Es gibt Spiele, die kennt jeder. Von klein auf haben wir uns diesen Herausforderungen hingegeben. Gesellschaftsspiele sind auch heute noch ein beliebter Zeitvertreib in Familien und mit Freunden. Die besten Spiele haben sich über Jahre hinweg durchgesetzt und erfreuen sich noch immer großer Beliebtheit. Videospiele können diese Halbwertszeit meist nicht aufweisen.
Doch seit geraumer Zeit haben sich verschiede Entwickler gefragt: "Warum nicht Gesellschaftsspiele auf der Konsole anbieten?" Und schon setzte eine regelrechte Flut an Umsetzungen ein. Von nun an müssen wir keine Mitspieler mehr einladen - wir können die beliebten Spiele auch alleine auf der Konsole angehen. Wir haben uns für euch einige Brett- und Kartenspielversoftungen angesehen und sagen euch, ob die Konsole wirklich den bunten Spieleabend ersetzen kann.
Magic the Gathering – Planewalkers
Wer kennt es nicht?
Magic the Gathering ist das älteste und sicherlich auch erfolgreichste Sammelkartenspiel, das noch heute den Markt beherrscht. Nun hat sich Wizzard entschieden, auch eine Umsetzung für Konsolenmarkt anzubieten. Bereits
Magic Online für den PC war ein großer Erfolg. Auf eurer Xbox 360 könnt ihr euch nun ebenfalls der Sucht hingeben. Eine Kampagne stellt euch vor mehrere Gegner. Bei jedem Sieg schaltet ihr weitere Karten für eure Decks frei. Leider könnt ihr nur mit vorgefertigten Kartendecks spielen – lediglich die gewonnenen Karten könnt ihr hinzufügen oder weglassen. Am Decktyp und –stamm könnt ihr nichts verändern.
Dies ist aber auch schon der einzige Einschnitt, den ihr hinnehmen müsst. Neben der Kampagne gibt es noch einen „Herausforderungs“- Modus, in dem ihr vor schwierige Spielsituationen gestellt werdet. Eure Aufgabe ist es dann, die Spielsituation, in die ihr geworfen werdet, innerhalt eines einzigen Zuges zu eurem Sieg zu drehen. Sehr ansprechend ist auch die Coop-Kampagne. Ihr könnt lokal mit einem Mitspieler eine extra Kampagne starten, in der 2-on-2 gespielt wird.
Das Hauptaugenmerk liegt aber definitiv auf dem Onlinespiel. Ihr könnt euch mit bis zu drei Gegnern online messen. Entweder in Teams in 2-on-2 oder in einem nervenaufreibenden „Jeder-gegen-Jeden“ Spiel. Mittlerweile sind bereits zwei Erweiterungen erschienen, die weitere Decks, mehr Gegner in der Kampagne und weitere Herausforderungen bieten. Die Spieloberfläche ist ansprechend und übersichtlich. Sowohl für Fans des Kartenspiels, als auch für Neueinsteiger ist
Magic the Gathering – Planewalkers eine Anschaffung, die ihr nicht bereuen werdet.
UNO – Das Kultspiel
Ein Kartenspiel, das jedem etwas sagen wird. Das Spiel wurde schon vor der Umsetzung in den Kultnamen „UNO“ als „Mau Mau“ oder „Neunerln“ mit sehr ähnlichen Regeln gespielt. Auf Xbox Live könnt ihr euch nun auch ohne Gesellschaft in das Spielvergnügen stürzen.
UNO bietet euch die Möglichkeit, einerseits gegen Computergegner anzutreten, deren KI auf höherem Schwierigkeitsgrad nicht einmal schlecht ist, oder eben online gegen bis zu vier weitere Spieler. Lokal könnt ihr natürlich nicht gegen einen Freund antreten – was verständlich ist, da dieser sonst Einblick in eure Karten hätte.
