Sieben Jahre lang stand bei Sony die PlayStation Portable für mobiles Gaming. Deren Geschichte war ein Wechselbad der Gefühle – verhaltener Start, mäßiger Software-Nachschub und diverse Patzer in Nachfolgemodellen verhinderten eine Erfolgsgeschichte. Seit Dezember 2011 steht der Nachfolger, die PlayStation Vita, in Japan in den Händlerregalen. Jetzt wird zum Europa-Sturm geblasen – und wir haben natürlich zugegriffen und verraten euch, ob Sony aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat.
Ausführungen
Die
PlayStation Vita kommt in zwei Ausführungen in den Handel: Es gibt eine Fassung mit Wi-Fi und 3G, welche etwa 300€ kostet. Hinzu kommen hier noch monatliche Zusatzkosten für die SIM-Karte, welche für die Nutzung der 3G-Funktionalität benötigt wird. Sparfüchse greifen hingegen zur Fassung ohne 3G, begnügen sich mit dem Wi-Fi und zahlen dafür 50€ weniger. Egal, wofür ihr euch entscheidet, eine zusätzliche Speicherkarte ist Pflicht – ohne diese könnt ihr nämlich keine Spiele spielen. Anders als bei der
PSP könnt ihr nicht auf handelsübliche MicroSD-Karten zurückgreifen. Warum Sony dem Handheld keine dieser proprietären Flash-Speicherkarten beigelegt hat, bleibt fraglich. Diese Karten gibt es mit Größen von 4, 8 und 16 GB, wobei letztere gute 50€ kostet. Erschreckend wenig Speicherplatz, wenn man bedenkt, dass ein Spiel wie
BlazBlue: Continuum Shift Extend als Download mit gut 3,5 GB zu Buche schlägt.
Einige Händler bieten eigene Bundles an, so etwa Amazon, die für etwa 270€ das Gerät in seiner Wi-Fi-Ausführung samt einem Vorbestellerpaket mit Kopfhörern und kleinen Download-Schmankerln, einer 8-GB-Speicherkarte und einem Spiel nach Wahl (aus einer begrenzten Anzahl an der Aktion teilnehmenden Spielen) verkaufen.
Vertrautes Layout
Anders als die
PSPgo ist die
PlayStation Vita eine komplett neue Entwicklung, die nicht direkt auf der
PSP basiert. Dennoch präsentiert sich auch der neue Handheld wieder im schicken Schwarz. Auffälligste Neuerung ist der rechte Analogstick, womit sich das Gerät vom
Nintendo 3DS absetzt, welches durch das
»Circle Pad Pro erst vor wenigen Wochen um ein solches Feature erweitert wurde. Ansonsten hat sich an den Tasten nichts weiter verändert: Die typischen Buttons mit Quadrat-, Dreieck-, Kreuz- und Kreissymbol sind genauso wieder vorhanden wie das Digikreuz, zwei Schultertaster sowie Start-, Select- und die PlayStation-Taste. Die Positionierung von Digikreuz und den vier "Hauptbuttons", direkt über den Analogsticks, ist allerdings ein wenig unglücklich für kleinere Hände. Zudem verfügt die
PS Vita über ähnliche Sensoren wie der SIXAXIS- beziehungsweise DualShock-3-Controller der
PlayStation 3. Das Sechs-Achsen-Sensorensystem besteht aus einem dreiachsigen Kreisel, einem dreiachsigen Beschleunigungssensor und einem dreiachsigen elektronischen Kompass. So lassen sich Spiele auch durch Kippen, Drehen und Neigen des Handhelds steuern.
Auch der neue Bildschirm der
PS Vita fällt direkt auf: Ein hochauflösender, kapazitiver 12cm OLED-Multi-Touchscreen prangt an der Vorderseite. Wie auch bei der
PSP wird das Bild in 16:9 dargestellt, allerdings ist die Auflösung deutlich höher. Während sich der Vorgänger mit 480x272 Pixeln zu begnügen hatte, kann die
PS Vita 960x544 Pixel, also die doppelte Auflösung, nutzen. Dreht man den Handheld um, befindet sich dort an identischer Positionierung ein gleichgroßes Touchpanel, ebenfalls kapazitiv. Die Erkennung von Berührungen funktioniert sehr gut und so wischt ihr schon bald zügig durch die flüssig reagierende, neue Menüoberfläche, die komplett auf die Bedienung über die Touchscreens ausgelegt ist.
