tonsamples klingen ziemlich veraltet, weil verrauscht wie in N64-Zeiten. Die Sprachausgabe ist übrigens durchgehend englisch, nur Bildschirmtexte sind auf Deutsch gehalten.
Wieso der 3DS?
Diese Frage wird sich so mancher stellen, der das Game in den 3D-Handheld einlegt. Ein Spiel, das man zwischendurch mal einwerfen kann, um auf Zeit Zombies abzuballern, lohnt sich in erster Linie natürlich für einen Handheld. Die Fähigkeiten des 3DS bleiben jedoch weitestgehend ungenutzt. Abgesehen von der außerordentlich guten Grafik könnt ihr – in einem Spiel, bei dem es rein ums Ballern geht – nicht durch Bewegung des Handhelds zielen wie es beispielsweise in
»Ocarina Of Time 3D perfektioniert wurde.
Und gehen wir zurück zur Optik, stellt sich trotz Detailreichtum Enttäuschung ein: Zwar präsentiert sich die Grafik minimal in 3D, aber einen wirklich großen Unterschied werdet ihr nicht feststellen, wenn ihr den Regler auf 2D herunter schiebt. Trotz eines gewissen Räumlichkeitsgefühls wirkt nichts besonders weit weg oder nah dran am Bildschirm. Dasselbe gilt für die Demo von
Resident Evil: Revelations, bei der eine Enttäuschung ebenfalls vorprogrammiert ist für Spieler, die sich gerne in das 3D-Geschehen hineinziehen lassen wollten. Hier wurde wirklich sehr viel Potential verschenkt.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
