Es müssen nicht immer Mario, Sonic, die Rabbids oder andere Weicheier der Videospielbranche sein. Ubisoft bringt echte Kerle auf den Nintendo 3DS. Mit Chef-Stealther Sam Fisher und Splinter Cell 3D sorgt der französische Publisher für ein wenig Action auf Nintendos neuem Handheld. Damit füllt Ubisoft eine echte Lücke und hat in diesem Genre erstmal das Monopol auf dem Nintendo 3DS. Ob sich der Kauf für Actionfans auszahlt und inwiefern sich die neue Mobilkonsole überhaupt für Spiele dieser Art eignet, lest ihr in unserem Testbericht.
Ubisoft ist nicht der erste Spieleentwickler, der sich daran versucht, ein klassisches 3D-Actionspiel auf eine mobile Konsole zu bringen. Auf Sonys PSP gab es bereits etliche Spiele, die dreidimensionale Action und Portabilität vereinen sollten. Trotz einiger wirklich guter Erfolge, monierten Videospieler immer wieder den fehlenden zweiten Analogstick der PSP, der ein komfortables Steuern der Kamera ermöglicht hätte. Das gleiche Problem wie die PSP hat auch der Nintendo 3DS, der ebenso wenig über zwei analoge Sticks verfügt. Was liegt also näher, als sich an dem mehr oder weniger etablierten Steuerungskonzept vieler PSP-Spiele zu bedienen? Während ihr die Spielfigur also mit dem (guten) Analogstick steuert, dirigiert ihr die Kamera mit den Aktionstasten. Sicherlich wird damit in
Splinter Cell 3D nicht die gewohnte Spielbarkeit eines Heimkonsolen-Gamepads erreicht, es funktioniert aber dennoch recht gut, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat.
Durch die Wahl der Steuerung sind somit natürlich bereits nahezu sämtliche Buttons des Nintendo 3DS belegt, was Ubisoft vor ein erneutes Problem stellt. Wohin mit den zahlreichen Gadgets, die ein Top-Agent wie Sam Fisher ständig zur Verfügung hat? Logisch, diese wandern dann auf den Touchscreen, den Ubisoft damit sinnvoll gefüllt hat.
3DS Features – Fluch oder Segen?
Immerhin hat es Ubisoft in
Splinter Cell 3D geschafft, einen der beiden Screens nicht einfach nur als Karte zu missbrauchen, was schließlich schon genug DS-Spiele machen. Wer allerdings die Lösung des Entwicklers als das Nonplusultra sieht, befindet sich auf dem Holzweg. Sicherlich reagiert der Touchscreen des Nintendo 3DS wunderbar auf alle Eingaben… solange man die richtige Stelle trifft. Das Gefühl für die Haptik ist mit der Verlagerung auf den Touchscreen nämlich deutlich verloren gegangen. Treffen geübte Videospieler die klassischen Buttons im Blindflug, trifft dies auf den Touchscreen nicht zwangsläufig auch zu.
Bedenkt man, dass Mr. Fisher stets ein prall gefülltes Arsenal an Equipment mit sich herumschleift, kann man sich denken, dass es auf dem Touchscreen ziemlich schnell recht eng wird. Wühlen wir uns doch einfach mal durch die prall gefüllten Taschen des Superagenten. Da kommen technische Spielzeuge wie Fusionsbrille oder Scanner zum Vorschein. Auch das klassische Nachtsichtgerät darf natürlich nicht fehlen. Des Weiteren holt Sam Fisher auch mal gerne die eine oder andere Granate hervor. Egal ob Splitter-, Gas, Blend- oder Nebelgranate, unser Agent ist auf alle möglichen und unmöglichen Situationen eingerichtet.
Interessant sind natürlich auch die Waffen, die uns in in
Splinter Cell 3D zur Verfügung stehen. Neben einer normalen Knarre mit Schalldämpfung, stellt das erweiterbare Gewehr ein echtes Highlight dar. Die Durchschlagskraft ist deutlich höher und lässt sich zudem mit witzigen Gimmicks aufrüsten. Mit dem Snipermodul ballert ihr etwa eure Gegner aus der sicheren Distanz über den Haufen, während das Gewehr als Shotgun besonders todbringenden Schaden verursacht. Auch Haftminen oder Ringflächengeschosse lassen sich mit dieser äußerst vielseitigen Waffe abfeuern.
