Immer wieder fällt man auf die großen Versprechungen der PR-Maschinerie rein und freut sich auf den nächsten großen Hype-Titel. Oft führen genau diese Kandidaten jedoch zu großer Enttäuschung. Die folgenden Spiele sind unserer Meinung nach deutlich hinter den Erwartungen zurück geblieben.
Was war das denn bitte, Capcom? Fand ich den Coop-Aspekt in
»Resident Evil 5 noch recht spaßig, verhagelte mir
»Lost Planet 2 die Laune gewaltig! Ein Actionspiel, das ausgelegt ist wie ein Multiplayer-Shooter, noch dazu mit simuliertem Ein- und Ausstieg in die "Matches"? Och bitte nicht! Das Konzept funktioniert zwar mit passenden Online-Mitspielern, für Solospieler wirkt das alles mit den KI-Kollegen aber äusserst befremdlich. Die Kumpanen bleiben austauschbar und damit ein Großteil der Handlung irrelevant! Schade, denn die Grafik war schon fein - fette Bosse inklusive. Aber bei einem solchen Konzept kann es das eben auch nicht mehr retten und das macht
Lost Planet 2 zu meinem Flop 2010.
Obwohl sich das Genre der Musikspiele auf dem absteigenden Ast befindet, waren meine Erwartungen an die Neuheiten in diesem Bereich recht hoch. Mit neuen Features versprachen
Rock Band und
Guitar Hero das Genre zu neuen Höhen zu führen. Während der Konkurrent aus dem Hause Harmonix mit sinnvollen Erweiterungen des Spielprinzips auftrumpfte, tritt das
Guitar Hero Franchise aber auch 2010 auf der Stelle. Sicherlich ist auch
»Guitar Hero: Warriors Of Rock (Testwertung: 80 %) kein schlechtes Spiel. Mit vielen guten und sehr rockigen Tracks, stellt es eine gute Erweiterung der eigenen Songbibliothek dar. Das altbekannte Spielprinzip macht noch immer Laune, die Neuerungen hingegen enttäuschen auf ganzer Linie.
Der Storymodus, der erstmals seinen Weg in ein Spiel aus der Reihe gefunden hat, möchte lustig sein, ist er aber nicht. Im Wesentlichen läuft alles ab wie gehabt: Ihr spielt eine Reihe vorgegebener Songs, meistert sie und erhaltet eine neue Trackliste. Dies wiederholt sich einige Male bis schließlich der Abspann über den Bildschirm flimmert. Boooring! Den Kampf der Musikspiele geht in diesem Jahr auf jeden Fall klar zugunsten von
»Rock Band 3 aus. Für
Guitar Hero wird es mittlerweile schwer, die treuen Fans bei der Stange zu halten. Ich hoffe auf Besserung im neuen Jahr.
Ich mag Endzeit-Szenarios. Der Kampf ums Überleben, bisher unnütze Gegenstände werden plötzlich zu Schätzen, die Trostlosigkeit der Welt, die Hoffnung auf einen Neuanfang. Das Buch
Metro 2033 bot all dies. Entsprechend hatte ich mich auf die Videospielumsetzung gefreut. Doch der Ego-Shooter aus Russland hat mich auf ganzer Linie enttäuscht. Zumindest die Xbox 360-Umsetzung schreckte direkt nach dem Spielstart mit einer unaufgeräumten Steuerung ab: Ich will eigentlich mitten im Kampf nachladen, ziehe stattdessen aber meine Taschenlampe. Auch eine geworfene Granate ist letztlich das Gegenteil des eigentlich geplanten Duckvorgangs. Selbst nach mehreren Spielstunden konnte man sich die Steuerung einfach nicht verinnerlichen.
Doch auch von der im Buch so toll inszenierten Atmosphäre war im
Metro 2033-Spiel nicht mehr viel übrig. Letztlich kämpfte man sich die ganze Zeit durch Tunnel, nur in den Stationen gab es das ein oder andere vorgefertigte Gespräch. So bleibt mir nur die Hoffnung auf eine Verfilmung der Buchvorlage. Die kann man dann wenigstens ordentlich steuern.
