Mit dem ersten Atombomben-Test im Jahr 1945 begann das dunkelste Kapitel der Technik- und Wissenschaftsgeschichte. Aufgrund der „Fallout 3“ zugrunde liegenden Endzeit-Thematik wollen wir euch über die Geschichte der stärksten, jemals von Menschenhand geschaffenen Waffe und ihren Folgen für die Zivilisation, Umwelt und Weltpolitik informieren.
Einschlagender Erfolg
Die Auswirkungen einer atomaren Explosion sind verheerend: Direkt nach der Kettenreaktion im Inneren der Bombe kommt es zu einem intensiven Lichtblitz, der Materie in einem bestimmten Umkreis verdampfen lässt. Schon bei der Explosion einer 1-Megatonnen-Bombe würde sich Papier noch in einer Entfernung von 14 Kilometern entzünden. Direkt auf die Hitzestrahlung folgt eine unvorstellbar große Druckwelle, die die bisher entstandenen Brände noch weiter anheizt. Die wohl heimtückischste Eigenschaft atomarer Explosionen ist jedoch die entstehende Strahlung. Ausgehend vom Einschlagsort breiten sich Alpha-, Beta-, Gamma- und Neutronenstrahlen aus, die bis zu einer Minute anhalten und sofort tödlich wirken. Die in die Luft geschleuderten Partikel der Explosion sinken als radioaktiver Niederschlag (Fallout) innerhalb der nächsten 24 Stunden zu Boden. Je nach Windrichtung bedroht diese tödliche Fracht auch weit entfernte Gebiete, die von der eigentlichen Explosion verschont geblieben sind. Im Falle des großflächigen Einsatzes von Atomwaffen durch mehrere Staaten würde dies die katastrophalen Auswirkungen noch verstärken. Aufgrund der riesigen Mengen von Staub und Rauch, die sich in einem solchen Szenario in der Atmosphäre befinden würde, könnte die Sonne nur noch als helle Scheibe durch die schwarze Wolkendecke scheinen. Die Pflanzenwelt würde unter der plötzlich einbrechenden Kälte kollabieren (Nuklearer Winter). Bereits nach wenigen Monaten lichtet sich schließlich die Decke am Himmel. Die mittlerweile zerstörte Ozonschicht bietet dann jedoch keinen Schutz mehr vor tödlicher Ultraviolett-Strahlung. Den noch lebenden Menschen drohen mit Krankheiten wie Typhus, Pest und Cholera schließlich ihre letzten Gefahren. Deutlich bessere Überlebenschancen hätten hingegen die Insekten, die deutlich weniger empfindlich auf Strahlung und Temperaturunterschiede reagieren. Aktuellen Studien zufolge würden die derzeit weltweit verfügbaren Atomwaffen ausreichen, um ein derartiges Szenario, wie es auch in „Fallout 3“ vorherrscht, Wirklichkeit werden zu lassen.
Die Geschichte der Atombombe
Der Ursprung der bis heute wirkungsvollsten Waffe aller Zeiten lag paradoxerweise in der Furcht vor ihr begründet. Kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs gelang es deutschen Wissenschaftlern 1938, einen Uran-Atomkern per Neutronenbeschuss zu spalten. Hitlers Weltmachtanspruch brachte direkt im Anschluss die Forschung an einer kriegerischen Nutzung dieser Energie in Gang. Erst durch eine Warnung des berühmten deutschen Physikers Albert Einstein wurde die amerikanische Regierung ein Jahr später von den deutschen Plänen zum Bau einer „äußerst wirkungsvollen Bombe neuen Typs“ in Kenntnis gesetzt. Während die deutschen Experimente aus Zeit- und Geld-Mangel schon aufgegeben wurden, begann 1941 in den USA unter dem Decknamen „Manhattan-Projekt“ das größte Geheimunternehmen des Zweiten Weltkriegs, an dem mehr als 2000 Wissenschaftler beteiligt waren. Dank der enormen finanziellen Mittel und vieler aus Deutschland emigrierter Forscher konnte bereits vier Jahre später in der Wüste von Neumexiko der erste Atombomben-Test durchgeführt werden. Schon vier Stunden später befand sich eine zweite Bombe an Bord der USS Indianapolis auf dem Weg in Richtung Japan…
Ihr erster Einsatz
Der unbeugsame Durchhaltewille des japanischen Militärs brachte die USA Mitte 1945 zum folgenschweren Entschluss, die soeben fertig gestellte Waffe erstmals einzusetzen. Aufgrund des enormen Gewichts von mehr als vier Tonnen musste die auf den Namen „Little Boy“ getaufte Superwaffe an Bord eines B-29 Bombers direkt zum den Zielort transportiert werden: Die im Südwesten von Japan gelegene Hafenstadt Hiroshima.
