Nie zuvor war das Gamer Universum vielfältiger als heute. Neben dem Standard Controller haben sich längst andere wichtige Eingabegeräte auf den Konsolen etabliert. Egal ob Plastikgitarre, Tanzmatte, Move oder die Kamerasteuerung Kinect: es wird für jeden Geschmack etwas geboten. Dabei vergessen wir oft, dass Konsolen- und Dritthersteller schon früher innovative, aber auch eigenwillige Hardware zur Steuerung von Videospielen in den Markt pumpten. GameRadio hat sich die Historie der Controller einmal genauer angesehen und dabei einige interessante Fundstücke zu Tage gebracht.
Es ist wirklich erstaunlich, welches Zubehör uns die Hardwarehersteller verkaufen wollten. So mancher Exot hat seinen Weg tatsächlich ins Händlerregal geschafft, meist aber nicht mehr als ein paar wenigen Einheiten verkauft. Riesige Sticks zu noch riesigeren Preisen verkauften sich schon damals nicht sonderlich gut. Dennoch wurden die Hersteller aufgrund des Videospielbooms immer mutiger und kämpften mit ungewöhnlichen Konzepten um Marktanteile. Leser, die schon den Xbox Controller fur ein wuchtiges Gerät hielten, werden in diesem Artikel eines Besseren belehrt.
Ist es ein Telefon? Ist es eine Registrierkasse? Nein, es ist der Jaguar Controller!
Videospieler haben der Firma Atari viel zu verdanken. Mit
Pong sorgen die Amerikaner um Nolan Bushnell dafür, dass Videospiele erstmals große Aufmerksamkeit erhielten. Mit dem Atari VCS2600 brachte der Konzern schon 1977 eine Konsole mit austauschbaren Modulen auf dem Markt. Der Controller war zu jener Zeit noch recht schlicht und kompakt. 1993 sieht die Welt schon ganz anders aus. Mit dem Jaguar wagte Atari einen letzten Versuch, eine eigene Konsole im Markt zu etablieren. Dazu gehörte auch ein wagemutiger Controller. Ein Großteil des Geräts wurde von einem Nummerblock mit insgesamt 12 Tasten ausgefüllt. Drei Feuerbuttons an der linken Front und zwei kleine „Pause“ und „Option“ Schalter komplettierten das 17-Tasten Layout. Ob der wuchtige Controller oder der geringe Spielenachschub für das schnelle Aus der Konsole sorgte, bleibt Spekulation.
Science Fiction Controller aus dem Jahre 1988
Gilt Microsofts Kinect als zukunfsweisend, kann Mattels Power Glove als geradezu futuristisch bezeichnet werden. Schon 1988 durften Spieler das erleben, was man sonst nur aus Filmen und Büchern kannte. Für etwa 75US-Dollar konnten sich NES-Spieler einen Controllerhandschuh überstreifen, der eine intuitive Steuerung per Handbewegung versprach. Vor dem Zocken stand jedoch der Aufbau, der durchaus einige Zeit in Anspruch nahm. Zunächst mussten drei Sender am heimischen TV-Gerät installiert werden, die Signale vom Handschuh in Empfang nehmen sollten. Technik befand sich auch im Inneren des Handschuhs. Eingelegte Plastikstreifen registrierten durch das Verdrängen leitender Tinte die Bewegungen des Spielers. Letztlich scheiterte das Projekt an der umständlichen Kalibrierung, die für jedes Spiel einzeln vorgenommen werden musste. Auch der sich schnell einstellende Tennisarm ließen NES-Jünger recht bald wieder zum altbewährten Gamepad greifen.
Vorsicht Rohrbmombe!
Kennt ihr die Rohrbombe aus
Left4Dead? So in etwa sieht Datasofts Versuch eines Controllers aus. Vermutlich aus PR-Gründen wurde der Controller jedoch nicht nach der Bombe benannt, sondern hörte schlicht auf den Namen „Le Stick“. Das Teil ist im Wesentlichen ein einfacher Knüppel mit einem digitalen roten Feuerknopf an der Kopfseite. Das Besondere an „Le Stick“ ist, dass er gänzlich ohne die damals obligatorischen Mikroschalter auskommt. Durch einfache Neigung des Controllers wird die Spielfigur in die entsprechende Richtung gesteuert. Trotz des coolen Designs und der einfallsreichen Steuerung konnte sich das Gerät von Datasoft aber nicht etablieren. Bewegungsteuerung wollte 1983 eben noch niemand haben.
Hau in die Tasten!
1984 waren Sportspiele wie
Summer Games,
Decathlon oder eben
Track & Field schwer beliebt. Das Genre fand regen Anklang bei der Käuferschaft, so dass sich Atari dazu hinreißen ließ, einen Controller speziell für
Track & Field auf den Markt zu bringen. Einsetzbar war er aber natürlich auch für alle anderen Spiele dieser Art. Ein Problem dieser Titel war immer, dass sie ihren Ruf als Joystickkiller nicht zu unrecht trugen. Das ständige und oftmals sehr heftige Hin- und Herruckeln am Stick ließ so manchen Joystick auf dem Technikfriedhof landen. Nicht so der
Track & Field Controller. Denn dieser verfügte witzigerweise nichtmal über einen Stick. Der blaue Kasten war lediglich mit drei Tasten ausgestattet. Ein roter Feuerknopf für den Sprung, zwei weiße Buttons für die Bewegungen nach links und rechts. Das Hämmern auf die Taten funktionierte wirklich prima. In den Menüs hatte der Spieler aber leider oft das Problem, dass die Navigation nach oben und unten mit diesem Controller unmöglich war.
