Neben dem Ego-Shooter- ist das Sportspiel-Genre die Formel 1 der Videospiel-Industrie. Dort kommen die Errungenschaften am schnellsten zum Tragen. Denn kaum ein anderer Bereich lebt so sehr von Grafik und Sound wie dieser. Kein Wunder also, dass Konami gleich zum Launch des neuen Nintendo 3DS einen Ableger seiner Fussball-Serie PES mit 3D-Technik ins Rennen schickt, um Dauerrivalen FIFA eine Nasenlänge voraus zu sein. Ob es ein schneller Fehlschuss über das Tor, ein direkt verwandelter Elfmeter oder eine gelungene Demonstration der Leistungsfähigkeit der neuen Nintendo-Hardware ist, haben wir per Blutgrätsche und Hackentrick auf dem Platz für euch herausgefunden.
Interessante Vorraussetzungen
Vergleichen wir auf den althergebrachten Konsolen die ewigen Konkurrenten
PES mit
FIFA, dann fällt schnell auf, dass sich vor allem Konami in Sachen Präsentation eher nüchtern präsentiert. Soll heißen, dass auch renommierte Teams wie der FC Liverpool mit Fantasie-Namen auftreten und das Gameplay weitaus mehr auf Rasen-Schach ausgelegt ist als bei der Konkurrenz. Gelungene Tricks sind hier wie in der Realität die Ausnahme, aber auch bei einem Christiano Ronaldo gelingt nur einem absoluten Profi im regulären Spielablauf den typischen Übersteiger des Portugiesen miteinzubringen.
Auf der anderen Seite ist das Thema Sportspiele und Handheld-Konsolen ein interessantes Feld, weil diese wie eingangs beschrieben von der Grafik leben, aber die mobilen Konsolen weitaus weniger Hardware-Power haben. Daher stellt für mich eine Runde
PES auf PSP oder iPad nur eine unzureichende Krücke zum Zocken auf der Xbox 360 dar. Ganz einfach aus dem Grund, weil mobil auch das Gameplay mit seinen ganzen Bewegungsabläufen auf die niedrigeren Voraussetzungen angepasst wurde und sich ein Kick so spielt wie seinerzeit beim seeligen PES-Vorgänger
International Superstar Soccer Deluxe auf dem SNES.
Fast auf Augenhöhe mit PSP und PS2
Und bereits nach dem Einschalten von
PES 2011 3D für 3DS der erste positive Eindruck. Noch schockiert über die schlechten DS-Fussball-Spiele kommt Nintendos neue Konsole technisch mehr an die Ableger für die PSP heran. Auch lasse ich dafür gerne das iPad mit der
PES 11-App links liegen, weil hier die Spieler mit ihren Gesichtstexturen einigermaßen ihren realen Vorbildern ähneln. Ich schreibe deswegen einigermaßen, weil die Texturschärfe und die gewohnten Mimikentgleisungen bei Fehlschüssen bekannt auf den Heimkonsolen weitaus minimalistischer ausfallen. Aber im portablen Segment ist das schon ein wesentlicher Fortschritt im Vergleich zu den Lego-Kickern auf Apples Tablet-PC. Also wer daheim auf der PS2 zockt, wird mobil kaum Einbußen erleben.
In Sachen Gameplay stoßen wir natürlich mit dem 3DS an unsere Grenzen, weil die fehlenden Knöpfe sich schon bemerkbar machen. Dabei macht die Steuerung an sich schon einen soliden Eindruck, aber weniger Tasten und der kleinere Screen lassen besonders bei exzessivem Passspiel den einen oder anderen Frustmoment zu. Aber sehen wir es von der positiven Seite – die Entwickler haben versucht, die Simulation mobil erlebbar zu machen und darauf verzichtet, das Spiel per Simpel-Gameplay in Form eines
Kick’n’Rush zu einer Art Arcade-Fußball zusammenzuschrumpfen. Das gilt übrigens auch für die aus der Heimvorlage bekannten Spielmodi. Der mobile Gamer muss weder auf Champions League noch andere Features verzichten.
3D – bis zum Abwinken?
Der echte Mehrwert von
Pro Evolution Soccer 2011 für 3DS ist natürlich das mobile 3D-Erlebnis ohne zusätzliche Brille. Hier hat Konami gute Arbeit geleistet. Die Spieler heben sich deutlich vom Stadion ab und auch das Rasenschach wirkt angenehm plastisch. Wer das auf die Spitze treiben will, der wählt die Spieler-Kamera. Dann erleben wir das Spielgeschehen zwar direkter, aber dafür komplett unübersichtlich. Kamera-Schwenks und teils wirre 3D-Effekte verhindern das Vergnügen, aber das Ganze scheint auch mehr eine Art Tech-Demo für die neue Hardware zu sein. So bleibt das Spiel unübersichtlicher als der Legenden-Modus der
PES-Heimkonsolenversion. Kleines Schmankerl am Rande: Wer seinen 3DS auf Standby schaltet und unterwegs ist, kann Partien der Meisterliga im StreetPass-Modus verwenden. Ob das noch ein echter Mehrwert wird, entscheidet dann der Erfolg der 3DS-Hardware. Dafür fehlt dann die Möglichkeit, sich über das Internet zu duellieren.
Bei der Anwendung der 3D-Funktion ist besonders interessant, wie namhafte Third-Party-Hersteller mit der neuen Hardware umgehen. Dabei muss ich mich als Anwender aber auch auf das Erlebnis einstellen. Das fängt schon damit an, dass ich den richtigen Abstand für mich selbst finden muss. Denn im Spiel selbst, wenn ich die richtige Entfernung gefunden habe, funktionierten die Effekte gut. Aber etwas aus der Idealdistanz abgewichen, kann es gelegentlich zu Problemen kommen. Daher ist die 3D-Erweiterung eine nette Sache, aber für mich kein zwingendes Kaufargument. Zumal sich
PES 2011 3D auf dem 3DS erst ernsthaft spielen lässt, wenn ich diese ausschalte.
Absoluten Veteranen wird allerdings sauer aufstoßen, dass
PES 2011 3D eigentlich eine aufgehübschte Variante des Vorgängers ist. Soll heißen: die aktuellen Transfers sind in das Programm miteingeflossen, aber bahnbrechende Features wie das freie Pass-System fehlen einfach. Schade! Aber was für den einen ein K.O.-Argument ist, möchte ich der mobilen Konsole wegen ihrer niedrigeren Hardware-Vorraussetzungen einfach verzeihen. Auch die erweiterten Taktik-Features fehlen. Wer also ein echter Fan der
PES 2011-Neuerungen ist, der zieht nach persönlichem Gusto gerne 5 – 10 Prozentpunkte von meiner Wertung ab.