Innen die volle Hardwarepower
Im Inneren setzt Sony auf vier Kerne: Sowohl die CPU (ARM Cortex-A9-Core) als auch die GPU (PowerVR SGX 543 MP4+) sind Quadcore-Prozessoren. Für Anwendungen (dazu zählen auch Spiele) stehen allerdings nur drei der vier CPU-Kerne zur Verfügung. Der Grund dafür könnte sein, dass ein Kern alleine für das Betriebssystem der
PS Vita reserviert wird. Der Grafikprozessor verfügt über Shader, die sogar über jene von Direct3D 10 hinausgehen und unterstützt mehrere Versionen von OpenGL vollständig. Dank einer eigenen Technik namens
tile-based deferred rendering (TBDR) kann die GPU nicht-sichtbare Bildbereiche aus der Berechnung ausnehmen und so Ressourcen sparen. Mit 512 MB Arbeitsspeicher und 128 MB VRAM als Grafikspeicher dürfte es nicht so schnell zu Speicherengpässen kommen – die
PSP musste mit deutlich weniger auskommen.
Apropos "weniger": War der Akku bei der
PSP noch austauschbar (was zur sogenannten "Pandora-Batterie" führte, mit der man über den Umweg des Wartungsmodus eine modifizierte Firmware auf das Gerät spielen konnte), so ist er bei der
PS Vita fest eingebaut. Bei einer Akkulaufzeit von durchschnittlich drei bis fünf Stunden erfordert das schon eine gewisse Nähe zu einer Steckdose. Denn der Handheld verfügt über einige Features, die Energie fressen können. Etwa bei dem 3G-Modell die GPS-Funktionalität oder auch der Einsatz der beiden Kameras. Diese befinden sich auf der Vorder- und Rückseite und ermöglichen die Aufnahme von Bildern und - mit neueren Firmwares - auch Videos.
Freie Steuerung
Für die meisten Gamer dürfte die
PS Vita durchaus sehr gut in der Hand liegen. Dank entsprechender Halteflächen auf der Rückseite verwundert das kaum. Wie aber schon erwähnt ist die Positionierung der Button-Elemente für kleinere Hände nicht ebenso gut zu erreichen. Auch erfordert es ein wenig Gewöhnung, dass sich an der Rückseite eben eine weitere Eingabefläche befindet. Eigentlich eine gute Idee, ist es jedoch so ungewohnt, dass man diese Möglichkeit bei den ersten Anspiel-Sessions durchaus mal "übersieht". Die meisten der Launch-Titel sind jedoch so ausgelegt, dass sie die Touch-Features nicht übermäßig nutzen. Wir erinnern uns mit Schrecken an die ersten Titel für den
Nintendo DS, in denen die Berührungssteuerung doch oft recht aufgesetzt gewirkt hat.
Wünschenswert ist es natürlich, wenn das Spiel dem Spieler die Wahl lässt. So kann bei
WipEout 2048 der Boost entweder per Taste getätigt werden oder per Berührung auf der Vorder- oder Rückseite des Handhelds. Das fördert die Gewöhnung an das neue Element, da so immer die Variante genommen werden kann, die am besten greifbar ist.
Schwacher Start in Japan
In Japan ist die
PS Vita bislang eher mäßig gestartet. Schon wird geunkt, das Gerät könnte sich als Flop erweisen. Wahrscheinlich ist das nicht: Die meisten der Launchtitel dürften eher dem westlichen Geschmack entsprechen und viele weitere Spiele sind bereits angekündigt. Gegen das, was Sony zum Start auffährt, stinkt der Start des
Nintendo 3DS ziemlich ab - hier hat der japanische Hersteller definitiv aus dem Startdebakel mit der
PlayStation Portable gelernt.