Mensch, wie lange haben wir auf
»Final Fantasy XIII (Testwertung: 88 %) gewartet? Wie sehr haben wir uns auf dieses Spiel gefreut? Und wie sehr wurden wir enttäuscht? Zwar sind Grafik und Atmosphäre fantastisch, in Sachen Story und Gameplay hat Square Enix jedoch einfach zu viel falsch gemacht. Gerade die strikte Linearität und die Anspruchslosigkeit in den Kämpfen, die anfangs für viele Stunden herrscht, sind für die Fans der Serie ein Graus. Man könnte
Final Fantasy XIII im Grunde als das
Call of Duty der Rollenspiele bezeichnen, aber das ist ganz bestimmt kein Lob. Denn wo einem bei einem Shooter Schlauchlevels nicht allzu sehr stören, sind diese in einem vollwertigen RPG einfach fehl am Platz.
Ich hoffe nur, dass sich die Entwickler beim nächsten Teil wieder mehr an die alten Tugenden halten:
Final Fantasy VII war so ein geniales Spiel. Warum nimmt man sich das nicht wieder mal als Vorbild? Es muss ja auch kein Remake sein (obwohl ich mir das sehr wünschen würde).
Für mich zählt
»The Fight: Lights Out (Testwertung 54 %) zu den größten Enttäuschungen in diesem Jahr. Da holen sich die Entwickler schon Danny Trejo, bekannt aus "From Dusk till Dawn" mit ins Boot und bringen so eine Spielegurke auf den Markt. Die Playstation Move Steuerung ist bestimmt kein Garant für Spieleknaller, aber dass es so schlecht werden kann hätte ich mir auch nicht vorgestellt. Die Steuerung ist so ungenau, dass es schon nicht mehr schön ist. Wenn wenigstens ein paar Treffer landen würden, wäre es ja okay, aber überhaupt keine ist schon ziemlich heftig. Ich hoffe nur, dass Danny Trejo durch diesen Auftritt keinen Imageschaden bekommen hat, denn mit diesem Spiel hat er sich sicherlich keinen Gefallen getan. Er sollte doch lieber in der Filmindustrie bleiben. Die Playstation Move Steuerung hat solche Spiele nicht verdient und kann dabei nur schlecht aussehen. Auch wenn der Grundgedanke nicht schlecht ist, ist die Umsetzung ein Schlag ins Gesicht geworden.
Die damals bahnbrechende Saga geht mit
»Command & Conquer 4 (Testwertung: 73 %) zu Ende - und keinen interessiert's mehr. So oder so ähnlich musste EA bereits im Vorfeld gedacht haben als sie die Serie zu ihrem Ende neustarten wollten. Leider ist dieser Relaunch so in die Hose gegangen, dass alles bisherige, das wir am Gameplay liebten, der Inhaltslosigkeit gewichen ist. Auch die Videos, die mich immer wieder zum Weiterzocken von Mission zu Mission motivierten, sind inhaltsleer und bedeutungsschwanger. Man nehme also eine traditionsreiche Serie, werfe sie mit genau null brauchbaren Ideen erneut auf den Markt und verfeinere den Mist mit einem sog. Relaunch, damit auch angestammte Serien-Fans nichts mehr damit anfangen können. Schade, denn so geht die Serie mit ihrem schlechtesten Teil zu Ende. Hoffen wir, dass EA ihrer Gelddruckmaschine dank Recycling-Garantie noch ein Stelldichein gibt - aber dann bitte richtig.
Einen Flop des Jahres zu küren, ist keine einfache Sache. Zumindest im Normalfall nicht. Meine Entscheidung fiel allerdings sehr schnell auf
»Fallout: New Vegas (Testwertung: 84 %). 2008 habe ich mich für
»Fallout 3 begeistert und kaum ein Spiel konnte diese Erfahrung bisher toppen. Mitte 2010 habe ich mich dann dran gesetzt, eine Preview zu dem von vielen – einschließlich mir – ersehnten
Fallout: New Vegas zu verfassen. Und je mehr ich schrieb, desto größer war meine Begeisterung für die Fortsetzung des postatomaren Rollenspiel-Shooters.
