Wir können auch ohne Strom! Auch unter Videospielern mag es Leute geben, die hin und wieder einmal zum guten alten Buch greifen. Gerade jetzt in der Sommerzeit bieten diese Dinger aus Papier einige Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind. Sie sind günstig, transportabel und bekommen am Strand keine Sandkörner zwischen die A-Taste. Doch was lesen Videospieler eigentlich? Antwort: Natürlich Bücher über Videospiele! Die GameRadio-Redaktion hat sich für einige Tage in der Bibliothek vergraben und dabei die interessantesten Bücher über unser liebstes Hobby zu Tage gefördert. Viel Spaß beim Schmökern!
Auch am Büchermarkt ist zu bemerken, dass Videospiele längst nicht mehr zu den Nischenprodukten gehören. Beschränkte sich die Auswahl an Literatur zu diesem Thema zu Beginn meiner Videospielkarriere noch auf ein bis zwei Bücher, so bietet der Buchhandel heute eine große Auswahl. Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich, tragen Videospieler doch oft das Stigma mit sich herum, niemals freiwillig die Nase in ein Buch zu stecken. Videospiele sind am Massenmarkt angekommen. Dies unterstreicht auch die vielseitige Auswahl an Büchern zum Thema Videospiele, die wir euch hiermit ans Herz legen wollen.
Schöpfer neuer Welten
Wenn ich an diese zweiteilige Buchreihe denke, werden bei mir gleich Nostalgie-Gefühle geweckt. Um dieses Werk entsprechend würdigen zu können, sollte euer Interesse an Videospielen bis ins Jahr 1985 zurückreichen. Zu dieser Zeit entschied die Computerzeitschrift
Happy Computer, sich auch eingehender mit dem Thema Computerspiel auseinanderzusetzen. Der erste Band ist in Schwarzweiß gehalten und beinhaltet zahlreiche Artikel aus besagter Zeitschrift. Die Redakteure besuchen Branchengrößen der 80er Jahre wie etwa Activision-Mitbegründer David Crane und interviewen diesen zu seinen Ansichten über die Videospielszene und dem "neuen"
Ghostbusters-Spiel. Doch nicht nur Interviews haben den Weg ins Buch gefunden, sondern auch etliche Berichte über diverse Softwarehäuser wie Atari oder Epyx. Der zweite Band handelt hingegen die Historie der legendären
Powerplay ab, die aus
Happy Computer entstanden ist. Wie schon im ersten Band kommen hier bekannte Redakteursveteranen wie Boris Schneider, Heinrich Lenhart oder Anatol Locker zu Wort. Der zweite Band enthält sogar einige Farbfotos.
Schöpfer neuer Welten ist eine wirklich spannende Reise in die Zeit dieser bekannten Fachmagazine.
Digitale Paradiese
Dieses Buch behandelt viele unterschiedliche Themen rund um das Thema Videospiele und doch liest es sich wie aus einem Guss. So analysiert es etwa den Archetypen des "Gamers", beschäftigt sich zeitgleich aber auch mit den internen Strukturen der Videospielindustrie.
Digitale Paradiese ist Retro und Zukunftsaussicht zugleich. Spiele wie
Pong, aber auch Cyberspacewelten wie
Second Life finden in Andreas Rosenfelders Werk ausreichend Raum. Es behandelt das Phänomen von LAN-Partys, Cybersport und Amokläufen, wagt aber auch eine Analyse der Vielfältigkeit von Videospielcharakteren.
Digitale Paradiese ist wie eine ziellose Kreuzfahrt quer durch die weite und bunte Welt der Videospiele. Ein wenig orientierungslos, aber dennoch wundervoll.
