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XBOX 360 – HACKER UND SICHERHEITSLÜCKEN
 Special von Michael Söldner (17.07.2010) Artikel-Feed (RSS) abonnieren

Fast alle aktuellen Konsolen und Handhelds wurden bereits von Hackern geknackt. Nur Sonys PlayStation 3 konnte sich bisher den Angriffen der Hobbyprogrammierer entziehen. Auch Microsofts Xbox 360 hat seit Jahren mit Softwarepiraten und Sicherheitslecks zu kämpfen. Warum gerade die Microsoft-Konsole bei Hackern so beliebt ist, erklären wir euch in unserem Hardware-Special.


Barrierefreies Zocken auf der alten Xbox

Schon Microsofts erste Spielkonsole war ein willkommenes Ziel für Hackerangriffe. Dank Modchips oder später sogar per Softmod konnten die Sicherheitsmechanismen der Konsole ausgehebelt werden. Dies wurde natürlich in erster Linie von Softwarepiraten ausgenutzt, um der Xbox auch gebrannte Spiele unterzujubeln. Doch auch Emulatoren für GameBoy, Scumm oder diverse Automaten fanden ihren Weg auf die umgebauten und vergrößerten Festplatten der Konsole. Besonders interessant für Multimedia-Fans dürfte die kostenlose Software XBMC (Xbox Media Center) gewesen sein, mit der sich die betagte Konsole in ein Abspielgerät für alle SD-Videoformate, Musik oder Fotos verwandelte. Über eine ergonomische und im Design anpassbare Menüstruktur waren damit selbst Dateien auf im Netzwerk befindlichen Rechnern, Wetterinformationen sowie aktuelle Trailer zu Spielen oder Filmen abrufbar.


Alles besser mit der Xbox 360?

Mit dem Verkaufsstart der Xbox 360 im Dezember 2005 wollte es Microsoft den Hackern schwerer machen. Ein neues Sicherheitssystem sowie mehrere unterschiedliche Baureihen sollten Modifikationen am System erschweren. Zwar gelang es unterschiedlichen Hackern schon ein Jahr nach der Veröffentlichung der Konsole, per Bootloader eine Distribution von Linux zu starten. Doch Microsoft reagierte schnell mit einer neuen Kernel-Version, die das Leck dauerhaft schließen sollte. Ähnlich wie schon bei Sony auf der PSP startete damit das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Hackern und Microsoft - jedes neu aufgetauchte Sicherheitsleck wurde per Firmware-Update in kurzer Zeit geschlossen.

Da der Zugriff auf das Rechtesystem und interne Software-Strukturen auf der Xbox 360 damit deutlich schwer ausfiel als noch bei der Vorgängerkonsole, entschieden sich viele Hackergruppen für einen anderen Weg: Die Modifizierung des verbauten DVD-Laufwerks, um der Konsole auf diese Art und Weise doch noch kopierte Disks unterjubeln zu können. Der Plan ging auf und Ende 2008 war für jeden in der Xbox 360 verbauten Laufwerkstyp eine entsprechende modifizierte Firmware verfügbar, die die Konsole nicht mehr zu einer Unterscheidung zwischen Original und Kopie befähigte. Hier rächte es sich für Microsoft, das Design der Konsole mit gängigen PC-Komponenten realisiert zu haben. Baugleiche Laufwerke im PC-Bereich erlaubten 1:1 Kopien der Datenträger, das Sicherheitskonzept der Konsole war damit schwer angeschlagen.


Im Bann von Microsoft

Um den mittlerweile stark verbreiteten Xbox 360-Konsolen mit Firmware-Flash Herr zu werden, reagiert Microsoft in unregelmäßigen Abständen mit Bann-Wellen von Xbox Live Mitgliedern. Die Funktionalität der Konsole bleibt nach einem Ausschluss aus der Online Community zwar grundsätzlich erhalten (bis auf die Installation von Spielen auf die Festplatte), die fehlende Möglichkeit zum Online-Spielen, der Kommunikation mit anderen Spielern oder dem Download von Spieledemos soll jedoch als Sanktion für Konsolenspieler mit modifizierter Firmware dienen. Am grundsätzlichen Problem der Umsatzschmälerung durch kopierte Spiele ändert diese Vorgehensweise aber indes nur wenig. Viele Softwarepiraten dürften sich einfach für die Anschaffung eines Zweitgerätes entscheiden und die alte, gebannte Konsole weiter dafür nutzen, um Kopien abspielen zu können. Immerhin kann Microsoft so sicher ein paar zusätzliche Hardwareverkäufe verbuchen.


Sicherung gegen Hacker

Ende 2009 eröffneten findige Bastler mit dem so genannten JTAG Hack gänzlich neue Möglichkeiten auf der Xbox 360. Damit konnte ein alternativer Kernel anstelle des originalen Software-Codes ausgeführt werden. Dieser erlaubt im Zusammenspiel mit weiteren Programmen die Ausführung von unsigniertem Code auf der Konsole. Damit war Microsofts Sicherheitskonzept nun gänzlich geknackt. Sowohl Linux, diverse Emulatoren und auch eine modifizierte Version des bereits auf der ersten Xbox vertretenen XBMC wurden nun möglich. Allerdings sind zur Ausnutzung des JTAG Hacks Löt- und fundierte Hardwarekenntnisse vonnöten. Zudem eignen sich nur Baureihen bis zu einem bestimmten Fertigungsdatum. Weiterhin hat Microsoft mit Software-Updates auf die Sicherheitslücke reagiert. Durch das gezielte Durchbrennen bestimmter Bauteile innerhalb des CPU Gehäuses (den so genannten E-FUSEs) soll zudem garantiert werden, dass das Aufspielen älterer Dashboard-Versionen ausgeschlossen bleibt. Mit virtuellen Versionen dieser „Sicherungen“ können jedoch auch per JTAG gehackte Konsolen weiterhin mit einer aktuellen Version des Xbox 360-Systemupdates versehen und somit auch über Xbox Live benutzt werden.





Mit der Xbox 360 Slim macht Microsoft der Hacker-Community das Leben schwer. Zwar konnte das verbaute Laufwerk bereits identifiziert werden, bisherige Modifikations-Versuche blieben jedoch erfolglos. Nun wird sich zeigen, ob die Techniker ihre Hausaufgaben gemacht haben, oder ob auch die Slim in wenigen Monaten zum Abspielen von kopierten Disks genutzt wird. Mit dem Bann von Xbox Live hat Microsoft aber jederzeit noch einen Trumpf im Ärmel. Gerade in Zeiten von Online-Gaming schmerzt ein Ausschluss aus der Community natürlich sehr. Das Sicherheitskonzept der Xbox 360 kann wohl trotzdem als baufällig bezeichnet werden, hier hat Sony mit der PS3 offenbar bessere Arbeit geleistet.
 
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