Gespielt wird nach den aktuellen Uno-Spielregeln. Allerdings bietet euch das Spiel die Möglichkeit, die Regeln nach euren Vorliegen abzuändern. In der Praxis ist sicherlich schon vielen von euch aufgefallen, dass jeder das Kartenspiel
Uno etwas anders umsetzt und das Regelwerk entsprechend nicht einheitlich ist. Diese Möglichkeit bietet euch nun auch das Arcade Game. Auch die Spielmodi sind frei einstellbar. Es gewinnt beispielsweise der Spieler, der in mehreren Runden die meisten Punkte gesammelt hat. Aber auch andere gängige Spielmodi sind machbar. Unter anderem ist es auch möglich, Teams aus jeweils zwei Spielern zu bilden und gegeneinander anzutreten. Allerdings solltet ihr bedenken, dass Spieler, die untereinander über Headset kommunizieren, deutlich im Vorteil sind.
Den meisten Spaß bringt
Uno natürlich online. Falls nicht genügend Spieler auffindbar sind, könnt ihr eure Runde auch mit Computergegnern auffüllen. Selbst wenn ein Spieler plötzlich eure Runde verlässt, wird sein Platz automatisch von der Computer-KI aufgefüllt. Das Spiel ist schön und übersichtlich animiert. Das
Uno-Feeling bleibt auch auf der Konsolenversion vollständig erhalten und bringt auch für kurze Pausen zwischendurch viel Spaß – denn allzu lange dauern die einzelnen Runden nicht – es sei denn, ihr erstellt ein dementsprechendes Spiel.
Mittlerweile ist auch der erste Konsolenableger einer weiteren Version des Spiels erschienen. Wer bei Amazon
Uno eingibt, wird auf etliche Spielvarianten stoßen. Auf dem Xbox Marktplatz werdet ihr zusätzlich zum normalen Spiel auch noch
Uno Rush vorfinden. Dies ist ein eigenständiger Download und komplett unabhängig vom Grundspiel – ihr müsst also
Uno nicht besitzen, um
Uno Rush genießen zu können. Im Grunde handelt es sich hier um eine deutlich schnellere Variante mit leicht abgeänderten Regeln. Der Vorteil: Auch lokal können zwei oder mehr Spieler gegeneinander antreten, da die Kartenhand offen gespielt wird.
Trivial Pursuit
Schon seit 1981 erfreut sich der Brettspielklassiker
Trivial Pursuit in geselligen Runden großer Beliebtheit. Dank der zahlreichen Editionen, die im Laufe der Jahre erschienen sind, dürfte für jede Zielgruppe etwas dabei sein. Ob jung oder alt, Professor oder Straßenkehrer, Disney-Fan oder Starwarsjünger…
Trivial Pursuit bedient jeden Geschmack. Publisher Electronic Arts wagt sich nun an die Umsetzungen des Klassikers für die aktuelle Konsolengeneration.
Die Aufmachung des Spiels fällt standesgemäß aus. Spektakuläre Grafikeffekte hätte wohl niemand von einer Brettspielumsetzung erwartet. Zweckmäßigkeit lautet die Devise auch bei
Trivial Pursuit. Lobenswerterweise nutzt Electronic Arts die Vorzüge eines Konsolenspiels konsequent aus. Viele Fragen werden etwa durch mediale Einspielungen unterfüttert. Leider lässt der Entwickler diese Konsequenz an anderer Stelle vermissen. So hätte ich mir von einer Brettspielumsetzung im Zeitalter von Xbox Live schon die Möglichkeit des Onlinespiels erwartet. Eine Onlinefunktion lässt
Trivial Pursuit – bis auf die online vergleichbaren Statistiken – schmerzlich vermissen.
Zudem ist die Zielgruppe von
Trivial Pursuit auf den modernen Konsolen klar umrissen. Wer sich sonst zu Hause auf dem Spielbrett mit der Genius-Edition herumschlägt und Fragen wie „Wie hieß das siebte Werk von Heinrich von Kleist?“ aus dem Ärmel schütteln kann, ist mit diesem Spiel deutlich unterfordert. Somit hat Electronic Arts mit
Trivial Pursuit mehr die jüngere Spielerschaft im Visier.