Das große Lexikon der Computerspiele
Weniger kunstvoll geht es bei unserem nächsten Buch zu. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich bei
Das große Lexikon der Computerspiele um ein alphabetisch geordnetes Nachschlagewerk. Dieses Buch dürfte ebenfalls vor allem für Retrospieler interessant sein, da neuere Aspekte der Videospielbranche fehlen. Zudem hat das Buch einen deutlichen Fokus auf Spiele am Computer. Zwar lassen sich die wichtigsten Fakten der Konsolenhistorie – wie etwa
Mario Brothers oder SEGA – auch nachlesen, sind aber in der klaren Minderheit. Besonders Liebhaber der klassischen Heimcomputer kommen bei der Lektüre dieses Werkes auf ihre Kosten. C64, Amiga oder Atari ST stellen einen Schwerpunkt des Buches dar. Wer schon immer gerne etwas über dahingeschiedene Firmen wie FTL, SSI oder Attic Software erfahren wollte, ohne immer gleich Wikipedia zu bemühen, sollte einen Blick auf dieses Lexikon werfen.
Commodore – Aufstieg und Fall eines Computerriesen
In der Pionierzeit der Computerindustrie gelang es einer Firma innerhalb kürzester Zeit zu Weltruhm zu gelangen und genauso schnell wieder mit Hochgeschwindigkeit am Boden zu zerschellen. Die Rede ist natürlich von Commodore, die insbesondere mit dem C64 und dem Amiga Geschichte geschrieben haben. Auf gut einhundert Seiten stellt Autor Boris Kretzinger einen detaillierten Einblick in die Welt von Commodore auf. Zunächst mit der Herstellung von Schreibmaschinen und Taschenrechnern beschäftigt konnte die Firma 1977 mit dem PET den ersten wirklich großen Erfolg verbuchen. Das Buch geht dabei genauer auf die Person des Firmengründers Jack Tramiel ein, beschäftigt sich aber auch mit den Werbekampagnen der Firma und berichtet über die Geschäftszahlen. Technikaffine Leser freuen sich zudem über eine genaue Auflistung aller wichtigen Details zu den Produktreihen.
Spielefresser, Biomonster & Fanboys
Diese äußerst humoristische Sammlung von Texten stammt aus der Feder von Jörg Luibl. Wobei der Begriff Feder an dieser Stelle unpassender nicht sein könnte. Schließlich handelt es sich bei Jörg Luibl um den Chefredakteur des wohl größten deutschen Onlineportals über Videospiele
4Players. Sämtliche Inhalte von
Spielefresser, Biomonster & Fanboys sind auch auf der Website nachzulesen. Es handelt sich vielmehr um eine Zusammenstellung seiner besten Kolumnen in Papierform. Die kleinen Kapitel sind nie länger als einige Seiten und eignen sich hervorragend als Lektüre für zwischendurch. Stets lustig, häufig bissig, gestaltet der Online-Redakteur seine Kurzberichte über die Geschehnisse in der Videospielwelt.
Spielefresser, Biomonster & Fanboys ist ein empfehlenswertes Werk für Videospieler, die ihr Hobby wieder einmal von der komischen Seite aus betrachten wollen.
Wo sind die normalen Menschen?
Auch dieses Buch besticht mehr durch Humor als durch seinen Informationsgehalt. In bislang zwei Büchern berichtet Autor Patrick Becher von seiner Arbeit als Inhaber eines Videospielfachgeschäfts. Langweilig scheint es dort niemals zuzugehen, dafür oftmals sehr skurril. Denn welchen Kunden er dort begegnet, lässt den Leser immer wieder den Kopf schütteln. Nach wahren Begebenheiten arbeitet der Videospielverkäufer seine verrücktesten Erlebnisse auf. Dabei handelt es sich meist um kurze Abschnitte von wenigen Zeilen, die kurz und prägnant seine Kundenkontakte abhandeln. So lesen wir in
Wo sind die normalen Menschen? über Kunden, die sich öffentlich in seinem Laden über die neusten Raubkopien unterhalten oder dem Inhaber gleich selbst illegale Ware zum Kauf anbieten. Andere wiederum erzählen freimütig von ihren privaten Problemen. Einige wollen ihre Spiele im Laden verkaufen, da sie dringend Kippen brauchen. Ich selbst habe die Lektüre der beiden Bände sehr genossen, auch wenn sie in gut zwei Stunden durchgelesen sind. Wer schon immer gerne mal Mäuschen in einem Videospielladen spielen und sich über die bizarre Kundschaft ausschütten wollte, sollte dieses Buch auf jeden Fall einmal zur Hand nehmen.