Im Herbst war es dann soweit: Der vermeintliche Knüller erschien und landete auch sogleich in meinen Händen, um eine Lobhymne in Form einer Review zu erarbeiten. Leider konnte Obsidian Entertainment innerhalb der Frist von Bethesda Softworks nicht ansatzweise die Versprechungen erfüllen, die zuvor gemacht worden sind. Abgesehen davon, dass sich im Vergleich zu
Fallout 3 kaum etwas geändert hatte, strotzte das Spiel vor Bugs (eine grobe Auflistung findet ihr in unserem Forum). Es ging sogar so weit, dass komplette Spielstände wegen eines Bugs zerstört wurden und ein Neubeginn unumgänglich war. Die Freude am Spiel lies sehr schnell nach. Natürlich gibt es Kandidaten auf dem Spielemarkt, die deutlich schlechter sind als
Fallout: New Vegas. Allerdings habe ich in kein anderes Spiel solch große Erwartungen gesteckt. Und auch wurde kein Spiel, das dermaßen großartig angekündigt wurde, in diesem Maße verbugt auf den Markt geworfen. Hier haben eindeutig noch einige Monate Entwicklungszeit gefehlt. Daher gebührt Bethesda Softworks diese negative Auszeichnung von meiner Seite. Zwar wurden nun mit einem Patch die gröbsten Fehler ausgebessert – doch auch dieser lies deutlich zu lange auf sich warten. Einen potentiellen Nummer Eins Hit aufgrund eines zu frühen Releasedatums so kaputt zu machen, hat den Titel Flop des Jahres 2010 redlich verdient!
a long time ago in a galaxy far far away...
Es sind dunkle Zeiten für die intergalaktische Gemeinschaft angebrochen. Das Imperium entsendet mit
»Star Wars: The Force Unleashed 2 (Testwertung: 65 %) ein Spiel, um die Massen zu langweilen: "Schwach die Macht in ihm ist". Um die Galaxis zu retten schickt die neu gegründete Rebellenallianz einen Jedi, einen Klon, einen Schatten seiner selbst, einen so einseitig langweiligen Charakter, das selbst ein Perserteppich dagegen noch charismatisch anmutet, der das ganze Spiel über ein und denselben Oneliner sagen darf: "Wo ist Juno?"
"Wo ist der Spielspass" in
Star Wars: The Force Unleashed 2 wäre eine weitaus schwieriger zu lösende Aufgabe. Und wer sich dann schlussendlich durch die langweiligen, immer gleichen Schauplätze geschnetzelt hat (wo ist die Planetenerkundung aus Teil I hin, hallo?!), in der Hoffnung am Ende den tollen Storytwist geliefert zu bekommen, der wird sich nach Abschluss der "Geschichte" wohl wünschen, den Machtwürgegriff mal an den Entwicklern dieser Star Wars-Verwurstung ausprobieren zu dürfen. Habe ich schon erwähnt das die spielgewordene Dunkle Seite der Macht den ambitionierten Padawan lediglich vier Stunden vor dem Bildschirm zu langweilen weiss?!
Kurzum: es macht mehr Spass in Darth Vaders Montur samt Plastiklaserschwert der Nachbarschaft aufzulauern als diesen Bantadreck zu spielen, und nach der angekündigten tiefgründigen Story zu suchen, die sich mit einem Satz zusammenfassen lässt: "Wo ist Juno?" Falls die Alte den Spielspass eingesackt hat, hoffen wir mal, dass sie in Teil III wieder eine tragendere Rolle spielen wird.
Welche Hypes waren bei euch letztlich nicht gerechtfertigt? Welche Spiele sollte man daher lieber im Regal liegen lassen?