Fernbedienung als Controller?
Knapp 20 Jahre bevor Nintendo mit der Wii Fernbedienung den Markt revolutionierte, kam bereits der Technikonzern Philips auf den Gedanken an einen Controller dieser Art. Der Erfolg von Philips dazugehöriger Konsole CDi ist jedoch ungleich geringer. Dies lag nicht zuletzt auch an einem schlecht designten Eingabegerät. Aus der Distanz betrachtet ist der CDi Controller dem Wii Pendant gar nicht unähnlich. An der Kopfseite der Fernbedienung befindet sich eine runde Scheibe, mit dem der Spieler seine Richtungseingaben machen kann. Leider erwiesen sich diese mehr als schwammig und verursachten zu oft den Heldentot des Spielers. Nicht viel besser sind die Gummi Buttons, die sich um die Scheibe anordnen. Zwar sind diese einigermaßen gut zu erreichen, verhalten sich aber genauso träge wie die Richtungseingaben. Im Handgriff versteckt befinden sich noch einige Tasten für die Multimediafunktionen der Konsole. So ließen sich Filme oder Musik recht bequem starten, pausieren oder vorspulen.
Mobile Spielhalle
In Deutschland fristeten die Arcade Spielhallen seit jeher ein Schattendasein. Trotzdem sind auch deutsche Spieler von der Spielhallenkultur fasziniert. Arcadesticks, die den klassischen Spielautomaten nachempfunden sind, gibt es zuhauf. Der Hyperboy von Konami ist jedoch ein ganz besonderes Modell aus der Kategorie „Spielhallenstick“. Konamis Hardware verwandelt den Ur-Gameboy in ein portables Spielhallengerät. Mit einem einfachen Griff wird Nintendos Handheld in den Hyperboy eingesetzt. Auf dem Gehäuse befindet sich ein roter Kugelstick und zwei farblich passende Buttons. Auch die Lautsprecher an der Seite werten das Spielerlebnis mit dem Gameboy nochmals deutlich auf.
Tilt
Spezialcontroller für Gitarren, Keyboards sowie Pistolenaufsätze oder gar Exoten wie den Angelcontroller von SEGA... haben wir alles schon gesehen und noch gut in Erinnernug. Weniger bekannt hingegen ist ein spezieller Pinball Controller, den Philips 1996 für den PC entwickelte. Der wuchtige Kasten bringt satte 3 Kilogramm auf die Waage und wirkt damit äußert wertig. Sollte er auch, denn der Preis war mit rund 200 DM nicht gerade gering. Wie seine realen Vorbilder ist der „Virtual Pinball“ auch recht stabil. Bedenkenlos konnten Spieler mit voller Kraft gegen die seitlichen Tasten hämmern. Ebenfalls originalgetreu ist der Sensor, der bei übermäßiger Erschütterung den Tilt auslöste. Mitte der 90er erlebten Pinballspiele einen kleinen Boom. Gerade die Flipper von 21st Century wie
Pinball Dreams oder
Pinball Illusions waren damals sehr beliebt.
Controller für Deutsche Bahn Fans
Ich persönlich hasse Zugfahren wie die Pest. Dennoch soll es Leute geben, die überhitzten ICEs, Stehplätzen und Verspätungen etwas abgewinnen können. Für alljene ist möglicherweise Taitos „Densha de Go“ interessant. Hierbei handelt es sich um einen waschechten Eisenbahncontroller. Ein originalgetreuer Schubregler sowie eine Bremse machen die Eisenbahnsimulation zum Erlebnis. Weitere Buttons sorgen für Zuggeräusche und Durchsagen. In Japan war das Gerät offenbar sogar recht erfolgreich. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass der Controller für das N64, die Playstation, SEGA Saturn und SEGA Dreamcast erhätlich war.
Das Monster unter den Controllers
In einer Auflistung exotischer Controller darf natürlich keinesfals der
Steel Battallion Controller für die Xbox fehlen. Mechfans freuen sich über die einzigartigen Steuerungsmöglichkeiten, die der Controller verspricht. Die gigantische Nachbildung des Cockkpits schöpft aus dem Vollen. Mit 29 Funktionstasten ist das Gerät mehr als üppig bestückt. Hinzu kommen natürlich noch zwei analoge Sticks, drei Pedale, ein Schubregler, fünf Kippschalter, ein Notschalter und ein Coolie Hat. Wie der Pinball-Controller von Philips wiegt das Teil satte 3 Kilogramm. Die gute Verarbeitung und die vielfältigen Möglichkeiten haben allerdings auch ihren Preis. Etwa 200 Euro muss man für den Controller schon anlegen. Reichlich viel Kohle für einen Controller, der nur von einem einzigen Spiel unterstützt wird. Interessant, dass Microsoft nun den Nachfolger ausgerechnet für Kinect angekündigt hat. Damit lässt sich das Spiel mit dem Riesencontroller nun bald völlig ohne Eingabegerät lenken. Verrückt!