Wie ihr seht, hat Sam Fisher auch auf dem Handheld nichts verlernt, was allerdings auch zu einer gewissen Überfrachtung der Steuerung führt. Was mit einem Gamepad gut von der Hand gehen würde, erweist sich mit dem Nintendo 3DS leider oftmals als ein wenig fummelig.
Und was ist mit 3D?
Klar, wenn man schon über 3DS Features spricht, darf man natürlich auch den 3D-Effekt nicht außer Acht lassen. Die Tiefenwirkung von
Splinter Cell 3D kann sich dabei durchaus sehen lassen. Im Vergleich zu den hauseigenen Spielen von Nintendo, tritt Ubisofts Stealthshooter zwar ein wenig zurück, dennoch spielt Sam Fisher diesbezüglich in der Oberklasse mit. Spielerisch hat das 3D-Feature aber keinerlei Relevanz. Wer den Effekt mit dem 3D-Regler ausschaltet, kann das Spiel also auch in gewohnter 2D-Optik spielen. Natürlich verliert
Splinter Cell 3D dadurch das große Wow-Erlebnis, sieht aber immer noch ziemlich gut aus. Den Grafikern von Ubisoft kann man jedenfalls keinen Vorwurf machen, die Figuren sehen tadellos aus und bewegen sich sehr geschmeidig.
In einigen Fällen verzichtet
Splinter Cell 3D ohnehin auf 3D. Beim Blick auf die Nachrichten oder auch in einigen Zwischensequenzen müssen wir uns mit einer 2D Darstellung begnügen. Auch wenn die Glasfaser-Optik zum Einsatz kommt, schaltet das Spiel komplett auf 2D um. Setzt ihr dieses Gadget etwa ein, um unter einer Tür hindurch in den nächsten Raum zu lugen, schaut ihr euch dort durch Bewegen der Mobilkonsole um. Dies klappt mit den Bewegungssensoren des Nintendo 3DS auch ganz gut, aber durch das Schwenken des Geräts wäre der 3D-Effekt ohnehin unter die Räder gekommen. Konsequenterweise hat Ubisoft diesen an diesen Stellen gleich ganz weggelassen.
Aus alt mach neu
So viel Neues sich der Entwickler für
Splinter Cell 3D ausgedacht hat, so mager sieht es in Bezug auf die Story aus. Nicht, dass die packende Geschichte schlecht erzählt würde. Wir kennen sie nur einfach schon. Für den Launch des Nintendo 3DS fehlte Ubisoft offenbar die Zeit, um ein neues Abenteuer um Sam Fisher zu kreieren. Deshalb haben die Verantwortlichen das beinahe schon uralte
»Splinter Cell: Chaos Theory herausgekramt und an die Eigenschaften der neuen Konsole angepasst. Ein paar Änderungen sind aber dennoch vorhanden, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen. So hat Ubisoft das Spiel ein wenig gestrafft, die Wege verkürzt und die Zahl der Gegner reduziert. Dies ist vielleicht gar kein schlechter Zug, da wir hier immer noch von einem Handheldspiel reden. Kurz und knackig ist unterwegs ja manchmal mehr.
Ein Gewinn sind definitiv die Hinweise, die sich im Spiel immer wieder einmal an den Wänden und Böden präsentieren. Schon in
»Splinter Cell: Conviction hat diese Methode sehr gut funktioniert. Sieht gut aus und ist obendrein hilfreich.
Definitiv unschön ist allerdings der komplette Wegfall des Multiplayermodus. Weder online noch über eine Adhoc Verbindung ist es möglich, in
Splinter Cell 3D mit einem Kumpel gemeinsam um die Häuser zu schleichen. Hier hätte Ubisoft ruhig ein wenig mehr Zeit investieren dürfen, um das tolle Mehrspielergefühl auch auf den Nintendo 3DS zu übertragen.
Abschließen möchte ich diesen Test aber mit einer erstaunlichen, wie zugleich schönen Nachricht für Freunde des Originaltons. Auf der Karte befindet sich neben der (gelungenen) deutschen Synchronisation auch die englische Originalsprache. Bei Spielen für eine Mobilkonsole ist dies heutzutage noch immer eine Seltenheit.