Riskio – Fraktionen
Krieg war schon immer ein Hobby der Menschen. Kein Wunder also, dass das Brettspiel
Risiko ein König unter den Gesellschaftsspielen ist. Etliche Neuauflagen sind bisher für die Brettspielversion erschienen – unter anderem zum Beispiel eine „Herr der Ringe“ Version.
Krieg auf der Konsole ist natürlich auch nichts neues – die meisten Shooter spielen in dieser Umgebung. Doch das Gesellschaftsspiel „Risiko“ auf der Konsole? Mit
Risiko Fraktionen könnt ihr das Kultspiel nun per Controller genießen. Der Zusatztitel „Fraktionen“ irritiert anfangs etwas – doch dieses Geheimnis wollen wir sogleich lüften: In
Risiko Fraktionen habt ihr eine Art Kampagne zur Verfügung, die euch in das Spiel einführen soll. So tretet ihr nach und nach gegen Menschen, Katzen, Roboter, Zombies und Yetis an. Die Anzahl der Gegner steigt mit jedem Spiel. Darüber hinaus werden euch die „Fraktionen“- Regeln näher gebracht. Im Gegensatz zu den Standardregeln könnt ihr zusätzliche „Missionsziele“ erfüllen, um Extras zu erhalten – beispielsweise ein Anfangsmanöver oder jede Runde zwei zusätzliche Truppen. Darüber hinaus gibt es bei den „Fraktionen“–Karten, die übrigens mit über 20 eine gute Auswahl bieten, besondere Gebäude. Zum Beispiel der „Tempel des Todes“. Besitzt ihr alle Gebiete, die sich um den Tempel herum befinden, könnt ihr vor jedem eurer Züge ein gegnerisches Gebiet übernehmen.
Nette Animationen im Comicstil und witzige Soundeffekte sorgen für weiteren Spielspaß. Wem all diese geänderten Regeln zu „lasch“ sind, der kann sich natürlich auch in eine klassische Schlacht mit den originalen Risiko-Regeln und der originalen Risiko-Weltkarte stürzen. Die KI ist insgesamt ganz in Ordnung, allerdings wartet der wahre Spielspaß wie so oft erst online. Wem das Brettspiel Spaß macht, der darf hier gerne zuschlagen. Diese 800 MS Points sind für
Risiko Fraktionen eine gute Investition.
Catan
Dörfer, Städte, Straßen, Soldaten und Handel – so lässt sich das Spiel „Die Siedler von Catan“ zusammenfassen. Den Titel „Spiel des Jahres“ hat die Umsetzung schon abgeräumt. Eine geniale Mischung aus etwas Glück, strategischem Denken und intelligentem Handel mit den Mitspielern macht dieses Spiel zu einem Meilenstein.
Auch auf dem Xbox Live Marktplatz findet sich schon seit längerem eine Portierung von
Catan, welche dem Brettspiel 1:1 gleicht. Die Umsetzung ist wirklich gelungen. Ihr sammelt eure Rohstoffkarten, könnt auf Tauschhandel mit euren Gegnern eingehen oder diese ablehnen. Überzeugend ist auch die Gegner-KI, die sich sehr genau merkt, wenn ihr ihnen Rohstoffe klaut oder Straßen zerstört. Sollet ihr einen Gegenspieler zu sehr verärgern, wird er sicherlich keinen Tauschhandel mehr mit euch eingehen. Die Computergegner können sich wirklich sehen lassen und bieten sogar offline eine angemessene Herausforderung.
Da sich
Catan offline natürlich nicht mit mehreren Spielern zocken lässt, bleibt euch für echte Gegner nur das Online-Spiel. Leider sind die Server nicht sonderlich gut besucht, und es kann passieren, dass ihr etwas länger auf eure Gegner warten müsst. Doch wenn das Spiel begonnen hat, steht die Versoftung dem Brettspiel in nichts nach. Eine überschaubare und originalgetreue Oberfläche und eine simple Bedienung sorgen für den Spielspaß, der das Brettspiel so beliebt gemacht hat.