Ladezeit
Mit
Ladezeit hat Herausgeber Matthias Mertens eine spannende Sammlung von Essays über das Thema "Videospiele" zusammengestellt. Dabei hat er sich nicht selten an Texten aus dem Videospielmagazin GEE bedient, für das er selbst tätig ist. Neben dem Herausgeber sind auch weitere Mitarbeiter des Magazins in diesem Sammelband vertreten. Heiko Gogolin und Tobias O. Meißner haben ebenso ihren Anteil an
Ladezeit. Die Redakteure beschäftigen sich dabei mit vielfältigen Themen rund um Videospiele. Der Bereich Nostalgie und Retro darf in einem Buch wie
Ladezeit natürlich nicht fehlen. Doch auch die Themen Gewalt oder Romantik haben ihren Platz in diesem Werk. Interessant sind auch die Kapitel "Verkannte Meisterwerke" und "Erkannte Meisterwerke", die sich eingehend mit Spielen wie
Super Mario oder
Spartan: Total Warrior befassen.
Spielkonsolen und Heimcomputer
Unter Videospielern erfreut sich dieses Buch schon seit langer Zeit großer Beliebtheit. Mittlerweile geht
Spielkonsolen und Heimcomputer bereits in die dritte Runde. Verantwortlich für den Inhalt ist Ex-PowerPlay- und Videogames-Redakteur Winnie Forster, der durch seine detaillierten Beschreibungen und guten Recherchen besticht. In der aktuellen Auflage wagt Winnie Forster den irrwitzigen Versuch, alle spielerelevanten Heimcomputer und Spielkonsolen von 1972 bis 2009 abzubilden. Mit zahlreichen farbigen Abbildungen geht der ehemalige Videospieleredakteur dabei chronologisch vor.
Spielkonsolen und Heimcomputer ist und bleibt das Nummer 1 Nachschlagewerk für Retrofreunde, die ein wenig tiefer in die Materie eintauchen und sich über technische Details und die wichtigsten Spiele der jeweiligen Systeme informieren wollen.
Emulatoren
Dieses 220 Seiten starke Buch belässt es nicht bei einer schnöden Auflistung von diversen Emulatoren für alle möglichen Systeme. Es taucht vielmehr ab in die geschichtlichen Hintergründe der Emulatorenszene, beleuchtet rechtliche Aspekte und gibt einen umfassenden Einblick über das "Who Is Who" der Emulatorengemeinschaft. Aufschlussreich sind auch die interessanten Interviews mit Rechtsanwälten, ROM-Sammlern oder Websitebetreibern. Eine Auflistung der besten Emulatoren für nahezu jedes System darf natürlich in einem Buch wie
Emulatoren nicht fehlen. Die Links dürften für Interessierte auf jeden Fall sehr hilfreich sein.
Game Generations
Vor einigen Monaten hatten wir bereits über dieses Buch im Rahmen eines Interviews mit dem Autor Frank Magdans berichtet. Der Schwerpunkt des Buchs liegt auf den zahlreichen Interviews, die Frank Magdans in mühsamer Kleinarbeit mit interessanten Köpfen aus der Videospielindustrie geführt hat. Leute wie Ed "Mortal Kombat" Boon, John Romero oder Keiji Inafune kommen hier zu Wort. Weitere Designerlegenden wie Shigeru Miyamoto oder Will Wright werden im Starporträt behandelt. Des weiteren befasst sich Frank Magdans mit weiteren Themen wie Edutainment Software, Übersetzungen in Videospielen oder Computerspiel-Museen. Eine Kurzzusammenfassung der Videospielhistorie runden
Game Generations ab. Absolut lesenswert!