Da die geplante Vorführung der in Neumexiko aufgezeichneten Bilder wegen eines defekten Projektors ausfallen musste, wussten die Piloten der todbringenden Maschine so gut wie nichts über die zu erwartende Wirkung ihrer Fracht. Nach einer knapp sechsstündigen Flugzeit wurde die 400.000-Einwohner-Stadt am 6. August 1945 erreicht. Aus einer Höhe von rund 10.000 Metern wurde „Little Boy“ direkt über dem Zentrum ausgeklinkt. Kurz vor dem Erreichen des Erdbodens erfolgte die automatische Zündung. Obwohl sich das Flugzeug zu dieser Zeit bereits 18 Kilometer von der Abwurfstelle entfernt hatte, erzitterte die Maschine aufgrund der unvorstellbaren Druckwelle. In Sekundenschnelle fanden zwischen 70.000 und 90.000 Menschen den Tod. Weitere 200.000 Japaner starben an den Folgen des Abwurfs. Zwei Drittel aller Gebäude in Hiroshima stürzten wie Kartenhäuser zusammen. Nur drei Tage später wiederholte sich dieses schreckliche Szenario in der japanischen Metropole Nagasaki und zwang die japanische Regierung schließlich zur bedingungslosen Kapitulation.
Die weltpolitischen Auswirkungen
Der gesamten Welt wurde mit dem Abwurf der ersten beiden Atombomben schlagartig klar, dass eine Waffe mit solch immenser Zerstörungskraft die Zukunft entscheidend verändern würde. Der langsam beginnende Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion schaffte ein sensibles Mächtegleichgewicht, in dem die Atombombe eine entscheidende Rolle spielte. Im Jahre 1949 wurde der erste russische Test erfolgreich durchgeführt, 1952 konnte sich auch Großbritannien zur Atommacht aufspielen, schon 1964 folgte China. Die Sprengkraft der Bomben nahm kontinuierlich zu, Wasserstoffbomben stellten die ersten Versuche schon wenige Jahre später in den Schatten. Die bisher stärkste Explosionswirkung wurde 1961 durch die Sowjetunion erreicht und übertraf die Sprengkraft der Hiroshima-Bombe um das 4.400-fache. Von U-Booten, Raketensilos oder Flugzeugen abgefeuerte Trägerraketen mit mehreren Sprengköpfen können mittlerweile Regionen von der Größe Bayerns auf einem Schlag auslöschen. Auch in Deutschland befinden sich von den USA verwaltete Atomwaffen. Zwischen zehn und zwanzig Sprengköpfe des Typs B-61 lagern aktuellen Informationen zufolge auf dem Fliegerhorst Büchel (Rheinland-Pfalz). Die aktuell stärkste Atommacht ist Russland mit geschätzten 14.000 Sprengköpfen, gefolgt von den USA (5.400), Frankreich (348), China (200) und Großbritannien (160). Über die im Besitz von Indien, Israel, Pakistan und Nordkorea befindlichen Atomwaffen liegen hingegen keine genauen Zahlen vor.