Fehler sind bei neuen Geräten nicht selten - und da machen Konsolen keine Ausnahme. Doch in dieser Hardware-Generation sollte ein Hersteller mit einem Problem konfrontiert werden, welches schnell zu einem Synonym für fehleranfällige Technik werden sollte: Der Red Ring of Death, kurz RRoD, der bereits viele Besitzer einer Xbox 360 heimgesucht hat. Wir haben den Mythos für euch genauer unter die Lupe genommen...
Geschichte des Red Ring of Death
An ihrer Front verfügt die Xbox 360 über vier Kreissegmente. Diese werden im Normalfall verwendet, um anzuzeigen, welche Controller angemeldet sind. Dann leuchten sie Grün. Doch diese LED-Leuchten können auch durchaus andere Farben annehmen. Besonders unbeliebt ist die Farbe Rot - deutet diese doch auf einen Fehler hin. Als im Internet erste Meldungen bezüglich drei roter Kreissegmente an der Front der Konsole bekannt wurden, nach deren Erscheinen die Konsole nicht mehr benutzbar war, konnte kaum einer ahnen, was sich da abzeichnete. Schnell kursierte ein recht ironischer Name für das Problem: Red Ring of Death, kurz RRoD, der rote Ring des Todes. Und während sich die Zahl der ausgefallenen Konsolen mehrte und etliche Händler bestätigten, dass über 50 Prozent der verkauften Konsolen mit diesem Fehler zurückkamen, sprach Microsoft von "bedauerlichen Einzelfällen", die durch die Dynamik des Internets einfach häufiger wirken würden als sie tatsächlich wären. Und das tat Microsoft sehr lange... bis sie im Juni 2007 eingestehen mussten, dass es schlichtweg keine Einzelfälle waren. Medienberichten zufolge waren es 30-50 Prozent der Launchkonsolen, die ausgefallen sind - in Umfragen unter Gamern kam man meist auf über 50 Prozent. Die Wahrheit liegt wie so oft wohl irgendwo dazwischen. Microsoft begegnete dem Problem mit einer Revision der Hardware, verschiedene Änderungen am Mainboard der Konsole sollten Abhilfe schaffen.
Mittlerweile gibt es sechs verschiedene Mainboards: Zunächst war da das
Xenon getaufte Board, ohne HDMI, komplett (CPU und GPU) im 90nm-Verfahren gefertigt. Dem
Zephyr-Board spendierte Microsoft dann HDMI und einen verbesserten GPU-Kühlkörper. Mit dem
Falcon-Board hielt die 65nm-Bauweise Einzug in die Xbox 360 - allerdings nur bei der CPU. Dadurch sank der Stromverbrauch. Zudem wurde die Kühlung der CPU verändert. Das
Opus-Board entspricht technisch dem
Falcon-Board, verfügt jedoch nicht über HDMI. Es kam auch niemals in den Handel, sondern diente als Ersatzteil für die Reparatur von Konsolen mit dem
Xenon-Board. Dann erschien das
Jasper-Board, quasi die dritte Hardware-Generation. Durch das 65nm-Verfahren, welches nun auf GPU und CPU angewendet wurde, konnte der Stromverbrauch nochmals deutlich gesenkt werden. Den Arcade-Versionen dieses Boards wurde zudem ein Flashspeicher spendiert, um auch ohne Festplatte die neue Bedienungs-Oberfläche NXE (
New Xbox Experience) nutzen zu können. Schlußendlich ist da das
Valhalla-Board: CPU und GPU wurden in einem Chip vereint, welcher im 45nm-Verfahren gefertigt wurde. Zudem bekam die komplette Konsole ein neues Kühlkonzept verpasst und der Stromverbrauch wurde weiter reduziert.
All die Änderungen brachten jeweils Verbesserungen in der Ausfallquote, ganz ausmerzen konnten Microsoft den roten Todesring allerdings nicht. Das ist mit ein Grund, weswegen das Unternehmen kurzerhand die Garantie für die Konsole auf drei statt der gesetzlich vorgegebenen zwei Jahre verlängerte.
Was ist der Red Ring of Death?
Der rote Ring ist kein Fehler im eigentlichen Sinne, sondern nur die Meldung eines solchen. Sie geht zudem mit einem Fehlercode einher, welcher auf dem Bildschirm ausgegeben wird oder per Tastenkombination ausgelesen werden kann. Was aber nun löst diese Meldung aus? Das ist recht unterschiedlich: Von gelösten Lötstellen bis hin zu unzureichender Kühlluft-Zufuhr ist einiges im Verdacht. Fakt ist: Leuchten die drei roten Ringsegmente an der Konsolen-Vorderseite auf, war es das erstmal mit dem Zocken. Oder auch nicht, denn in vielen Fällen konnte eine Konsole nach der RRoD-Meldung einfach aus- und wieder angeschaltet werden und alles lief wieder wie zuvor. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen, denn oft genug kommt der finale Tod der Konsole schleichend.
Gerne wird von Fanboys angeführt, dass der Ring of Death besonders dann auftritt, wenn nicht für genügend Luftzufuhr an der Konsole gesorgt wurde. Das ist insofern richtig, als dass falsche Aufstellung (eingezwängt im Regal, etc) das Problem begünstigt - letztlich lässt sich aber auch bei pfleglichstem Umgang ein Ausfall der Konsole nicht ausschließen.
Was tun gegen den Red Ring of Death?
Eigentlich lässt sich nichts gegen den roten Ring des Todes tun - ausser den Support anzurufen und die Konsole, sofern noch Garantie drauf besteht, einzuschicken. Dennoch kursieren im Netz die wildesten Ratschläge, wie man eine Konsole vom RRoD befreien können soll. Allen gemein ist, dass sie kaum dauerhafte Lösung bringen. Wenn also einer sagt, er habe durch einen Voodoo-Tanz mit anschließenden Opfergaben an beliebige Götter seine Xbox 360 wieder zum Laufen gebracht, solltet ihr das nicht unbedingt selbst versuchen. Die beste Anlaufstelle ist und bleibt der Support. Weder gehört die Konsole in ein Handtuch gewickelt noch in den Eisschrank gelegt.
Die Zukunft des Red Ring of Death
Mit jedem Board-Update ging die Zahl der ausfallenden Konsolen zurück. Mit der Slim-Variante der Xbox 360 hat Microsoft den RRoD zudem "versteckt" - die Konsole kann nach wie vor die gleichen Auswirkungen wie bei einem RRoD haben, führt dann allerdings einen Shut Down aus, fährt also herunter. Man muss zudem dazu sagen, dass die neue Bauweise weit weniger anfällig für Überhitzung ist als es bei früheren Modellen der Fall gewesen ist. Man könnte den RRoD also durchaus als aussterbend betrachten, je mehr der neueren Konsolen an Endkunden augeliefert werden.
Dennoch ist der Red Ring of Death zu einem Phänomen geworden. Und gerade das Internet war und ist mit Häme darüber an vorderster Front dabei - diverse Songs und Bilder nehmen den Fehler ironisch auf die Schippe.