1993 (exakt zwei Jahre und einen Monat nach dem Japan-Release) brachte Nintendo europäischen SNES-Spielern mit Pilotwings das Fliegen bei. Damals innovative Mode 7-Effekte ließen die Spielwelt dreidimensional wirken und machten Eindruck. Genug, um dem Spiel einen N64-Nachfolger namens Pilotwings 64 zu gönnen. Und nun steht zeitgleich mit Erscheinen des Nintendo 3DS ein weiterer Ableger der Serie in den Regalen. Kann das Konzept auch heute noch überzeugen?
Über den Wolken...
In der
Pilotwings-Serie dreht sich alles um eure Bemühungen, eine Fluglizenz zu erhalten. Dabei zielt das Spiel seit jeher nicht auf eine detailgetreue Simulation des Flugbetriebes ab, sondern auf ein eher arcadigeres, zugänglicheres Spielgefühl. Wie der Name es schon vermuten lässt, dient in
Pilotwings Resort die unter anderem aus
»Wii Sports Resort bekannte Insel Wuhu Island als Schauplatz. Das idyllische Eiland besteht aus einem Dorf, Wäldern, einem riesigen Berg, Seen und natürlich jeder Menge Meer und kleinen Neben-Inselchen. Genug Raum also, um zum Flieger-Ass zu werden.
Gewaltig gestutzt wurde der Umfang der Fluggeräte. Lediglich aus drei Geräten könnt ihr beim Start wählen: Flugzeug, Raketengurt und Hängegleiter. Zwar gibt es noch Variationen wie den Turbo-Jet freizuschalten, die Fallschirmsprünge etwa wurden jedoch komplett gestrichen. Hier stellt
Pilotwings Resort ganz klar einen Rückschritt dar. Dafür bieten die einzelnen Fluggeräte jeweils ein sehr eigenes Gameplay. Während das Flugzeug zwar schnell ist und sogar Zielschießen erlaubt, könnt ihr den Hängegleiter nur mit der Thermik in der Luft halten - dafür aber mit dem Fotoapparat tolle Bilder schießen. Der Raketengurt schließlich erweist sich als wendiges Gefährt, das allerdings bei längeren Flügen mit Treibstoff versorgt werden will. Natürlich unterscheiden sie sich alle drei auch in der Art, wie sie starten und landen.
Herzstück von
Pilotwings Resort ist der Missions-Modus. In insgesamt sechs Klassen, von denen zu Beginn nur die Anfänger-Klasse zur Verfügung steht, könnt ihr euer fliegerisches Geschick unter Beweis stellen. In jeder Klasse erwarten euch mehrere Missionen mit den drei Fluggeräten, insgesamt über 40 Stück. So sollt ihr etwa mit dem Flieger durch Ringe fliegen und dann landen, während ihr ein anderes Mal mit dem Gleiter durch "Temposcheiben" fliegen sollt, die ihr nur mit der angegebenen Geschwindigkeit durchbrechen könnt. Die Wendigkeit des Raketenrucksacks wird benutzt, um im Dorf Ringe zu durchfliegen oder gezielt von einer Plattform zur nächsten zu steuern. Je nach gewählter Klasse werden die Aufgaben dann komplizierter, unfair wird
Pilotwings Resort dennoch nie.
Am Ende wird dann abgerechnet: In die Wertung fließt neben der Punktezahl für die Erledigung der Aufgabe auch die benötigte Zeit oder die Anzahl der Abstürze mit ein. Je nach Ergebnis erhaltet ihr bis zu drei Sterne - die benötigt ihr, um mit der vorgegebenen Anzahl die nächste Klasse freizuschalten. Übrigens: Durch Bonuspunkte könnt ihr sogar Ergebnisse erzielen, bei denen die drei Sterne noch rot umrandet werden, ein hervorragendes Ergebnis also. Unbedingt nötig ist das nicht, denn auch ohne Höchstwertungen fliegt ihr (buchstäblich!) geradezu durch die einzelnen Klassen. So lässt sich der Missions-Modus von
Pilotwings Resort in gut drei bis vier Stunden abschließen.
Frei wie ein Vogel...
Wer die Insel lieber komplett erkunden will, der sollte zum Freiflug-Modus von
Pilotwings Resort greifen. Hier könnt ihr mit den drei verschiedenen Fluggeräten fast ohne Stress über die Insel düsen. Wieso fast? Weil euch ein Zeitlimit von zunächst zwei Minuten im Nacken sitzt. Innerhalb dieser Zeit müsst ihr versuchen, Markierungen an Sehenswürdigkeiten zu entdecken (und natürlich zu durchfliegen). Habt ihr entsprechende Fortschritte im Missions-Modus erreicht, könnt ihr auf euren Rundflügen auch versteckte Blasen und Extras entdecken. So erhöht ihr das Zeitlimit für eure Rundflüge oder schaltet neue Tageszeiten frei. Nicht jedes Objekt lässt sich mit jedem Fluggerät und zu jeder Tageszeit durchfliegen, ihr müsst also immer wechseln, wenn ihr alles entdecken wollt. Für diesen Modus könnt ihr gut nochmal ein bis zwei Stunden einkalkulieren, wodurch ihr auf eine Gesamtspielzeit von etwa vier bis sechs Stunden kommt. Nicht viel, aber: Wer in allem der Beste sein will, kann durchaus einige Zeit mehr investieren.
Pilotwings Resort setzt den 3D-Effekt sehr stark ein, weswegen es für manche Spieler eventuell leichter fällt, die Stärke per Regler etwas zurück zu drehen. Vor allem zeigt das Spiel aber, wie die dreidimensionale Darstellung das Spielgefühl bereichern kann. Entfernungen etwa lassen sich nahezu intuitiv richtig abschätzen - bei einem Versuch, das Spiel im 2D-Modus zu spielen, gelang dies nicht annähernd so gut. Die Darstellung selber ist - typisch für Nintendo - recht spartanisch ausgefallen. Dennoch wird der Comic-Look durch schicke Effekte, wie Lensflares bei Abendflügen, aufgewertet. Die Welt hätte aber gerne ein wenig lebendiger wirken dürfen.
Auch der Präsentation mangelt es ein wenig an Feinschliff: Zu Beginn werdet ihr zwar begrüßt, danach klickt ihr euch nur noch durch die Menüs von einer Mission zur nächsten - einen roten Faden oder spektakuläre Belohnungen für eure Leistungen sucht ihr vergeblich. Das macht aber nicht soviel aus:
Pilotwings Resort lebt von der motivierenden Jagd nach Sternen, nach Bestergebnissen. Schade nur, dass es keinen Multiplayer gibt, bei dem man sich mit anderen Spielern direkt messen könnte.